Generativ Art Summit in Berlin vom 3. bis 6. Juli: Das Erbe des Visionärs Herbert W. Franke – Nicht jeder erkannte das: „Um Kunstwerke hervorzubringen, bedarf es eines Werkstoffs mit Struktur, doch die Elektronen – das für diese Bilder benutzte ‚Material‘ – sind gestaltlos und daher für künstlerische Bearbeitung unbrauchbar“

Vom 3. – 6. Juli 2024 findet der viertägige „Generative Art Summit Berlin“ in der Akademie der Künste in Berlin mit rund 70 Ehrengästen der generativen Kunst aus der ganzen Welt statt: eine zweitägige Konferenz mit einem Rahmenprogramm an weiteren Events zu einem weltweit bisher einmaligen generationen-übergreifenden Dialog.

„Herbert W. Franke war wahrlich ein ‚Wanderer zwischen den Welten‘, wie der Titel seiner Retrospektive 2010 im ZKM ihn so treffend beschrieb. Die Wirkung seiner legendären „Oszillogramme“ aus den 1950er Jahren reicht bis in die Tiefen des web3 und die komplexen Landschaften der künstlichen Intelligenz“, sagt Alistair Hudson vom Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe (ZKM).

Beim Summit wird am 6. Juli Herbert W. Frankes Roman „The Orchid Cage“ (1961) in einer englischen Neuübersetzung bei Springer Nature vorgestellt, anlässlich der Theater-Performance „Sandfiction 4K: The Orchid Cage”.

Am 4. Juli findet die Vernissage von Frankes erster Solo Show in der König Galerie „Illuminating the Invisible“ statt. Die Ausstellung zeigt Werke aus sieben Jahrzehnten und wird die „Serie Color“ von 1962 erstmals öffentlich präsentieren.

„Die Ausstellung würdigt Frankes einzigartige Kombination aus kreativer und wissenschaftlicher Tätigkeit, die sich gegenseitig befruchten. Sie zeigt die Genealogie der Kunstformen, die Franke selbst entdeckt und für uns sichtbar gemacht hat“, erklärt der Galerist Johann König.

Auf dem Summit in Berlin veröffentlicht die Stiftung zudem am 3. Juli Auszüge von Frankes Frühwerk „Kunst und Konstruktion“ (1957) in englischer Übersetzung für die Teilnehmer des Events.

Ich erinnere mich noch sehr gut, an die Begegnungen mit Herbert W. Franke, etwa zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hochschule Karlsruhe. Hier zur Erinnerung ein kleiner Ausschnitt meines Berichtes zur Preisverleihung und das Interview mit Franke:

Siegfried Zielinski: „Für die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Karlsruher Hochschule für Gestaltung ist ein essenzieller Bestandteil des Œuvres Herbert W. Frankes ausschlaggebend, nämlich sein fundamentaler und wertvoller Beitrag zur Kunst- und Medientheorie, verbunden mit der eigenen künstlerischen Erforschung des Mediums Computer. Jetzt, wo das Digitale zur Analogie der alchimistischen Formel für Gold geworden ist, werden mediale Künste und Experimente hoch gepriesen. Das war schon ganz bizarr während des letzten Wahlkampfes: Da feierte ein Wort – das Digitale, die Digitalisierung – in den Reden unserer Politiker ein Fest, als wäre es gerade erst erfunden worden, und diejenigen von uns, die sich seit einigen Jahrzehnten künstlerisch und forschend damit beschäftigen, waren höchst erstaunt, dass dieses Phänomen offensichtlich auch in der Politik angekommen ist. Die staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe verleiht Prof. Dr. Herbert Werner Franke, geboren am 14. 5. 1927 in Wien, die Würde eines Doktors der Philosophie ehrenhalber, Dr. phil. h.c., in Anerkennung seiner besonderen Verdienste zwischen den Naturwissenschaften und der Philosophie, als einer der wichtigsten Pioniere einer wissenschaftlichen, künstlerischen, intellektuellen und poetischen Praxis, die durch Computer und entwickelte Technologien der Kommunikation beeinflusst und inspiriert ist.“

Gunnar Sohn: Soweit der kleine Ausschnitt der Laudatio Siegfried Zielinskis, des Direktors der staatlichen Hochschule für Gestaltung. Kurz vor dem Festakt hatte ich im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe Gelegenheit, den Naturwissenschaftler, Science Fiction-Autor, Künstler und Höhlenforscher Herbert W. Franke über sein Lebenswerk zu befragen. Hier ist das Ergebnis:

