
Manchmal ist ein Satz mehr als nur ein Satz. Manchmal ist er ein Bekenntnis, eine Drohung, eine Ankündigung dessen, was noch kommt. „He who saves his Country does not violate any Law.“ Ein Napoleon-Zitat, oder das, was davon übrig blieb. Donald Trump hat es verbreitet, und damit mehr gesagt, als ihm vielleicht selbst bewusst war. Es ist die Essenz seines Denkens: Die Macht heiligt die Mittel. Der Starke setzt das Gesetz, weil er es kann.
Patrick Bahners beschreibt in der FAZ die Herkunft dieses Zitats: Es stammt aus einer Sammlung von Maximen, die 1838 unter dem Namen J.-L. Gaudy veröffentlicht wurde. Doch die eigentliche Quelle ist nicht Napoleon, sondern Honoré de Balzac. Dieser verkaufte das Werk an Gaudy, einen Hutmacher, der sich mit der Herausgabe eine politische Karriere erhoffte. Die Sammlung, die Napoleon als brillanten Aphoristiker inszeniert, entpuppte sich als eine literarische Konstruktion – eine fiktionalisierte Aneignung historischer Größe. Die Maxime „He who saves his Country does not violate any Law“ gehört zu den zahlreichen Aussprüchen, für die sich kein authentischer Beleg aus Napoleons Lebzeiten finden lässt. Und doch nutzt Trump sie nun als politische Legitimationsformel, als rhetorische Waffe, um sich über das Gesetz zu erheben.
Das stinkt nach Putinismus. Nach Autokratie. Nach der alten Idee, dass die Geschichte nur von den Siegern geschrieben wird und Gesetze für jene sind, die zu schwach sind, sie zu brechen. Die Vereinigten Staaten wurden auf dem Fundament gebaut, dass niemand über dem Gesetz steht. Dass die Macht nicht in den Händen eines Einzelnen ruht, sondern in den Institutionen, den Prinzipien, den Menschen, die sich an das halten, was richtig ist, nicht an das, was ihnen dient.
Trump war nie ein Clown, wie seine Gegner es sich oft schönredeten. Er ist eine Prüfung. Eine, die Amerika bereits einmal fast nicht bestanden hätte. Nun steht er erneut bereit, die Regeln zu beugen, die Geschichte umzuschreiben und sich selbst zum Retter der Nation zu erklären. Die Frage ist nicht mehr, was er tun wird, sondern wer ihn aufhalten kann.