Einblicke in die Zukunft des digitalen Journalismus

Christian Bredlow hat einige Sachen herausgekitztelt: In einem vor einigen Monaten geführten Interview gewährte ich Einblicke in meinen Werdegang, meine Philosophie und eine Vision für die Zukunft des Journalismus.

Frühe Leidenschaft und Pionierarbeit

Gunnar Sohn entdeckte früh seine Leidenschaft für das Internet und die digitale Welt. Schon in der sechsten Klasse gründete er seine erste Schülerzeitung, ein frühes Zeichen seiner journalistischen Ambitionen. Inspiriert durch seinen Deutschlehrer, Herrn Menne, entwickelte Sohn eine Liebe zur Sprache und Literatur. Diese Leidenschaft führte ihn später dazu, eines der ersten deutschen Online-Magazine zu gründen, eine beachtliche Leistung zu einer Zeit, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte.

Digitale Transformation im Journalismus

Sohns Karriere ist geprägt von einem stetigen Wandel und der Anpassung an neue technologische Entwicklungen. Er hat in verschiedenen Medienhäusern gearbeitet und wichtige Positionen innegehabt, darunter als Pressesprecher und Leiter der Unternehmenskommunikation. Seine Erfahrung in diesen Rollen hat ihm eine einzigartige Perspektive auf die sich verändernde Medienlandschaft gegeben.

Technologie als Treiber des Wandels

Technologie steht im Zentrum von Sohns Arbeit. Er betont die Bedeutung der Anpassung an neue Formate und die Nutzung von digitalen Plattformen zur Erweiterung journalistischer Möglichkeiten. Besonders interessant sind seine Ansichten zur Rolle der Künstlichen Intelligenz im Journalismus, die er als einen potenziellen Game Changer sieht, der die Arbeit von Journalisten und Content-Erstellern revolutionieren könnte.

Ein unkonventioneller Ansatz

Bemerkenswert an Sohns journalistischer Arbeit ist sein Ansatz, Gespräche dynamisch und reaktionsschnell zu führen, statt sich auf vorgefertigte Fragen zu verlassen. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihm, tiefgründige und authentische Interviews zu führen, die oft unerwartete und aufschlussreiche Antworten hervorbringen.

Blick in die Zukunft

Sohn bleibt seiner Leidenschaft für den Journalismus treu und ist bestrebt, sich kontinuierlich neu zu erfinden. Seine Vision für die Zukunft beinhaltet eine stärkere Integration von Technologie in den journalistischen Prozess, wobei er besonders auf die Möglichkeiten hinweist, die sich durch Künstliche Intelligenz ergeben.

Die neue Sohn@Sohn-Schriftenreihe und die Herausforderung, disruptive Innovationen zu erkennen

Der Content ist vorhanden, Material steht im Archiv und ein paar Tage später ist das Ganze auch noch als gedrucktes Werk da in Kombination mit eBooks und weiteren Verwertungsmöglichkeiten via Audio und Video. Also so eine Art MIT- oder Oxford-Press-Effekt. Für uns war es nur ein Test für die jährliche Weihnachtsaktion für unsere Kunden und Partner. Jeder kann via Amazon nachbestellen und es dem eigenen Netzwerk zur Verfügung stellen, Aussendungen für Fach- und Wirtschaftspresse vornehmen, Besprechungen im Corporate Blog schreiben. Das Flüchtige – via Livestreaming – wird dann neben den Konserven, Dokus und Snippets noch nachhaltiger und langfristiger verfügbar: Analog und digital. 

Was das alles mit Schumpeter zu tun hat, könnt Ihr in unserer neuen Newsletter-Ausgabe lesen.