HWF: Die Verleihung der Ehrendoktorwürde war eine erfreuliche Überraschung für mich. Damit kehrt sich eine Enttäuschung um, die mir Ende der fünfziger Jahre in einer schwäbischen Stadt bereitet wurde. Damals war in Ulm eine neue Kunsthochschule als eine Art Nachfolger des Bauhaus gegründet worden. Der Kunstwissenschaftler Dr. Franz Roh, der sich sehr für meine Experimente mit Foto- und Computerkunst interessierte, riet mir damals, mich als Mitglied des Lehrkörpers anzubieten. Es gelang ihm, mir eine Einladung zu einem Vortrag zu verschaffen, und ich bekam dann Gelegenheit, vor den Lehrkräften und ihren Studenten elektronisch erzeugte Grafiken vorzuführen und auch auf die dahintersteckende Theorie – die Kybernetik – einzugehen. Doch nach meinen Ausführungen teilte mir der Rektor vor der versammelten Mannschaft mit, dass in der Hochschule für Gestaltung in Ulm kein Interesse für dieses Fachgebiet bestünde. Ich weiß heute noch genau, wie er es begründete: „Um Kunstwerke hervorzubringen, bedarf es eines Werkstoffs mit Struktur, doch die Elektronen – das für diese Bilder benutzte ‚Material‘ – sind gestaltlos und daher für künstlerische Bearbeitung unbrauchbar.“

Ulm kam also für mich nicht infrage, und es dauerte noch etwa zehn Jahre, bis ich zunächst von der Fakultät für Bildende Kunst der Münchener Universität und kurz danach auch von der Akademie für Bildende Kunst in München Lehraufträge mit Computern bekam, die ich bis zu meinem 65. Lebensjahr durchführte. Und jetzt bekomme ich die Doktorehrenwürde von der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe!

Gunnar Sohn: Der zweite Punkt ist natürlich die Übergabe ihres Archivs ans ZKM. Mich hat überrascht, dass es eine Institution in Deutschland ist und nicht in Österreich. Es gibt ja auch in Österreich entsprechende Häuser, in Wien oder Salzburg – warum ist es das ZKM in Karlsruhe geworden?

HWF: Das kann ich gerne beantworten: Natürlich hätte das Archiv auch in Österreich landen können. Immerhin habe ich dort auch mehrere Aktivitäten zu verzeichnen. In Wien gab es einige Ausstellungen von Computerkunst, an denen ich teilnahm. Es war speziell die Hochschule für Angewandte Kunst, die von der Op-Art ausgehend, schon sehr früh Interesse an der Computerkunst zeigte. Man gab mir im Jahr 1959 Gelegenheit, eine Ausstellung zu inszenieren, die ich „Experimentelle Ästhetik“ nannte. Leider ist heute wenig bekannt, dass in dieser Ausstellung im Museum für angewandte Kunst erstmals in Europa Computergrafiken – nämlich auch meine mit einem Analogrechner gestalteten Oszillogramme – zu sehen waren. Ich wurde schon früh zum Mitglied des Wiener Künstlerhaus berufen, eine in der Kaiserzeit entstandene Künstler-Vereinigung. Damals war in dieser Zeit erstmals ein Fotograf zum Präsidenten gewählt geworden, Hans Mayr, und sein Stellvertreter war ein Freund von mir, der Bildhauer Kurt Ingerl. Gemeinsam mit diesen beiden wurde beschlossen, das Künstlerhaus für Kunst-Technik-Verbindungen zu öffnen. Ich kehrte daher für ein Jahr nach Wien zurück und bereitete eine internationale Computerkunst-Ausstellung sowie ein großes wissenschaftliches Symposium vor – bis ich ein Jahr später erfuhr, dass die schon versprochene Finanzierung doch nicht zustande kam. Trotzdem fiel unsere Idee einer Ars ex Machina dann auf fruchtbaren Boden: Etwas später suchte man in Linz, der Technik-orientierten Hauptstadt von Oberösterreich, nach einer zur Stadt passenden kulturellen Festival-Idee und stieß dabei auch auf die Pläne für das Wiener Kunst-Technik-Projekt. So war ich mit diesem konzeptionellen Ansatz an der Gründung der heute weltweit anerkannten internationalen Veranstaltung Ars Electronica in Linz – einer Art ‚Mekka’ der Computerkünstler -, mit beteiligt. Es hätte also auch in Österreich genügend Möglichkeiten gegeben, das Archiv dort unterzubringen. Warum es heute in Karlsruhe beim ZKM ist, hat folgenden Grund: Ich war ja nicht nur in der Kunst, sondern auch in mehreren anderen Gebieten tätig, etwa als Höhlenforscher, aber auch als Schriftsteller – mit der Science Fiction als Spezialgebiet. Mir war wichtig, das Archiv in seiner Gesamtheit zu erhalten, also nicht aufzuteilen in die Bereiche Kunst, Science Fiction und Höhlenforschung. In einem Gespräch mit dem ZKM habe ich erfahren, dass hier auch Zugriffsmöglichkeiten für alle möglichen Berufszweige bestehen, gerade hier, wo die Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft einen Schwerpunkt der Aktivitäten bildet. Das ZKM erwies sich also als bester Standort für mein Archiv. All das führte schließlich zur Entscheidung, dass wir – meine Frau Susanne und ich, – das Archiv ins ZKM gegeben haben.

