
Dieser Beitrag beleuchtet die tiefgreifenden Herausforderungen sowohl des real existierenden Sozialismus als auch des Kapitalismus der Chicagoer Schule und sucht nach alternativen Wirtschaftsmodellen, die eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Wohlstand fördern. Der Artikel diskutiert die Notwendigkeit einer Reform des Kapitalismus angesichts der Klimakrise und Ressourcenverschwendung und hinterfragt die Rolle von Regierungen und internationalen Organisationen bei der Regulierung des Kapitalismus. Es werden Vorschläge zur Stärkung demokratischer Mitbestimmung in kapitalistischen Arbeits- und Lebenswelten vorgestellt und erfolgreiche Beispiele für alternative Wirtschaftsmodelle, die Wohlstand, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit fördern, erörtert. Der Text geht auch auf die wachsende Kluft zwischen reichen und armen Ländern ein und betont die Bedeutung von Bildung und Sensibilisierung der Bevölkerung in Bezug auf die Grenzen des Kapitalismus. Zudem werden die Rolle sozialer Bewegungen und die Auswirkungen von Gehaltsexzessen im Top-Management diskutiert. Abschließend wird die Bedeutung der Wirtschaftsethik und die Rolle von Ethikabteilungen in Unternehmen für einen ethischen Kapitalismus hervorgehoben.
Der realexistierende Sozialismus ist tot. Auch die Versuche wie in Venzuela, ihn wiederzubeleben sind gescheitert. China findet sich im Staatskapitalismus autoritärer Prägung wider. Aber auch der Kapitalismus der Chicagoer Schule ist gescheitert. Ungleichheit, die Klimaveränderungen und Ressourcenverschwendung zeigen die Grenzen des unendlichen Wachstums auf. Deutschlands dritter Weg mit der Gemeinwirtschaft ist dank korrupter Bosse schon vor Jahrzehnten zu Ende gewesen.
Welche alternativen Wirtschaftssysteme könnten eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Wohlstand fördern?
Wie kann der Kapitalismus angesichts der Klimakrise und Ressourcenverschwendung reformiert werden, um Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu integrieren?
Welche Rolle spielen Regierungen und internationale Organisationen bei der Regulierung des Kapitalismus, um seine negativen Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt zu minimieren? Braucht man so eine Art Global Governance?
Wie können wir ein Wirtschaftssystem gestalten, das materielle Sicherheit für alle bietet, ohne Mensch und Natur zu degradieren?
Welche Mechanismen jenseits des Marktes sind notwendig, um eine gerechte Verteilung von Gütern und Dienstleistungen zu gewährleisten? Qualitatives Sozialprodukt, Grundeinkommen und dergleichen.
Wie kann demokratische Mitbestimmung in kapitalistischen Arbeits- und Lebenswelten gestärkt und sichergestellt werden? Grundgesetz-Änderung Unternehmensdemokratie, Mitbestimmung stärken, der Desorganisation der Gesellschaft entgegenwirken, Modernisierung der Gewerkschaft etc.
Gibt es erfolgreiche Beispiele für alternative Wirtschaftsmodelle, die sowohl Wohlstand als auch Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit fördern?
Wie kann die Kluft zwischen reichen und armen Ländern im Kontext des globalisierten Kapitalismus verringert werden?
Welche Rolle spielt die Bildung und Sensibilisierung der Bevölkerung in Bezug auf die Herausforderungen und Grenzen des Kapitalismus?
Inwiefern können soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Organisationen zur Transformation des kapitalistischen Systems beitragen? Und an den aktuellen Debatten wird man auch nicht vorbeikommen. Prozyklisches Kaputtsparen, Sondervermögen, Schuldenbremse, Mindestlohn, Bürgergeld, Gehaltsexzesse im Top-Management, reiche Erben.
