KfW-Mittelstandspanel: Finanzierungssituation für Unternehmen wird zur Herausforderung – Banken agieren restriktiv bei Kreditvergabe

Steigerung der Unternehmensinvestitionen im ersten Halbjahr 2023: Trotz schwierigem Umfeld und hoher Belastungen haben die Unternehmensinvestitionen im ersten Halbjahr 2023 deutlich zugenommen. Doch wie geht es weiter? Die Erwartungen der Unternehmen sind gespalten. Gleichzeitig steigt die Kreditfinanzierung im Mittelstand, aber es zeichnet sich eine Trendwende bei den Kreditverhandlungen ab. Zudem gibt es einen Umsatzzuwachs im letzten Jahr, aber belastete Gewinnmargen. Die Finanzierungssituation für Unternehmen wird zur Herausforderung. Doch trotz allem zeigen sich solide Eigenkapitalquoten und ein Rückgang von Zombie-Unternehmen. Lest mehr über die aktuellen Entwicklungen im Mittelstand.

Auch in Krisenzeiten zeigt sich der deutsche Mittelstand in seiner Gesamtheit robust. Das belegt das KfW-Mittelstandspanel 2023. Sowohl Umsätze als auch Investitionen der 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen legten der repräsentativen Befragung von KfW Research zufolge im zurückliegenden Jahr 2022 zu, in moderatem Umfang auch die Beschäftigung. Die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung der Unternehmen bleibt stabil und ihre Schuldentragfähigkeit ist weiter gegeben. Die Umsatzrendite fiel zuletzt allerdings auf den niedrigsten Stand seit 2015. Vor allem die kleinen Unternehmen blieben offenbar häufig auf den gestiegenen Kosten sitzen. „Seit dem Jahr 2020 wird die Resilienz des deutschen Mittelstands durch sich überlappende Krisen auf eine harte Probe gestellt. Doch auch 2022 sind allen Belastungsfaktoren wie Krieg in der Ukraine, Energiekrise und steigenden Preisen zum Trotz die Blessuren bei den kleinen und mittleren Unternehmen überschaubar geblieben“, so Köhler-Geib.

Die Unternehmensinvestitionen im ersten Halbjahr 2023 seien deutlich gestiegen. Großunternehmen verzeichneten eine nominale Steigerung um 7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Investitionen nominal um 9,6 Prozent und real um 3,1 Prozent. Trotz der hohen Belastungen und des schwierigen Umfelds für Unternehmen war der Start ins Jahr also stark. „Es bleibt jedoch fraglich, ob dieser positive Trend anhalten wird. Laut einer Umfrage erwarten nur 50 Prozent der Unternehmen, dass ihre geplanten Investitionsvorhaben wie geplant umgesetzt werden. 37 Prozent erwarten eine Verminderung oder Verschiebung und 13 Prozent gehen sogar von einer vollständigen Aufgabe aus“, erläutert die KfW-Chefvolkswirtin.

Banken verhandeln restriktiv

Die Finanzierungssituation stellt eine weitere Herausforderung dar. Im letzten Jahr stieg die Anzahl der Kreditnehmer im Mittelstand für Investitionszwecke deutlich auf 763.000. Das Volumen der Kreditfinanzierung von Investitionen erhöhte sich im Jahr 2022 auf 76 Milliarden Euro, was etwa 32 Prozent der Investitionen entspricht. Für dieses Jahr zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Im dritten Quartal gaben 32 Prozent der mittelständischen Unternehmen zu Protokoll, auf restriktive Banken bei Kreditverhandlungen gestoßen zu sein. „Obwohl dies nicht bedeutet, dass sie keinen Kredit erhalten haben, zeigt es doch, dass die Verhandlungen schwieriger waren. Im letzten Jahr gab es einen Rekord an erfolgreich abgeschlossenen Kreditverhandlungen, ob sich dies in diesem Jahr wiederholen wird, ist jedoch fraglich“, betont Köhler-Geib.

Rückgang von Zombie-Unternehmen zeigt solide Finanzlage

Trotz der schwierigen Lage seien die mittelständischen Unternehmen finanziell gut aufgestellt. Fast 60 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Liquiditätslage als sehr gut oder gut, weitere 30 Prozent als ausreichend. Die Eigenkapitalquoten im Mittelstand sind nach wie vor hoch, mit einem leichten Rückgang von 31,4 auf 31,2 Prozent im vergangenen Jahr. „Besonders erfreulich ist, dass ein höherer Anteil von Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent aufweist. Nur noch ein Viertel der Unternehmen hat eine niedrige Eigenkapitalquote von weniger als 10 Prozent. Die Finanzlage der mittelständischen Unternehmen ist also solide“, sagt Köhler-Geib auf der Pressekonferenz der KfW.

Der Anteil von Unternehmen sei zurückgegangen, bei denen der operative Gewinn kleiner als die Zinsverpflichtung ist. Also die so genannten Zombie-Unternehmen. Insgesamt sei die Lage besser als die Stimmung, betont Köhler-Geib. Und das entspricht auch meiner Wahrnehmung, die ich in meiner Kolumne für Haufe New Management dargelegt habe.

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