Gunnar Sohn: Ein Zitat von Peter Weibel aus einer Pressemitteilung lautet: Die Freiheit der Utopie im Zeitalter der technischen Medien, das sei so ein bisschen Ihre Signatur, vor allen Dingen auch in der Science Fiction-Literatur, die sie geschrieben haben – wie ausgeprägt muss die Utopie sein, im Zeitalter der technischen Medien?

HWF: Das Interessante an den technischen Medien ist deren Anwendung: Sie entscheidet darüber, ob sie sich für die Gesellschaft als vorteilhaft erweisen oder nicht – vielleicht sogar als gefährlich, wenn man an Waffen und dergleichen denkt. Aber selbst in der Medizin gibt es vernünftige und üble Verwendungszwecke. In meinen Büchern habe ich mich danach gefragt. Da schildere ich eine Zukunft, die nicht ohne Konflikte ist – ganz im Gegenteil. Es geht mir darum, Konflikte zu beschreiben, mit denen man ernsthaft rechnen muss, und ich glaube, dass das ein bedeutender Aspekt der Science Fiction sein kann. Die Autoren sollten sich im Klaren darüber sein, was sie eigentlich schreiben und welche Themen sie behandeln. Und so bin ich der Meinung, dass die Science Fiction neben allem anderen – es ist und bleibt eine Unterhaltungsliteratur, die Spannung vermitteln soll, das ist ganz klar – und auch anregen soll, darüber nachzudenken, welche technischen Möglichkeiten eine gute Chance haben, vernünftig angewandt zu werden, und bei welchen die besonders große Gefahr besteht, dass sie missbraucht werden können. Es ist für mich sehr wichtig, dass ich etwas mache, was nicht nur die reine Unterhaltung bedient, sondern dem Leser auch etwas vermittelt: das Wissen betrifft, das Verhaltensweisen betrifft. Es haben mich schon einige Leser darauf angesprochen, dass sie sich aufgrund der Lektüre meiner utopischen Werke entschlossen haben, Technik oder Naturwissenschaften zu studieren.

Gunnar Sohn: Das Interessante ist ja, dass Sie sich in Ihren Erzählungen und Romanen sehr stark mit Phänomenen beschäftigen, die heute ganz oben auf der Tagesordnung stehen – beispielsweise etwa die Frage nach „Fake News“. Das wird in Ihren Romanen abgehandelt, wenn es um Information und Kommunikation geht und wenn die Virtualisierung dabei mit ins Spiel kommt. Dann ist da ein Fundament vorhanden für Fälschungen, für Verzerrungen, für eine Umgestaltung der Wirklichkeit. Was wir heute als Fake News bezeichnen, haben Sie schon in den 1970ern beschrieben, auch mit Rückgriffen auf die Kybernetik. Wie sehen Sie das heute – die Frage der Wahrheit im Zeitalter der digitalen Kommunikation?

HWF: Das Thema Überwachung und Manipulation – verstärkt durch moderne Medien und durch Digitaltechnik – ist tatsächlich ein Schwerpunkt meines literarischen Werkes. Die unerwünschten Möglichkeiten dazu haben sich durch die moderne Medienwelt extrem vergrößert. Aber ganz generell habe ich mich für die Auswirkungen moderner Technik auf die Gesellschaft interessiert. Schon kurz nach Kriegsende habe ich als Student damit begonnen, für die Kultur-Zeitschrift Neue Wege über solche Themen Artikel zu schreiben, über bessere Kommunikation oder schnellere Reiseverbindungen, aber auch über einiges, was gefährlich ist, etwa die Technik im Einsatz der Atomenergie, der Waffentechnik, im Gesundheitssektor, und so weiter. Und das regte mich auch zum Weiterdenken an: mich nicht in der Fantasie zu verlieren, sondern auf naturwissenschaftlich-technischen Fakten beruhende Zukunftsentwürfe auch literarisch zu verarbeiten.

Gunnar Sohn: Sie haben in den Romanen sehr unterschiedliche Szenarien beschrieben: Dystopien, wo es um Unterdrückung der individuellen Freiheit, oder etwa „Wohlfahrtsdiktaturen“, wo es um Bevormundung oder Selbstbestimmung geht. Bei der Dominanz des technischen Mediums des Computers und der von Ihnen generierten virtuellen Welten kommt das philosophische Problem von Wahrheit und Wirklichkeit auf die Tagesordnung, die kaum noch von Schein und Wirklichkeit zu unterscheiden sind, so etwa in „Sirius Transit“ von 1979, oder „Zentrum der Milchstraße“ von 1990. Wenn man sich mal anschaut, was wir seit Donald Trump, Viktor Orbán und den Entwicklungen in Polen diskutieren, um alternative Fakten, um Verdrehungen, um die Schwierigkeit, die Wirklichkeit und die Wahrheit darzulegen, fallen wir nun in ein Szenario von Schein und Simulation?