Zu den Gehaltsexzessen:
Professor Martin Hellwig, ehemaliger Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. konstatiert, dass sich die Managergehälter in den vergangenen 30 Jahren immer drastischer von den Durchschnittslöhnen entfernt haben. Viele Ökonomen erklärten das mit der neuen Macht der Aktionäre. „Weil die Konzerne sich am Finanzmarkt finanzieren konnten, brauchten sie die Banken nicht mehr, die bei ihnen lange mitregiert hatten. Auch Gewerkschafter oder Staatsvertreter bremsten den Anstieg der Gehälter nicht mehr, so die Theorie. Aktionäre bezahlten demnach nun aus eigenen Stücken so gut dafür, dass die CEOs den Börsenwert ihrer Unternehmen nach oben trieben. Später stellte sich allerdings heraus, dass die CEOs auch dann riesige Summen verdienten, wenn der Börsenwert sank oder die Zukunft gleich ganz verspielt wurde. Und es wurde offenbar, was Hellwig schon länger erkanntmhatte: Die Explosion der Chefbezahlung war nicht die Folge von Aktionärsmacht, vielmehr hatten die Manager es wohl selbst so beschlossen“, schreibt die Zeit.
Das fing in den USA an und als Daimler den den amerikanischen Automobilkonzern Chrysler übernahm, war es auch in Deutschland so weit. Man erinnert sich vielleicht noch an die Exzesse des Herrn Schrempp.
Die Macht lag und liegt nicht bei den Aktionären, die auf dem Papier das Sagen haben. „Die eigentliche Macht in den Großunternehmen liegt bei den Managern“, sagt Martin Hellwig im Gespräch mit der Zeit. „Die Bedeutung von ‚Shareholder- Value’, den Börsenkursen und den Boni, ist nicht etwa von den Anlegern erzwungen, sondern von den Managern selbst gefördert worden.“
Wenn es stimme, dass an der Spitze der Großunternehmen gerade keine Rücksicht auf die vielen kleinen Aktionäre genommen wird, dann muss man wohl deren Macht nicht schwächen, sondern stärken, um die Spitzengehälter unter Kontrolle zu halten. Warum haben sich denn die Vorstandsbosse von den Interessen der Aktionäre abgekoppelt? Es liegt an den fundamentalen Machtverschiebungen in den börsennotierten Konzernen.
Am Aktienmarkt sind immer häufiger die privaten Anleger die Verlierer. Unternehmen buhlen um temporär um ihre Gunst, damit sie eine stärkere Streuung der Aktien erzielen können. Dann aber werden sie wieder vernachlässigt und die großen Investoren bestimmen den Takt. In wie weit dient die Finanzwirtschaft eigentlich noch der Realwirtschaft und welche Rolle spielen dabei die Privatanleger am Aktienmarkt? Spielen dabei überhaupt noch unternehmerische Interessen eine Rolle oder geht es nur um den schnellen Gewinn an der Börse, etwa durch Aktienrückkäufe, die immer mehr in Mode kommen.
Mein erster Vorschlag gegen die Exzesse bei den Manager-Gehältern und bei den Abfindungen: Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, sollte einer Haltefrist unterworfen werden. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben. Zweiter Vorschlag: Verbesserung der Transparenz bei den Beteiligungsverhältnissen und Offenlegung von Überschneidungen zwischen Top-Management und institutionellen Anlegern. Institutionelle Investoren und Hedge Fonds schlüpfen auch in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war. Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten.
Wirtschaftsethik:
„Die Rechte der Bürgerinnen und Bürger sind jene unbedingten Anrechte, die die Kräfte des Marktes zugleich überschreiten und in ihre Schranken verweisen“, so Ralf Dahrendorf. Es gibt eine Differenz zwischen effizienter Wirtschaft und gerechter Gesellschaft. Es gibt einen Unterschied zwischen Marktfreiheit und allgemeiner Bürgerfreiheit.
Man kann also nicht pauschal die Marktkonformität aller wirtschafts-, sozial und umweltpolitischen Maßnahmen einfordern.