Zukunft Personal Digital Experience im Januar

Die erste Ausgabe der ZP Digital Experience steht an. Am Dienstag, den 23. Januar 2024. Im Vordergrund steht dabei Active Sourcing und Social Media Recruiting. Superspannendes Thema. Mit dabei: Expert:innen und HR-Input ohne Ende – wir werfen einen Blick in das bisherige Programm:

  • Alles Social, oder was? Wie die sozialen Medien zur gezielten Kommunikation mit Talenten genutzt werden könnenMarcus Merheim, Gründer hooman EMPLOYER MARKETING
  • Vom Follower zu Mitarbeiter: Primarks innovative Strategien für eine erfolgreiche Candidate JourneyLukas Richthammer, Director of Business Development, radancy
  • Wie Sie 40% produktiver werden im Active Sourcing mit SourceTecWolfgang Brickwedde, Director des ICR (Institut for Competitive Recruiting)
  • ChatGPT im Active Sourcing und Recruiting gewinnbringend nutzenJan Hawliczek, Recruiter, Sourcer, Trainer und Co-Founder von Die Grüne 3 GmbH
  • Corporate Influencer – mehr als nur eine Personalmarketing-Show?Stefan Scheller, HR-Influencer und Autor, PERSOBLOGGER.de

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Studie: Unternehmen erkennen die Bedeutung von Daten – Fortschritte in der Analyse und Nutzung bleiben verhalten

Im Kontext von Nachhaltigkeit und ESG (Environmental, Social and Governance) spielt die effektive Nutzung von Daten eine entscheidende Rolle. Eine Studie von IBM zeigt, dass 95 Prozent der befragten Unternehmen die Wichtigkeit von Daten anerkennen, jedoch nur 10 Prozent signifikante Fortschritte in der Datenanalyse und -nutzung verzeichnen. Der Hauptgrund für diese Diskrepanz liegt in der Unstrukturiertheit und mangelnden Aufbereitung der vorhandenen Daten.

Künstliche Intelligenz (KI) wird als Lösung für diese Herausforderung gesehen. In der Praxis kann KI verschiedene Bereiche optimieren, wie zum Beispiel das Lieferkettenmanagement und die Energieversorgung. Hierbei ist eine zielgerichtete Steuerung durch das Management gefordert, um Prozesse effizienter und klimafreundlicher zu gestalten.

Buchveröffentlichung von Sohn@Sohn: Gedankenblitze der Kommunikation – Wer noch Geschenke sucht fürs frohe Fest, wird bei uns fündig

Vorwort

Für Erkenntnisblitze ist bekanntlich der Ausspruch „Heureka!“ des griechischen Physikers und Mathematikers Archimedes zum Erkennungszeichen geworden: Ich hab’s gefunden! Gelöst wird nicht nur das irritierende Grundproblem des Denkers, sondern öffnet auch seinem Lebensweg eine neue Perspektive.

Mit der spontanen Einsicht ist es aber nicht getan. Der Geistesblitz muss zu einer Werkidee weiterentwickelt werden, schreibt Manfred Geier in seinem Opus „Geistesblitze – Eine andere Geschichte der Philosophie“.

In dem Band geht es auch um die „Entdeckung“ ́des kritischen Rationalismus durch Karl Popper. Ein Heureka-Erlebnis der Buchlektüre. Leitstern für die wissenschaftstheoretischen Arbeiten von Popper war das Forschungsprinzip von Albert Einstein. Er grenzte sich von vielen Wissenschaftlern ab, die krampfhaft nur nach der Bestätigung des eigenen Schaffens suchten:

Dazu zählten vor allem Psychoanalytiker wie Freud oder Adler. „Weil ihre Wahrheit offenbar zu sein schien, fanden sie gläubige Anhänger und Bewunderer, und wer nicht an sie glaubte, galt als verstockt, durch Ideologien verführt oder als unaufgeklärt“, schreibt Geier.

Einstein dagegen suchte nach einer möglichen Widerlegung seiner Gravitationstheorie, und er war bereit gewesen, sie als unhaltbar aufzugeben, wenn sie einer experimentellen Überprüfung nicht standgehalten hätte. Die Ausschaltung von Fehlern war ihm wichtiger als die Behauptung sicherer Wahrheiten. „Aus diesem Grund war die erste Bewährung der Relativitätstheorie während der Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 das große Erlebnis, das Poppers geistige Entwicklung maßgeblich beeinflusste.