HWF: Jeder Schriftsteller lässt auch eigene Erfahrungen in seine Texte einfließen. Bei mir war es das Erlebnis des Dritten Reiches, mit Zwangseinberufungen, mit Militär, mit Unterricht in Waffen, mit exerzieren – alles das hat mich unglaublich gestört. Kurz und gut, es gibt mehrere Geschichten und Romane von mir, in denen ich das Alles verarbeitet ist. Es gibt zum Beispiel ein Buch von mir, das habe ich begonnen mit: „Nur eines stand in diesem Moment fest: Der Major musste sterben.“ Und dann wird beschrieben, wie eine Gruppe von Menschen kujoniert wird, durch diese wahnsinnig selbstherrlichen Militärs, wo man praktisch nur noch ein Roboter ist, der folgen muss, wenn er einen Befehl bekommt – das alles ist also in Zukunft mit Maschinen möglich. Solche Zustände habe ich mir in mehreren meiner Bücher ausgedacht und versucht, dagegen zu arbeiten. Oder mit anderen Worten, den Leser darauf aufmerksam zu machen, dass solche Zustände eintreten können. Das ist nicht unmöglich, sondern sogar recht wahrscheinlich, wenn gewisse Kreise das technische Instrumentarium in die Hände bekommen. Und wenn man meine Bücher gelesen hat, wird man hoffentlich versuchen, etwas dagegen zu tun.

Gunnar Sohn: Das ist nämlich der Punkt: In jedem Roman und jeder Erzählung wird schon noch ein Hintertürchen einer positiven Entwicklung offen gehalten. Es ist nicht nur rein dystopisch, sondern es wird auch angedeutet, wie man alternative Wege beschreiten kann. Sei es durch eine revolutionäre Untergrundbewegung oder eine Klugheitsstrategie – wie man aus einer bestimmten Situation herauskommt, oder andere Möglichkeiten, wie man mit wohlmeinenden oder unterdrückenden Diktaturen umgeht. Wie beurteilen Sie die Tendenz, dass man gar nicht auf den ersten Blick erkennt, dass es sich um ein Unterdrückungsszenario handelt? Beispielsweise die Situation, wie man sie mit Donald Trump in den USA erlebt – dass die Pressefreiheit ein Stück weit beschränkt werden soll, dass es autoritäre Strukturen gibt in der Gerichtsbarkeit, und ziemlich willkürliche Maßnahmen. Dass geht eher in die Richtung von Schein und Simulation, wie man sich mit Propaganda inszeniert, insofern sind ihre Schriften ja total aktuell.

HWF: Ja, wenn Sie das so sehen, dann finde ich das sehr erfreulich, denn dann brauchen Sie mich gar nicht so viel zu fragen, weil Sie selbst schon einiges beantwortet haben. Aber im Prinzip ist es in der Tat so, dass diese negativen Möglichkeiten gar nicht so leicht zu erkennen sind. Wer hätte zum Beispiel gedacht – was ja heute diskutiert wird –, dass man durch die Entwicklung von schädlichen Medikamenten ganze Kriege führen kann. Das ist nur ein Beispiel. Meine Erfahrung ist eigentlich eher die, dass man in viele technische Neuerungen am Anfang mehr Hoffnungen setzt, als dann dabei tatsächlich herauskommen. Und dass alles, was schlecht verwendet werden kann, auch schlecht verwendet wird. Das ist eine traurige Tatsache, die in meinen Büchern sehr oft vorkommt: der Missbrauch von Technik.

Gunnar Sohn: In beiden extremen Varianten machbar: Also der Unterdrückungsstaat mit militärischen Mitteln, eine klare offene Diktatur bis hin – was zum Beispiel in „Der Orchideenkäfig“ eine Rolle spielt – zur Fürsorgediktatur. In diesem Spannungsfeld bewegt sich in ihrem Werk.

HWF: In diese Richtung gehen auch meine Überlegungen. Ich muss sagen, dass ich mir eigentlich bei den Stoffen – vor allem bei Romanen – am Anfang nicht irgendeine Konfliktmöglichkeit vorstelle, und die wird dann in Handlung umgesetzt, sondern ich habe vielleicht ein Erlebnis gehabt, das so etwas andeutet, und daraus kann ein ganzer Roman entstehen. Aber es gibt natürlich auch Anregungen aus der Literatur selbst, zum Beispiel der Missbrauch von Informationssystemen. Der kommt oft vor und ist früher schon beschrieben worden, und da interessieren mich natürlich die neuen technologischen Möglichkeiten besonders. Was ich vorhin erwähnt habe, das mit der Medizin, da hat seinerzeit, als ich begann, über solche Dinge zu schreiben, noch keiner dran gedacht. Also, dass beispielsweise über die Verteilung von Pseudomedizin Kriege oder Angriffe geführt werden können, gegen Nationen oder vielleicht sogar gegen spezifische Bevölkerungsschichten. Das fällt mir jetzt gerade im Moment ein, so eine Geschichte könnte man schreiben – Mittel, die beispielsweise nur an eine Bevölkerungsschicht abgegeben werden, die aus dem Weg geräumt werden soll.