In der Ökonomik regiert eine scheinheilige Abstinenz bei Werturteilen. Etwa bei der „Konsumentensouveränität“, die einfach die Egozentrik von Einzelentscheidungen aggregiert und sie in der Summe als Wohl der Allgemeinheit ausspuckt. Wie von Geisterhand. Eine mathematische Schimäre, die politischen Reformen im Weg steht – zum Nachteil des Gemeinwohls und zum Vorteil für privilegierte Machteliten.
Man braucht sich nur die Kollateralschäden der Deregulierung anschauen, um die Werturteilsfrage, die in Lehrbüchern fast religiös gepredigt wird, werten zu können. Etwa beim Investment-Banking, beim Buchhaltungsrecht oder im Sicherheitssektor. Stichworte wie WorldCom-Pleite, Lehman-Untergang, Savings and Loans-Debakel, Enron- Arthur-Andersen-Skandal mögen da ausreichen. Wir könnten jetzt noch VW, Deutsche Bank, Thyssen, RWE und Co. hinzufügen. Es gibt kein Naturgesetz und keinen Automatismus in der Ökonomik, um für Wohlfahrt zu sorgen. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können.
Wirtschaftliche Aktivitäten finden nicht im sozialen Vakuum, sondern in gesellschaftlichen und politischen Kontexten statt. Eigentlich eine recht profane Erkenntnis, die aber in der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft nicht ankommt. Seit ihrer neoklassischen Wende im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts orientiert sich die an den akademischen Wirtschaftsfakultäten fast ausschließlich gelehrte Standardökonomik viel lieber an den Methoden der Naturwissenschaften als an jenen der Sozialwissenschaften, moniert Professor Peter Ulrich im Vorwort des Frank Niessen-Buches „Entmachtet die Ökonomen! Warum die Politik neue Berater braucht“:
„Demenentsprechend versucht sie tatsächlich so etwas wie eine naturgesetzlich gedachte Sozialphysik zu entwerfen: eine Lehre von kontextfrei geltenden ökonomischen ‚Sachgesetzen’, die zu befolgen Inbegriff einer von ethischen Beurteilungen und politischen Interessen ganz unabhängigen, ‚reinen’ ökonomischen Vernunft sei.“
Die aus so betriebener Ökonomik abgeleiteten politischen Empfehlungen leiden deshalb unter grundlegenden Verkürzungen, wenn etwa von der Notwendigkeit einer „marktkonformen“ Demokratie gesprochen wird.
Der rein instrumentelle Ethik-Kanon von Wissenschaftlern wie Homann, die ihre Denkweise an der ökonomischen Rationalität ausrichten, greift zu kurz und befördert eher eine ethische Camouflage, die wir bei Konzernen wie VW, Deutsche Bank oder Nestlé jeden Tag beobachten können. Hier werden Ethik-Bekenntnisse nur im Schönwetter-Modus abgegeben. Wird die Luft dünner, reagiert das Top-Management mit Wortkargheit. Was vorher an guten Taten lautstark der Welt mitgeteilt wurde, erweist sich am Ende als vergängliche Lutschpastille:
Green-Washing-Luftnummern, Feigenblatt-Ethik-Projekte und CSR-Worthülsen. Wer nur der Nützlichkeit ethischen Handelns folgt, erleidet irgendwann das Schicksal von Winterkorn, Ackermann, Breuer, Middelhoff und anderen ach so alerten Top-Managern. Am Ende stehen diese Kaiser doch ziemlich dürftig und nackt in der Gegend herum. Eine Positionselite, die ohne Position schnell ihren Glanz verliert.
Wie kann man mit politischen Mitteln den Gehorsamskäfig in Organisationen aufbrechen? Die New Work-Bewegung betreibt in Deutschland nach wie vor wirkungslose Canapé- Events zur Gewissensberuhigung. Supermarkt-Verkaufspersonal, Personal von Pflegediensten, Betriebsräte, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, schlecht bezahlte Clickworker oder Vertreter der rund 1,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich mit Arbeitsverträgen auf Abruf herumschlagen müssen, von fiesen Chefs am Arbeitsplatz mit Webcams überwacht und in Echtzeit dirigiert werden, sucht man bei den vielen New-Work-Sessions vergeblich.
