
Im Messe-TV-Studio auf der Zukunft Personal Europe in Köln trat Dirk Linn, Chief Happiness Officer von permanent consulting, in einer ungewohnten Rolle auf: mit roter Perücke, als Verkörperung seines Avatars „Kira“. „Ja, das hat schon etwas mit der Verkleidung zu tun“, lacht Linn. „Kira ist ein Avatar, und wir wollten das im Studio einmal sichtbar machen.“
Ein Avatar als Bewerbungs-Coach
Kira kann mehr als Aufmerksamkeit erzeugen. „Der Avatar begleitet den gesamten Recruiting-Prozess“, erklärt Linn. Er beschreibt, wie Bewerberinnen und Bewerber auf einer Karriereseite zwischen hunderten Stellen nicht mehr verloren gehen: „Plötzlich taucht Kira am Bildschirmrand auf, spricht die Besucher direkt an und fragt: ‚Wie heißt du? Wonach suchst du?‘ – und dann wird man Schritt für Schritt durch den Prozess geführt.“
Der Nutzen sei enorm, sagt Linn. Kira beantworte Standardfragen, gebe Auskunft über passende Jobs, leite Bewerbungen ein – und reduziere so Frust auf beiden Seiten. „Wir haben Kunden, die sprechen von einer Conversion Rate im Recruiting von gerade mal fünf Prozent. Das heißt: Sie brauchen zwanzig Bewerbungen, um eine Stelle zu besetzen. Mit Kira wollen wir diesen Wert deutlich verbessern.“
Sprache als Schlüssel
Besonders wichtig sei die Sprachfunktion. „Kira spricht alle Sprachen – Türkisch, Arabisch, Russisch, Chinesisch. Jemand, der Deutsch versteht, aber nicht perfekt schreibt, kann sich trotzdem bewerben. Am Ende transkribiert Kira alles ins Deutsche, sodass Recruiter den Prozess ohne Hürden nachvollziehen können.“
Damit würden neue Kandidatengruppen erschlossen, betont Linn. „Das ist niederschwellig und eröffnet Chancen für Menschen, die im klassischen Verfahren vielleicht nie eingeladen würden.“
Vom Recruiting ins HR-Management
Doch Kira sei mehr als ein Recruiting-Helfer. Linn schildert ein Beispiel aus dem Alltag: „Meine Frau arbeitet bei einer Stadtverwaltung mit 3.000 Mitarbeitenden. Morgens rufen Hunderte an, um sich krank zu melden. Zwei Personen im Personalbüro nehmen die Anrufe entgegen – das schafft man kaum.“ Kira könne solche Prozesse automatisieren: Krankmeldungen entgegennehmen, Systeme pflegen, Vorgesetzte informieren.
Auch Urlaubsanträge, Fragen zu Benefits oder Coachings in der Einarbeitung ließen sich mit Kira abbilden. „Im Grunde ist Kira eine Plattform. Wir können alles prompten, was der Kunde braucht. Und wir koppeln das System an vorhandene HR-Software. Das macht uns unabhängig vom Anbieter.“
Skepsis bei Behörden
Gefragt, ob sich Kira auch für Institutionen wie die Bundesagentur für Arbeit oder die Bundeswehr eigne, antwortet Linn: „Natürlich wäre das sinnvoll. Bei großen Volumina – Bahn, Bundeswehr, öffentliche Verwaltung – kann ein Avatar viele Schritte im Vorfeld abnehmen.“ Gleichzeitig weiß er um die Hindernisse: „Das Interesse ist da, aber es krankt oft an den Menschen, die es nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.“
Schon während des Gesprächs nimmt Linn die rote Perücke ab. „Ich bin froh, wenn ich das Ding nach drei Tagen wieder los bin“, sagt er lachend.