Gunnar Sohn: Meine These ist, wenn man Ihr Werk interpretiert, vor allem Ihr literarisches Werk, dass die Grundsätze, die Sie für Ihr Schreiben festgelegt haben – Logik des Geschehens beispielsweise, oder die wissenschaftlich-technische Wahrscheinlichkeit, dass es so eintreten könnte – dass das wahrscheinlich dazu beiträgt, diese Romane und Erzählungen sehr gut auf die Jetztzeit projizieren zu können. Und dass man an diesen Szenarien vieles erkennen kann, was Sie auch in der Kybernetik gesehen haben, an den Arbeiten von Norbert Wiener. Ich weiß nicht, ob Sie auch die Macy-Konferenzen damit berücksichtigt haben – was sich einige Kybernetiker ausgedacht haben zur Steuerung von ganzen Staaten, da gab es doch obsessive Überlegungen, wie man Gedankenkontrolle und Umerziehung mit kybernetischen Mitteln erreichen kann. Ist das ein Punkt, der Sie fasziniert hat, die Arbeiten von Norbert Wiener?

HWF: Na ja, ich habe ja schon kurz angedeutet, dass die Bücher, die ich schreibe, einen vernünftigen Nutzen für die Gesellschaft haben sollen. Das ist aber, das muss ich zugeben, bei der Science Fiction Literatur zunächst einmal nicht der Anreiz. Der Anreiz für den Leser ist es, etwas Spannendes zu lesen, etwas Unheimliches, sich in diese Welten hinein zu versetzen, Konsequenzen zu erfahren, auf die er nicht gekommen wäre, Landschaften fremder Art, Umgang mit Wesen, die man nicht ganz begreift, aus denen sich später eine Überraschung ergibt, vielleicht auch eine positive, das ist ja ebenso möglich. Fremde Intelligenzen – welche Ziele haben sie, welche Wertsysteme haben sie? Aber das Erste ist für die meisten Leute die Spannung, die man vermitteln kann. Selbstverständlich freut es mich dann, wenn Leser zu mir kommen oder ich sie auf Tagungen kennenlerne. Es imponiert mir sehr, wenn jemand sagt, kann das nicht so und so sein. Mit diesen Leuten kann ich dann Diskussionen führen, das ist hochinteressant. Aber wie gesagt, es ist zwar keine sehr angenehme Aussage, aber wenn man zum Beispiel Science Fiction in der Schule anbieten würde, würde man über solche Aspekte viel öfter diskutieren, wir haben aber in unserer Gesellschaft nur die Möglichkeit, dass der Leser selbst drauf kommt. Das heißt, wenn er einen kritischen Geist hat, dann merkt er das. Und oft nehme ich bei den richtigen Kennern wahr, dass die vor allem das sehen, aber ich merke als Praktiker auch, dass manche vor allem begeistert sind durch die Spannung. Aber das macht Spaß, das sind die jungen Leute, und ich war auch mal so.

Gunnar Sohn: Sie hatten das Beispiel mit den Medikamenten angeführt, es geht aber auch in eine andere Richtung, die Sie in „Präparat 2-61“ beschrieben haben, wo die Gehirnchirurgie thematisiert wird. Da kann man sich auch Hirnmanipulation vorstellen. Wenn die Möglichkeit besteht, kleinste Nervenzellen zu manipulieren. Technisch ist das machbar.

HWF: Wenn Sie annehmen, dass man ein Gehirn beliebig beeinflussen kann, und in meiner Phantasie geht das ganz schnell, vielleicht mit Apparaturen, dann kann man eine Persönlichkeit in eine andere umwandeln. Dann sagen Sie etwa: Das mit meiner Frau gefällt mir nicht mehr, wenn Sie doch nur etwas untergebener wäre und nicht ständig rein quatschen würde. Dann drehen Sie an einem Apparat und sie haben ein friedvolles Wesen, das sich unterwirft. Aber das ist immer noch nur ein Anfang. Sie können ganze Bevölkerungen manipulieren, oder eine ganze militärische Einheit bilden, die Sie schulen, kein Mitleid mehr zu haben. Das ist gar nicht so schwierig, stelle ich mir vor. Da kommen Sie in phantastische Manipulationsmöglichkeiten hinein, etwa künstliche Träume oder manipulierte Vergangenheiten. Ich arbeite gerade an einem Manuskript, bei dem es darum geht, dass man die Freundschaft eines Menschen erringt, indem man ihm Erlebnisse suggeriert, und so eine für die weitere Handlung bedeutungsvolle Freundschaft erzeugt, für die in Wirklichkeit kein Grund besteht.

Gunnar Sohn: Das wird dann auch fremdgesteuert?

HWF: Ja, da gibt es so viele weitere Dinge, und wenn man will, kann man in Bereiche gehen, wo die Emotionen liegen, die wir heute haben – und die wir entfachen, wenn wir so etwas schreiben. Ich würde sagen, es ist ja auch durchaus möglich, ganz andere Arten von Wesen zu erzeugen, die sich zum Beispiel dafür eignen, einen unwirtlichen Planeten zu befrieden oder zu beackern, oder Erze zu fördern und Ähnliches.