So kam er gegen Ende des Jahres 1919 zu dem Schluss, ‚dass die wissenschaftliche Haltung die kritische war; eine Haltung, die nicht auf Verifikation ausging, sonder kritische Überprüfungen suchte, die die Theorie widerlegen konnten.“

Auf Basis dieses Geistesblitzes demontiert er 1944 in seiner Schrift „Das Elend des Historizismus“ den trügerischen Glauben an die Vorhersehbarkeit geschichtlicher Entwicklungen und spricht sich für eine Sozialtechnik der kleinen Schritte aus, die Helmut Schmidt in seiner Kanzlerschaft beherzigte.

In einer offenen Gesellschaft komme es nach Ansicht von Popper darauf an, politische Institutionen so zu organisieren, dass es schlecht oder inkompetenten Herrschern unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten. Die guten Absichten des allwissenden und durchregierenden Basta-Politikers verwandeln sich schnell in einen politischen Albtraum. Sympathisch war ihm der Denkansatz von Xenophanes, dass alles menschliche Wesen ein Raten ist, und dass auch seine eigenen Theorien im besten Falle nur der Wahrheit ähnlich sind.

Das ist auch der Maßstab für die Geistes- oder Gedankenblitze der Kommunikation, die Sohn@Sohn zu vielen Anlässen immer wieder heraus kitzeln. Nicht am Reißbrett, nicht über vorgestanzte Moderationskarten, nicht über blutleere Teleprompter-Rhetorik, sondern über die Lust an der Kombinatorik, über den Charme des Zufalls, die blitzschnelle Anpassung an das nicht Vorhersehbare und über die Kunst des guten Gesprächs. Sohn@Sohn folgen Popper und Xenophanes: Im Lauf der Zeit finden wir, suchend, das Bessre. 

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Die Wahrheit über die Massentierhaltung in Deutschland #FriedrichBüse

Sohn@Sohn-Adhoc-Interview mit Friedrich Büse in Bamberg.
Gunnar Sohn: Friedrich, als wir uns beim Roundtable von Multivac das erste Mal
begegnet sind, hast du kurz angedeutet, wie sich deine berufliche Laufbahn
entwickelt hat. Erzähl doch bitte etwas mehr darüber.

Friedrich Büse:

Ja, mein Werdegang ist tatsächlich ein wenig wie die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Auf der einen Seite habe ich im elterlichen Betrieb das Fleischerhandwerk von der Pike auf gelernt und war als Fleischer und Koch tätig. Nach meiner Ausbildung und Meisterprüfung bin ich dann ins Ausland gegangen, um zu sehen, wie in anderen Ländern die Fleischwurstherstellung gehandhabt wird und welche Unterschiede es gibt. In über 20 Jahren habe ich viel gelernt, vor allem darüber, wie man es machen kann und wie man es nicht machen sollte. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich letztendlich dazu entschieden, dass ich die Fleischwarenindustrie hier nicht überzeugen konnte.

Das ist ähnlich wie in anderen Ländern, wo der Fleischkonsum mit steigendem Einkommen zunimmt und die Schlachthäuser und Fabriken immer größer werden. In Deutschland haben wir jedoch den zusätzlichen Aspekt, dass wir immer den letzten Cent aus der Wertschöpfungskette pressen wollen, obwohl es gar nicht notwendig ist. Es geht um Geiz und Billigpreise. In anderen Ländern, wie dem Nahen Osten, Afrika oder Asien, ist Fleisch ein wichtiger Eiweißträger und man versucht, Wurstsorten preiswerter zu machen, damit sich die Menschen überhaupt Fleisch leisten können. In Syrien und Jordanien haben wir zum Beispiel Corned Beef hergestellt, bei dem ein Drittel Fleisch und der Rest Karotten und Kartoffeln waren. Es gibt also unterschiedliche Perspektiven auf den Fleischkonsum.

