
Der Raum ist stickig, voll von gedämpftem Murmeln und dem Klicken von Laptops. Die Atmosphäre eines schäbigen Konferenzraums, die Luft geladen mit Erwartungen und Fragen. Ein Podium, über dem schwer die Frage schwebt: „Brauchen wir noch Chefs in Unternehmen?“
Auf dem Podium sitzen Provokateure. Die Frage, ob wir noch Chefs brauchen, beantwortet kommt schnell die Antwort: „Ja, aber andere.“ Was für ein Statement! Ein Podiumsteilnehmer spricht von einer neuen Art der Führung, einem orchestrierenden Chef, der nicht mehr mit den Bits und Bytes seiner Mitarbeitenden hantiert, sondern vielmehr als Netzwerker agiert. Hier wird die Figur des Chefs dekonstruiert, in ihre Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Die vernetzte Führungskraft, wenn man so will. Winfried Felser würde noch ein 4.0 dahinter sestzen.
Follower statt Autorität
In der Debatte wird das Konzept der traditionellen Autorität über Bord geworfen. „Eine Führungskraft von heute hat Follower, nicht mehr Macht.“ Das klingt wie ein Satz aus einem Ratgeber für die Generation Instagram. Aber die Realität dahinter ist komplexer. Die Idee ist, dass moderne Führung nicht mehr auf Hierarchien basiert, sondern auf Netzwerken und Beziehungen. Eine Führungskraft muss heute ein Visionär sein, jemand, der mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Smartphone in der Hand seine Follower um sich schart.
Mythos der Digital Natives
Die Diskussion dreht sich weiter, tiefer in die Nuancen der modernen Arbeitswelt. Digital Natives? „Ein Mythos,“ wirft einer ein, „es gibt sie nicht.“ Generation Y, Generation Z – alles Marketingbegriffe. Aber was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich die Arbeitswelt verändert hat. Menschen, egal welchen Alters, sind heute digital versiert, sie lassen sich nicht mehr von oben herab kommandieren.
Ausbildung und Motivation
Interessant ist der Punkt, den ein Teilnehmer aus dem Publikum aufbringt: „Was ist mit der Ausbildung von Chefs?“ Die Antwort von Sehmet überrascht: „Ausbildung ist hinfällig. Was zählt, ist die Motivation und das Engagement der vergangenen Jahre.“ Ein radikaler Gedanke, der die klassische Karriereleiter in Frage stellt. Warum sollte jemand Chef sein, nur weil er vor Jahren mal ein Studium abgeschlossen hat? Wichtiger sind aktuelle Fähigkeiten, aktuelle Motivation.
Arbeitszufriedenheit: Ein Trauerspiel
Die Diskussion endet mit einem ernüchternden Blick auf die Arbeitszufriedenheit in Deutschland. 85 Prozent der Mitarbeiter haben innerlich gekündigt oder machen Dienst nach Vorschrift. Eine Zahl, die wie ein bleierner Vorhang über der Veranstaltung hängt. Und doch, es gibt Hoffnung. Die neuen Führungskräfte, die Moderatoren, die Netzwerker, sie könnten das Ruder herumreißen. Die Zukunft der Arbeit, so scheint es, liegt in den Händen jener, die die alten Strukturen hinter sich lassen und neue Wege gehen.
Wir diskutierten das Thema schon vor rund 8 Jahren auf der re:publica und aktuell in der Sendung Zukunft Personal Nachgefragt – übertragen im Multistream. LinkedIn und Twitter brachten am meisten Zuschauer.
Mittlerweile hängt Facebook deutlich zurück.
Das muss sich ändern!