Gunnar Sohn: Es gibt in den Science Fiction-Arbeiten von Ihnen diese zwei großen Stränge: Das eine ist das Romanwerk und das andere die Erzählungen – was ist Ihnen lieber? Eher die fragmentarische Abteilung der Erzählungen, wo es um die Unabgeschlossenheit geht? Das Fragmentarische lebt ja davon, dass man auf Geschlossenheit verzichtet, viel Spekulation zulässt, die Kombinatorik zulässt, was etwa den französischen Wissenschaftler Roland Barthes ausgezeichnet hat, der eine Lust für das Fragmentarische hatte. Was ist Ihre literarische Leidenschaft: Beides, der Roman, oder die Erzählungen?

HWF: Das hat sich bei mir als eine praktische Folge meiner Zeiteinteilung ergeben. Ich nehme einmal an, ich hätte einen ganzen Sommer lang keine Aufträge, habe aber ein reizvolles Thema, dann kann ein Roman daraus werden. Habe ich aber wenig Zeit, dann könnte auch eine Kurzgeschichte daraus entstehen. Oder ich habe irgendetwas erlebt, im Zusammenhang mit technischem Fortschritt, was schief zu gehen droht, und da sage ich mir, diese Entwicklung könnte ich ganz kurz in zwei, drei Seiten beschreiben. Nehmen wir an, Sie haben einen Roboter gekauft, der ihnen als Gehilfe zur Verfügung steht – vielleicht haben Sie die Geschichte gelesen -, den schicken sie dann auf eine gefährliche Tour, und auf einmal tut ihnen der leid, und mit einem Mal haben Sie zu einer Maschine eine persönliche Beziehung aufgebaut. Das braucht gar nicht weiterzugehen, das ist schon eine kleine Geschichte. Beides, die Kurzgeschichte und der Roman, bieten solche Möglichkeiten. Ich denke, die des Romans sind altbekannt, die brauche ich nicht mehr zu beschreiben, da kann man alles Mögliche – auch emotional Wirksame – hinein verfrachten und eine spannende Geschichte am Beispiel von bestimmten Gesellschaftsschichten an die Öffentlichkeit bringen. Ich glaube, relativ neu ist bei mir die Möglichkeit, dass man das auch mit ganz kurzen Texten machen kann. Diese Superkurzgeschichten sind eine Spezialität von mir, da bin ich durch eine bestimmte Lebenssituation dazu gekommen, die mich nachträglich, in der Rückschau, selbst überrascht hat: Ich habe als Student schon ein bisschen Science Fiction zu schreiben versucht, weil mich das Genre interessiert hat. Ich habe aber auch andere Sachen gemacht, zum Beispiel auch Gedichte geschrieben, Dinge die nichts damit zu tun haben, sogar Science Fiction-Gedichte. Jetzt hatte ich also versucht, diese Science Fiction-Texte jener Zeitschrift anzubieten, die meine kritisch-technischen Artikel veröffentlicht hatte, da bestand aber kein Interesse. Also kurze Rede, langer Sinn ist der, dass mit Science Fiction kein Geld zu verdienen war. Und ich musste ja auch versuchen, darüber nachzudenken, was ich nach dem Studium machen sollte. Dass es gerade die Science Fiction-Literatur war. Kurz und gut: Es gab also Kurzgeschichten von mir in dieser Zeit, und sie waren deshalb so kurz, weil ich mich in der Studienzeit mit anderen Dingen beschäftigen musste, und das galt auch für die früheren Jahre, in denen ich schon Romane zu schreiben versuchte oder jedenfalls Pläne dafür hatte – mit Notizen zu Ideen, die ich in meinem Archiv mit ein paar Absätzen auf Zettel schrieb. Ich habe dabei übrigens auch versucht, ob man das mit einer ungewohnten Diktion schreiben könnte oder ob es mit der üblichen Art der Beschreibung auch geht. Jedenfalls hatte sich bei mir eine Menge Material angesammelt, und ich habe die zuvor schon erwähnten Berichte, die in der Zeitschrift Neue Wege in Österreich erschienen sind, bei einem Verlag unterbringen können. Das war der Verleger Goldmann – der Erfinder des Ausdrucks „Krimi“ -, der hatte sich sehr dafür interessiert und sich bereit erklärt, diese Geschichten in einem Buch zusammen zu fassen. Zwei Jahre später hat er mich angerufen und gesagt: Herr Franke, ich komme gerade aus Amerika zurück, da habe ich etwas kennen gelernt, da werden Sie sich wundern, da gibt es etwas, das nennt sich Science Fiction. Er erklärte dann: Ich habe die Absicht Science Fiction in Deutschland herauszubringen – würden Sie mir dabei helfen? Ich verstehe wenig von Technik und Wissenschaft, da werden Sie mich gut beraten können. Da sagte ich, das ist eine gute Idee, selbstverständlich bin ich gerne dazu bereit. Ich habe ihm amerikanische Autoren empfohlen, und wir konnten Romane von den besten Autoren relativ billig erwerben, weil in Deutschland so etwas bisher kaum erschienen war. Und Herr Goldmann sagte zu mir: Um zu Erfolg zu kommen, werde ich zum Start acht hervorragende Romane gleichzeitig herausbringen. Was denken Sie darüber, mit wem kann ich mich in Verbindung setzen? Wir haben acht Autoren ausgesucht, und Herr Goldmann hat die Rechte für den Abdruck erworben. Kurz vor der großen Pressekonferenz, die er zum Beginn der Reihe plante, hat er mich angerufen und sagte, ich habe mit einem der Autoren Ärger, der will so viel Geld, das kann ich nicht machen. Da ist mir etwas eingefallen: Haben Sie nicht mal erzählt, dass Sie Science Fiction-Geschichten geschrieben haben? Können wir die nicht als achten Band herausbringen? Und ich sagte: Herr Goldmann, das reicht noch lange nicht für ein Buch. Er fragte, wieso reicht das nicht? Wie viele haben Sie denn? Ich sagte, es dürften vielleicht acht sein, aber es sind superkurze Geschichten, damit füllen wir vielleicht 25 Seiten. Da sagte er, Herr Franke, Sie sind doch Schriftsteller – lassen Sie alles andere stehen, setzen Sie sich hin und schreiben noch mehr Geschichten, bis wir 180 Seiten beisammen haben. Ich bringe Ihre Geschichten zusammen mit den anderen bei der Pressekonferenz heraus. Na, das ist doch für einen jungen Autoren wirklich eine Chance. Ich habe dann in einem stillgelegten Wasserbecken geschrieben, das gehörte meinem Quartiergeber in der Nähe von München, der in diesen Wochen verreist war und mich nicht stören könnte. Ich habe dann eine große Zahl von Geschichten geschrieben. Ich glaube, es waren fast sechzig. Nicht alle sind mir optimal gelungen, aber mit den meisten war ich zufrieden. Kurz und gut, ich hatte innerhalb der gewünschten Zeit 65 Geschichten beisammen. Und ich hatte dann insofern Glück – das kam dann raus, das war Der grüne Komet. Die Rezensenten waren mit meiner Geschichtensammlung sogar sehr einverstanden und haben mir teilweise recht gute Besprechungen geschrieben. Und das war mein Eintritt in die Gilde der Science Fiction-Autoren. Herr Goldmann war sehr zufrieden, sowohl mit den Besprechungen, als auch mit meinem Band, weil von manchen sogar gesagt wurde, das sei besser als die amerikanischen Texte. Und dann kam er zu mir und sagte: Herr Franke, Sie müssen unbedingt einen Roman schreiben. Das schien mir selbst im ersten Moment doch etwas überhastet, und ich habe mich gar nicht richtig getraut, habe dann aber einen Roman geschrieben, der im Grunde nicht mehr war als die Kombination von fünf längeren Geschichten, das hat aber bisher niemand bemerkt. Das war der erste Roman von mir…