Was mich jedoch schockiert hat, als ich nach Deutschland zurückkam, war die Tatsache, dass hier vor allem der Preis im Vordergrund steht. Das betrifft nicht nur Fleisch und Wurst, sondern auch den Bio-Bereich. Viele Bio-Produkte kommen nicht aus Deutschland oder Europa, sondern aus China. Es gibt viele Mechanismen und Zusammenhänge, über die wir uns kaum Gedanken machen, weil wir in einer Konsumgesellschaft aufgewachsen sind und uns an die große Auswahl gewöhnt haben. Aber sollten wir nicht darüber nachdenken, ob es wirklich notwendig ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles verfügbar zu haben? Ist es nicht schöner, saisonale Produkte zu genießen, die frisch und geschmackvoll sind? Diese Fragen haben Auswirkungen auf Nachhaltigkeit, Umwelt und unsere eigene Gesundheit.

Es ist wichtig, dass der Verbraucher versteht, dass hinter den Lebensmitteln komplexe Wertschöpfungsketten stehen. Es wäre sinnvoll, die Herkunft der Rohstoffe auf den Verpackungen zu kennzeichnen. Natürlich wäre die Liste dann lang, aber es würde uns helfen, bewusster einzukaufen. Wir müssen uns fragen, ob es wirklich notwendig ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit alles verfügbar zu haben. Es gibt Länder, in denen die Versorgung regional abgebildet wird. Es geht nicht um Verzicht, sondern um einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln und unserer Umwelt.

Leider haben viele Verbraucher kein Bewusstsein dafür, was hinter den Kulissen der Supermärkte passiert. Die Kommunikation endet oft an der Eingangstür des Supermarktes. Wir sollten uns bewusst machen, dass es nicht nur um die Nahrungsmittelversorgung geht, sondern um Lebensmittel, die wir mit Respekt behandeln sollten. Es gibt viele Fragen, die wir uns stellen müssen, und sie haben Auswirkungen auf Nachhaltigkeit und unsere Gesundheit. Leider haben wir als Gesellschaft verlernt, uns damit auseinanderzusetzen.

Die industrielle Massentierhaltung liefert rund 97 Prozent des konsumierten Fleisches in Deutschland. Das ist erschreckend. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies nicht nur Auswirkungen auf das Tierwohl hat, sondern auch auf die Menschen, die in dieser Branche arbeiten. Der Umgang mit den Tieren und die Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben können psychische Schäden verursachen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir Tiere töten, um Fleisch und Wurst auf dem Teller zu haben. Es ist tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht mitbekommen, wie das alles abläuft.

Jeden Tag werden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Tiere geschlachtet. Diese Massenproduktion hat Auswirkungen auf die Menschen, die in der Branche arbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass es nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen geht. Die Logistik dahinter ist eine Meisterleistung, um die Nachfrage der Supermärkte zu erfüllen. Es ist jedoch erschreckend, wie wenig wir als Gesellschaft davon mitbekommen.

Wenn man bedenkt, dass Tiere sterben, damit wir Fleisch auf dem Teller haben, ist es tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht darüber nachdenken. Es geht nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen, die in der Branche arbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, was hinter der Produktion und dem Transport von Tierprodukten steckt.

Es ist tragisch, dass wir als Gesellschaft oft nicht mitbekommen, wie die Tiere sterben, damit wir Fleisch und Wurst auf dem Teller haben. Es geht nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um das Wohl der Menschen, die in der Branche arbeiten. Wir sollten uns bewusst machen, dass es nicht nur um die Nahrungsmittelversorgung geht, sondern um Lebensmittel, die wir mit Respekt behandeln sollten. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, was wir essen und wie es produziert wird.

