Deutschland, du bürokratisches Wunderland

Da sitzen sie, 1.400 hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine, und warten. Nicht in einem Warteraum, nicht einmal im Wartezimmer, sondern in einer endlosen Warteschleife aus Formularen, Prüfungen und Behördengängen. Sie warten darauf, dass ihr Wissen und ihre Fähigkeiten endlich anerkannt werden, damit sie in deutschen Krankenhäusern, in denen Ärzte dringend gebraucht werden, arbeiten dürfen. Aber Deutschland, unser schönes, bürokratisches Wunderland, liebt seine Formulare mehr als seine Fachkräfte.

Professor Karlheinz Schwuchow hat es klar und deutlich gesagt: Die lähmende Bürokratie und die verkrusteten Einstellungskriterien in Deutschland schrecken talentierte Fachkräfte aus dem Ausland ab. Statt uns die besten Köpfe ins Land zu holen, halten wir sie mit seitenlangen Papierkram und endlosen Prozessen auf Distanz. Da liegt der junge Programmierer aus Indien mit all seinem Wissen brach, während er auf sein Visum wartet, das in anderen Ländern in einem Bruchteil der Zeit ausgestellt wird. Der Professor nennt das, was wir alle wissen: ineffiziente Verwaltungsstrukturen, die Quereinsteiger systematisch aussortieren. Eine Katastrophe, die dringend eine Lösung braucht, doch wo bleibt die Bewegung?

Aber Bewegung ist in Deutschland nur ein theoretisches Konstrukt. Wolf Lotter trifft den Nagel auf den Kopf: „Das nennt man Bestandsschutz, Korporatismus, Freunderlwirtschaft, Seilschaft, Lobby etc. pp.“ Die alteingesessenen Strukturen schützen sich selbst, wie ein nervöser Ritter, der sein verrostetes Schwert immer fester umklammert, obwohl die Schlacht längst verloren ist. Statt zu handeln, werden Konferenzen abgehalten, Panels organisiert, und am Ende sind wir wieder dort, wo wir angefangen haben: im Nichts.

Währenddessen überlegen sich die ukrainischen Ärzte, nach Kanada zu gehen. Kanada, wo die Anerkennung schneller, die Wertschätzung höher und die Zukunft heller ist. Deutschland verliert sie, diese Fachkräfte, und mit ihnen die Chance, das System zu verbessern. Doch das kümmert in der Welt der deutschen Bürokratie niemanden. Denn hier zählt nicht, was du kannst, sondern wie lange du wartest.

Ja, liebe Freunde, so verpasst man den Anschluss. Die Hoffnung, dass sich daran etwas ändert, bleibt gering. Vielleicht wird der Gordische Knoten irgendwann durchschlagen, aber bis dahin sitzt Deutschland fest in seinen Bürokratie-Turmzimmern, umgeben von Aktenordnern und Formblättern, und wartet. Wartet darauf, dass sich von selbst etwas bewegt.

Session von Professor Schwuchow auf der Zukunft Personal Europe in Köln.

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