Gunnar Sohn: …das war „Das Gedankennetz“ von 1961…

HWF: …ja, genau.

Gunnar Sohn: Später sind Ihre Werke auch in der Phantastischen Bibliothek bei Suhrkamp erschienen. Da spielte Franz Rottensteiner eine große Rolle…

HWF: Na ja, aber nicht gleich. Zunächst kam dann Herr Goldmann mit dem Versprechen, dass er dafür sorgen könnte und wollte, dass Bücher von mir in Amerika erscheinen. Nach dem fünften Roman bei ihm war es immer noch nicht soweit. Ich habe ihn dann gefragt, und er hat irgendeine fadenscheinige Ausrede benutzt. Da kam ein anderer Verlag auf mich zu – mit Wolfgang Jeschke – der sagte: Bei uns wird das gelingen. Das hat dann auch nicht gestimmt, aber ich habe mich überreden lassen, und bin dann zuerst beim Kindler Verlag zu einem Buch gekommen, das dort erschienen ist. Und dann gab es wieder eine positive Überraschung, das war wirklich, möchte ich sagen, ein Glücksfall: Der Suhrkamp Verlag kam mit Herrn Unseld auf die Idee, eine Science-Fiction-Serie zu publizieren. Er hat es damals mit phantastischer Literatur zusammen gebracht, und so erschien die violette Reihe. Und ein Glücksfall war auch, dass Franz Rottensteiner mit als Herausgeber beauftragt war, mit dem ich mich damals schon gut verstand. Es war nicht schwer zu erraten, dass er sich an mich wenden würde. Und so habe ich über viele Jahre für den Suhrkamp Verlag geschrieben.

Gunnar Sohn: Wenn Sie Ihr Werk im Ganzen sehen, von der Literatur über das Wissenschaftliche, von der Höhlenforschung und dem Interdisziplinären, bis hin zur Computerkunst – was bewegt Sie heute noch von den Disziplinen, was ist Ihr Antriebsmotor?