CDU macht den Brüderle und wirbt wieder für eine strahlende Atom-Zukunft

aerial shot of crimean atomic energy station
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Das schrieb ich in meiner The-European-Kolumne vor 12 Jahren: Die liebwertesten Gichtlinge des energiepolitischen Appells, die Deutschland am liebsten im Zustand eines oligopolistisch beherrschten Industriemuseums konservieren würden, planen die letzte Schlacht zum Erhalt ihrer Macht, die sie in der Stromwirtschaft in den vergangenen 100 Jahren mit staatlichem Segen errungen haben. Die von der Energiewende geplagten Konzerne bereiten Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor, um das Atomgesetz zu kippen und anschließend milliardenschwere Schadensersatzforderungen stellen zu können. Nach „Spiegel“-Informationen haben die Unternehmen namhafte Anwaltskanzleien und Top-Gutachter engagiert: „Beauftragt wurden Kanzleien wie Linklaters, Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Gleiss Lutz. Die Konzerne wappnen sich zudem mit entsprechenden Gutachten. So gehen der Verwaltungsrechtler Christoph Moench und der ehemalige Verteidigungsminister und Staatsrechtler Rupert Scholz in einem für den Düsseldorfer E.on-Konzern verfassten Gutachten davon aus, dass der von der Bundesregierung geplante Ausstieg klar gegen die Verfassung verstoße“, so „Spiegel Online“. Die den Konzernen im Jahr 2000 zugestandenen Reststrommengen für Atomkraftwerke, so die Juristen der Kanzlei Gleiss Lutz, seien Eigentum der Konzerne, das durch das Eigentumsrecht des Grundgesetzes geschützt sei. In dieses Eigentumsrecht jedoch greife der Staat mit dem geplanten Ausstiegsgesetz massiv ein, ohne bislang „stringente Gründe dafür zu liefern“. Somit, heißt es in dem rund 80-seitigen Papier, stünde den Konzernen Schadensersatz zu – und der liegt nach Schätzungen der Konzerne im zweistelligen Milliardenbereich.

Man könnte die Gegenrechnung präsentieren

Eine höchst merkwürdige Logik der im Abflug befindlichen Stromkonzerne, die über Jahrzehnte Subventionen kassiert und Sonderrechte genossen haben sowie die Folgen ihrer Atompolitik auf die Allgemeinheit abwälzen. Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren – ein prima Geschäftsmodell. Man könnte den Dinosauriern der Energiewirtschaft ja mal eine Gegenrechnung präsentieren, die vom Forum „Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ in der Studie „Billiger Strom aus Atom und Kohle?“ aufgestellt wurde. Für die Zeit von 1970 bis 2008 ergibt sich eine Summe von rund 165 Milliarden Euro, die als Staatsknete kassiert wurde. Dann kommen noch die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke dazu – etwa 42 Milliarden Euro. Zusammen ergibt das Subventionen von über 200 Milliarden Euro. Aber damit sind wir nicht ganz fertig mit der Vollkostenrechnung, liebe Nobelanwälte und Berater der oligopolistischen Konzernwelt. Es folgen Rückbaukosten für die noch laufenden Atommeiler, die mit 34 Milliarden Euro beziffert werden. Dann fehlen die Kosten für die Endlagerung für den hochradioaktiven Abfall, für den es bislang kein Endlager gibt. Hierfür stehen die Kosten in den Sternen. Damit liegen wir wohl ein klein wenig über den Forderungen auf Schadensersatz.