In Anlehnung an den Philosophen Karl Popper könnte man auch sagen: Es kommt darauf an, Institutionen so zu organisieren, dass es schlechten oder inkompetenten Herrschern unmöglich ist, allzu großen Schaden anzurichten. Das gilt für Demokratien, für Unternehmen und für sonstige Organisationen.
Unternehmen sollten nach Ansicht von Philosophie-Professor Markus Gabriel eine Ethikabteilung haben, die ethische Fragen beantwortet und bei der Lösung moralischer Probleme unterstützt. Diese Abteilung kann dazu beitragen, nachhaltigen Profit zu erzielen, indem sie ethische Fragen in der Unternehmenskultur und der Wertschöpfungskette professionell bearbeitet. Sozusagen über einen “Chief Philosopher Officer”. Jedes vernünftige Unternehmen brauche einen CPO, proklamiert Gabriel.
Der Ethische Kapitalismus basiert auf der Idee, dass freie Märkte von Menschen betrieben werden. Die unsichtbare Hand, wie von Adam Smith beschrieben, besteht darin, dass Menschen fähig sind, moralische Tatsachen zu erkennen und sich mit den mentalen Zuständen anderer Lebewesen zu beschäftigen. Die unsichtbare Hand ist also das menschliche Vermögen, das Gute und das Böse zu tun.
Freie Märkte allein garantieren jedoch nicht automatisch moralisches Handeln. Es bedarf einer bewussten Auseinandersetzung mit ethischen Fragen und einer Integration von moralischen Prinzipien in das wirtschaftliche Handeln.
Julia Friedrichs: In Zeiten der prekären Arbeitsverhältnisse und des Lohndumpings ist der Vermögensaufbau aus eigener Kraft für die meisten Bundesbürger unmöglich. Soziale Durchlässigkeit für die Mitglieder der Working Class und damit ein Aufstieg in höhere Gesellschaftsschichten hat sich ebenfalls deutlich erschwert. Der reiche Teil der Bevölkerung hält an einem Großteil des Vermögens fest und hat Mittel und Wege, diesen Reichtum schnell und einfach zu vervielfachen. Ärmeren Gesellschaftsschichten bleibt währenddessen gerade noch genug zum Leben.
„Ihr werdet es einmal schlechter haben!„
Die Generation nach den Babyboomern ist die erste nach dem Zweiten Weltkrieg, die ihre Eltern mehrheitlich nicht wirtschaftlich übertreffen wird. Obwohl die Wirtschaft ein Jahrzehnt lang wuchs, besitzt die Mehrheit in diesem Land kaum Kapital, kein Vermögen. Doch sich Wohlstand aus eigener Kraft zu erarbeiten ist schwieriger geworden, insbesondere für die, die heute unter 45 sind. Die Hälfte von ihnen fürchtet, im Alter arm zu sein.
Einlass
17:45 bis 18 Uhr
Ab 18 Uhr: Künstlerischer Impuls 1
Claudia Gahrke und Julian Müller
Grußwort:
Severin Schmidt, Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro NRW
Grußwort:
Andreas Schäfer, Initiator des Zukunftsdiskurses
Grußwort:
Ioanna Zacharaki, Bürgermeisterin der Stadt Solingen
Künstlerischer Impuls 2
Claudia Gahrke und Julian Müller
18:20 bis 19:45
Panel:
Martina Dietrich, Vorstand Gemeinwohl-Ökonomie Rheinland e. V.
Julia Friedrichs, Autorin
Prof. Dr. Markus Gabriel, Academic Director THE NEW INSTITUTE Foundation
Sarah Philipp MdL, Co-Vorsitzende der NRW SPD
Moderation:
Gunnar Sohn
Wirtschaftspublizist, Blogger, Moderator, Kolumnist, Dozent
19:45
Come together und Imbiss
Man sieht sich in Solingen.