HWF: Na ja, was mir den größten Spaß macht und wo ich am glücklichsten bin, das ist jetzt doch eigentlich die Kunst. Ich habe einige neue Methoden für bewegte Bilder gefunden, sie sehen einiges davon – ich war also etwa beteiligt an der Einführung des digitalen Computers in die Filmindustrie, habe in Amerika Firmen besuchen können, habe mit einigen Autoren Freundschaften geschlossen – und heute noch bin ich beim Programmieren und habe Ideen für Neues, was man in die Kunst einbringen kann, wenn man den Computer verwendet. Ich muss aber sagen, auch die Science Fiction interessiert mich nach wie vor, nur komme ich mit der Computerkunst schneller zu Ergebnissen. Es kommt vor, dass ich mit dem Auto fahre, da fällt mir irgendwas ein, ich setze mich an den Computer und am Abend habe ich neue stilistische Möglichkeiten für Computerarbeiten, oder für ein Bild, für Einzelheiten oder Animationen, die fix und fertig sind.

Gunnar Sohn: Mit Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius zusammen mache ich einen Utopie Podcast – Das ist ein Audioformat, in dem wir uns mit Utopien beschäftigen, da befragen wir Experten, wie sie die Zukunft sehen – deswegen meine Frage, welche Zukunft sehen sie persönlich?

HWF: Ich behaupte strikt, dass wir nicht in der Lage sind, die Zukunft vorauszusagen, und dass die Entwicklung der Technik in die verschiedensten Richtungen führen kann. Der Wunsch mancher Kritiker, es sollten sich mehrere Science Fiction-Autoren zusammen tun und die beschriebene Zukunft vereinheitlichen, ist Blödsinn. Es ist gerade das Wertvolle der Science Fiction, das man die verschiedensten Modelle beschreiben kann. Und wieder eine neue Möglichkeit gefunden zu haben, vielleicht wieder eine neue Gefahr, das ist für mich auch etwas Befreiendes. Ich war einmal zu einer Diskussion eingeladen, einer Podiumsdiskussion, wo viele Fachleute anwesend waren, die sich mit Zukunftsfragen beschäftigt haben. Sie haben darüber geklagt, dass doch sehr viele Gefahren entstehen. Ich bin als Letzter dran gekommen und habe gesagt, ich bin ja nur ein Science Fiction- Autor, alle anderen hier sind Fachleute, die sich vor der Zukunft fürchten. Deshalb wird es Sie vielleicht überraschen, wenn ich Ihnen mitteile, dass ich über jede genannte Gefahr für die Zukunft Freude empfinde, weil das neue Stoffe für meine Bücher liefert – und das ist dann auch die Wahrheit!

Gunnar Sohn: Das ist interessant. Sie sind Österreicher, aber bleiben wir mal in Deutschland – stellen Sie sich vor, sie hätten die Möglichkeit, für kurze Zeit König von Deutschland zu werden – was würden sie tun, als Utopist, Science Fiction-Autor und Wissenschaftler, was würden sie im metaphorischen Sinn tun?

HWF: Na ja, also ein zweiter Hitler würde ich sicher nicht werden. Aber ich bezweifle auch, dass wir – mit den heutigen Lernmöglichkeiten – dass wir alle diese Gefahren, die auf uns zu kommen, überhaupt erkennen und dass wir alle diese Probleme auch lösen könnten. Das wäre eine Aufgabe, die mich weit überfordern würde, insofern würde ich sie kaum annehmen.

Gunnar Sohn: Wir haben uns auch über digitale Bildung unterhalten. Wenn viele der technischen Entwicklungen nicht vorhersehbar und auch in der Kombination von unterschiedlichen Dingen nicht zu prognostizieren sind, sollte in der Bildung und der Bildungspolitik nicht mehr mit digitalen Werkzeugen experimentiert werden, wie Sie es etwa in ihrer Computerkunst machen? Viele Dinge ausprobieren, um zu ermessen, welche kombinatorischen Möglichkeiten mit neuen Technologien bestehen?

HWF: Wenn ich etwas zu bestimmen hätte, was ich mit heute noch utopischen Mitteln machen sollte, dann würde ich versuchen, die Intelligenz der Menschen zu erhöhen, das würde meine Hoffnung sein. Wie genau das geschehen soll, müsste ich dann noch herausfinden, wenn nötig, auch mit Hilfe von denkenden Maschinen. Aber da ich überzeugt bin, dass man die Zukunft nicht voraussehen kann, bezweifle ich, dass so etwas erfolgreich ist. Und wenn Sie nach meiner Sicht der Zukunft fragen, dann erscheint mir die unangenehmere Entwicklungsmöglichkeit die wahrscheinlichere zu sein.

Gunnar Sohn: Herr Franke, vielen Dank für das Gespräch.

HWF: Es war ein Vergnügen, mit Ihnen zu reden.

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