Die Strombosse können es einfach nicht ertragen, dass sie zu den Verlierern der Energiewende zählen werden. Wir erleben als Zuschauer einen Niedergang von Gebilden, die über Jahrzehnte mit höchst fragwürdigen Methoden herangezogen wurden – im klaren Widerspruch zum Kartell- und Wettbewerbsrecht. „Der Erfolg der Französischen Revolution hatte seine Grundlage letztlich darin, dass der Feudalismus abgewirtschaftet hatte. Dem Prunk des Sonnenkönigs Louis XIV. standen die Hungerrevolten in der Vendée gegenüber. Die objektiven Symptome des Abgewirtschafteten gehen einher mit dem Defätismus der noch Mächtigen“, schreibt der Energierechtsexperte Peter Becker in seinem Buch „Aufstieg und Krise der deutschen Stromkonzerne“. Ähnliches erleben wir bei den Stromgiganten. „Viele Hunde sind des Hasen Tod. Das weiß man nicht nur aus dem Märchen, sondern kann es auch sehr schön beim Wachsen der Erneuerbaren Energie erkennen. Die vielen Investoren sind nur ein äußeres Zeichen. Dahinter steht eine gesellschaftliche Bewegung, die von der Kraft der Erneuerbaren erzeugt ist. Es handelt sich um die Energie der Zukunft“, so Becker weiter. Das sollten wir uns nicht zerreden lassen und in den kommenden zehn Jahren zum wichtigsten Projekt von Wirtschaft, Gesellschaft und Staat machen. Die fossile und nukleare Stromerzeugung mit zentralistischen Machtbefugnissen steht vor dem Aus. Den Blockierern aus dem Industriemuseum sollten wir zumindest einen Platz als Kartenabreißer reservieren.

Reaktionäre Atomfreunde

Soweit die Kolumne aus dem Jahr 2011. Und jetzt drängt die CDU in ihrem Entwurf zu einem neuen CDU-Grundsatzprogramm auf eine Rückkehr zur Atomkraft und bricht damit mit der Energiepolitik von Angela Merkel. „Deutschland kann zurzeit nicht auf die Option Kernkraft verzichten“, heißt es in dem Entwurf. Die Partei setze auf Technologieoffenheit und benennt unter anderem Kernkraftwerke der „vierten und fünften Generation“. Da kommen sie wieder die Schlagzeilen der restaurativen Bedenkenträger der Deutschland AG, die sich 2011 mit dem „energiepolitischen Appell“ schon so eifrig für die atomare Zukunft ins Zeug gelegt hat. Die Stimmung der Bevölkerung in Deutschland gegen Atomkraftwerke würde im Ausland wieder als Rückfall in die „German Angst“ gewertet. Es mache sich „Technikskepsis und Kulturpessimismus breit. Zudem müsse mit höheren Strompreisen gerechnet werden, die die Wettbewerbsfähigkeit belaste. Weit gefehlt, Ihr liebwertesten Gichtlinge der Atomfront. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Romantiker des alten und überkommenen Industriekapitalismus zählen zur reaktionären Fraktion im Lande. Wo käme man denn hin, wenn Städte und Kommunen auf dezentrale und hocheffiziente Konzepte setzen würden, sich abkoppeln von den Stromkonzernen und damit unabhängiger das Energiemanagement regeln. Das stinkt nach mehr Wettbewerb, schwächt die Möglichkeiten für politische Muskelspiele und verringert das Spielfeld für die Lobbyisten der zerbröselnden Deutschland AG. Wer von den Preisrisiken eines Atomausstiegs redet, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomenergie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man die Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir schon längst weitaus mehr für eine Kilowattstunde berappen. Die Atomenergie bindet gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konserviert unwirtschaftliche Großorganisationen der Energiewirtschaft. Wenig zukunftsorientiert, Herr Merz.

green peas

Vom Saulus zum Paulus: Wie etabliert man Alternativen zum Fleinschkonsum? #Klimaschutz #FriedrichBüse #Recherche

LinkedIn-Event.