Siehe auch:
Wirtschaftssysteme, Kapitalismus, Sozialismus, Klimakrise, Ressourcenverschwendung, Wirtschaftsreform, demokratische Mitbestimmung, alternative Wirtschaftsmodelle, Wohlstand, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Gehaltsexzesse, Wirtschaftsethik, Ethikabteilungen, ethischer Kapitalismus.
Vier von zehn Rentnern in Deutschland (42,3 Prozent) müssen mit einem Netto-Einkommen von weniger als 1250 Euro im Monat auskommen. Von den knapp 7,5 Millionen Betroffenen sind mehr als 5,2 Millionen Frauen, wie aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auf Anfrage des Linke-Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervorgeht.
Ich würde darauf eingehen, dass das Städtedreieck ein Hotspot der frühen Industrialisierung war. Die Frage ist ob wir heute etwas daraus lernen können, lernen, oder ob wir dabei sind, wieder eine ähnliche Situation heraufzubeschwören.
Kann man aus dem Niedergang der
Schneidwarenindustrie der 1970 und von denen, die überlebt haben, Schlüsse aus Autoindustrie und Maschinenbau ziehen.
„Wenn Millionen Menschen in der Welt kein sicheres Trinkwasser haben und es Arbeitslosigkeit gibt, dann ist Wachstum natürlich notwendig.“
Mariana Mazzucato erklärt im Gespräch mit der Süddeutsche Zeitung (paywall) nochmal in wenigen verständlichen Sätzen, warum wir an (sinnvolle) Innovationen gekoppeltes Wirtschaftstswachtum brauchen, um unsere Probleme zu lösen:
❓Die Deutschen lieben ihre Schuldenbremse. Sie sind keine Fans von staatlichen Investitionen, die die Schulden erhöhen.
❗️Das ist überall so. Aber wenn man nicht investiert, dann kann man nicht vorankommen. Investitionen kosten Geld, aber sie erhöhen das Wachstum und damit die Wirtschaftskraft. Dann sinkt auch die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftskraft. Man muss nicht die Verschuldung selbst senken. Man muss das Wachstum erhöhen.
❓Viele Klimaschützer wollen gar kein Wachstum. Sie sagen, wir müssen schrumpfen.
❗️Natürlich wollen wir Wachstum. Die Degrowth-Menschen sind verrückt, ich nenne sie die Bourgeoisie bohème. Wenn Millionen Menschen in der Welt kein sicheres Trinkwasser haben und es Arbeitslosigkeit gibt, dann ist Wachstum natürlich notwendig.
❓Auch in Europa?
❗️Natürlich. Wenn es kein Wachstum gibt, gibt es keine Beschäftigung, es fehlen die Innovationen, die wir brauchen, und man kann das Sozialsystem nicht verbessern. Wir brauchen Wachstum, um soziale und ökologische Probleme zu lösen. Wachstum ist nicht das Ziel, das Ziel ist es, diese Probleme zu lösen. Dass wir aufhören sollen zu wachsen, ist eine sehr akademische und sehr arrogante Idee.
Super wichtiger Punkt: Rüdiger Bachmann: Ich würde sagen, dass es richtig ist, dass man sie wieder auf den normalen Steuersatz erhöht hat. Es ist generell keine gute Idee, Sozialpolitik im weitesten Sinne über indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer, also ganz konkret über den Preis, zu machen.
Das bedeutet?
Bachmann: In anderen Worten: Wenn man will, dass Leute, die nicht so viel verdienen, sich auch mal einen schönen Abend im Restaurant leisten können, dann sollte man deren Einkommen erhöhen. Dann sollte man beispielsweise für niedrigere Einkommensteuern im unteren Bereich, höheres Bürgergeld oder höhere Mindestlöhne sein.
Ein Grund für die Mehrwertsteuersenkung wäre, die Einkommensschwachen zu schützen.
Bachmann: Ja. Aber wenn man den Gastrobereich über die Mehrwertsteuer subventioniert, dann kommt das dem reichen Professor und dem reichen CEO ja auch zugute. Die brauchen das ja überhaupt nicht, die sollen schon bezahlen für das, was sie konsumieren.