Die nächsten Sendetermine:

Teil 2: Dienstag, 09.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 3: Dienstag, 16.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 4: Dienstag, 23.01.2024, um 12 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich.

white and black wooden blocks

Die Chancen einer Ernährungswende – Vierteiliges Interview mit Friedrich Büse – Start am 12.12.2023, um 12 Uhr

Im Interview mit Sohn@Sohn-Adhoc thematisiert Büse die dunklen Aspekte der Fleischindustrie: den extrem billigen Fleischkonsum, die verheerenden Umweltauswirkungen und die gesundheitlichen Risiken. Besonders alarmierend findet er die Bedingungen der Massentierhaltung, die nicht nur das Tierwohl, sondern auch das Wohl der in der Fleischproduktion Beschäftigten beeinträchtigen. Täglich werden in Deutschland etwa 1,2 Millionen Tiere geschlachtet, ein Umstand, der nach Büses Meinung mehr Bewusstsein in der Gesellschaft erfordert. In einem vierteiligen Interview erörtern wir die Chancen einer umfassenden Ernährungswende.

Start am Dienstag, 12.12.2023, um 12 Uhr.

Teil 2: Dienstag, 09.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 3: Dienstag, 16.01.2024, um 12 Uhr.

Teil 4: Dienstag, 23.01.2024, um 12 Uhr.

Man hört, sieht und streamt sich.

Weisheit der Gesetze, Kraft der Institutionen, Qualität des politischen Personals und die Tugend der Bürgerinnen und Bürger

Hinter den Brandreden und nationalistisch durchtränkten Reden von Björn Höcke steckt eine perfide Methode. Es geht nicht nur darum, rechte Gedankenbilder in den politischen Diskurs einzuführen, ohne sich juristisch angreifbar zu machen, schreibt die Zeit in einer lesenswerten Analyse: “Das Ziel ist Überwältigung. Systematisch deuten rechtsgerichtete Politiker und Agitatoren zentrale Symbole des freiheitlichen, demokratischen Gemeinwesens Deutschlands um, und der Bürger weiß sich nicht zu wehren. Die Strategie ist es, Begriffe und Bilder des demokratischen Diskurses zu diskreditieren und Demokraten im Wortsinn sprachlos zu machen. Jemand will uns die kollektive Identität rauben, sagt Höcke? Stimmt, Höcke selbst will das.”

Höcke demontiert die bundesdeutsche Erinnerungskultur

Seine Umdeutungsabsichten zielen vor allem auf die bundesdeutsche Erinnerungskultur: “Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz der Hauptstadt gepflanzt hat”, sagte er. In diesem Satz zeige sich die ganze Perfidie der Methode. “Denn wer rechts denkt, weiß ihn zu deuten. Gleichzeitig schob Höcke für alle Empörten am Tag nach der Rede eine persönliche Erklärung nach. Er habe den Holocaust als Schande für ‘unser Volk’ bezeichnet, dem ‘wir Deutschen’ ein Denkmal gesetzt hätten”, schreibt Karsten Polke-Majewski.

Die Protagonisten im rechten Spektrum tanzen um einen Kessel mit brauner Suppe und sind bemüht, selbst keine braunen Flecken auf ihre Westen und Blusen abzubekommen. “Das gelingt ihnen meistens nur ab und zu steht man wie jüngst selbst mitten in der braunen Soße”, führt der bildende Künstler Edgar Piel aus.

Die nationalistischen Akteure agieren mit Untergangsformeln und inszenieren sich dabei als die Erlöser. Wer sich dem widersetzt, wird als undeutsches Element und Volksverräter denunziert.

Kampf um Wörter

Diese politische Auseinandersetzung ist vor allem ein Kampf um die Deutungshoheit in privatisierten Öffentlichkeiten des Social Web. Donald Trump ist dafür der Wegbereiter. Sein Auftreten wirkt wie ein Katalysator und beflügelt jene politischen Kräfte, die ihre Morgenbräune kommen sehen. Es ist ein Angriff auf die Symbole und Institutionen der Bundesrepublik Deutschland. Das ist vor allem ein Angriff auf den Geist der Bonner Republik, denn in Bonn sind die Wurzeln des Grundgesetzes, hier tagte der Parlamentarische Rat im Museum König und im Gebäude des Bundesrates, hier sind in der Nachkriegszeit wichtige Weichen gestellt worden für politische Stabilität in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Bonn stand für das pragmatische Gebot politischer Nüchternheit, geschichtlicher Verantwortung und Weltoffenheit. Hier entwickelten die Mütter und Väter des Grundgesetzes die institutionellen Sicherungen, um Weimarer Verhältnisse zu verhindern. Repräsentative Demokratie, Verhältniswahlrecht, Fünf-Prozent-Klausel, Verhinderung negativer Mehrheiten, föderale Struktur und Interessenausgleich mit den Bundesländern im Bundesrat und das Bundesverfassungsgericht als Korrektiv der Gesetzgebung. Es sei “das beste, demokratischste Deutschland, das wir jemals hatten”, bilanzierte Joachim Gauck in seiner Abschiedsrede als Bundespräsident.

Faktoren für Stabilität

Das Fundament für diese Erfolgsgeschichte wurde in Bonn gelegt. Dieser Geist ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Er muss immer wieder vermittelt werden besonders in der politischen Bildung. In Anlehnung an Thukydides, Aristoteles und Tocqueville benennt der Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis drei Faktoren für politische Stabilität:

die Weisheit der Gesetze bzw. die Kraft der Institutionen,
die Qualität des politischen Personals
und die Tugend der Bürgerinnen und Bürger.

All das muss eine Gesellschaft im Auge haben, um nicht den völkisch gesinnten Agitatoren, die unsere Republik zerstören und umwälzen wollen, die Deutungsmacht zu überlassen.

BpB-Kommunikationschef Daniel Kraft machte auf die Aktion aufmerksam, die zum 65-jährigen Jubiläum seines Hauses stattfand. Er erwähnte Professor Carl Christoph Schweitzer, der die Bildungsinstitution gegen massive Widerstände kämpfen aufbaute: „Vor allem sollte die neue Bundeszentrale dabei helfen, den Deutschen die Demokratie nahezubringen. Viele hätten immer noch nicht glauben wollen, dass das Terrorregime und der Holocaust Millionen Menschen das Leben gekostet hatten. In vielen Köpfen galten die Widerständler des 20. Juli weithin als Verräter. Dieser Lüge mussten wir entschieden entgegentreten’, betont der 92-Jährige im Rückblick.“

Sein programmatisches Credo ist aktueller denn je. Letztlich muss mit politischer Bildung klargemacht werden, wie wichtig es ist, den Geist der Bonner Republik mit Leben zu füllen. Höcke und Co. wollen ihn beschädigen: Es gehe diesen Akteuren, Gruppierungen und Bewegungen nicht um die Liberalisierung der Öffentlichkeit und folglich auch nicht der Politik, die eigentlich mit den genannten Werten einhergeht. Im Gegenteil: Es geht schlicht um die Propaganda der eigenen Ziele, also um den Versuch, die vermeintlich liberale Hegemonie durch die eigene autoritäre Ideologie zu ersetzen, führt Professor Armin Scholl in einem Beitrag für die Netzdebatte der BpB aus.

„Ist diese erst einmal durchgesetzt – wie Entwicklungen in Ungarn, Polen oder der Türkei befürchten lassen ist Schluss mit Toleranz und Meinungsvielfalt, mit der Repräsentanz von Minderheiten und gleichen Beteiligungschancen für alle politischen Richtungen. Denn diese Werte gelten nicht mehr für den politischen Gegner, sondern nur für die eigene Klientel – solange man sich in der Opposition zu einer illegitimen Regierung und als unterdrückte Mehrheit wähnt.“

Die Social-Web-Szene in Bonn sollte aktiver werden und dafür einige Stationen ansteuern: Museum König, Kanzler Bungalow, Langer Eugen, Bundestag, Wasserwerk, Kanzleramt, Arbeitszimmer von Ludwig Erhard in Duisdorf und einiges mehr.