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Auch Tesla, Meta, Google und Co. sind bald Geschichte – Alle 15 Jahre wird neu gemischt bei den wertvollsten Firmen @AlexanderFink77 @KahnemanQuote

All den Modell-Predigern des Managements könnte man mal die Frage stellen, was denn die ganzen Empfehlungen und empirisch nicht nachprüfbaren Thesen und Theorien wert sind, wenn es um die Rolle von Glück und Zufall geht? Da hilft ein Blick in das Buch von Michael Lewis, in deutscher Übersetzung unter dem Titel “Aus der Welt” erschienen. Es ist wohl kein Zufall, dass sich der amerikanische Sachbuchautor dem Leben von Daniel Kahneman und Amos Tversky widmet, den Begründern der Verhaltensökonomie. Er beschreibt darin die Geschichte ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit, die das Wissen über Entscheidungsprozesse veränderte. In den USA ist das Werk ein Bestseller:

Für viele Prediger von Erfolgsformel wäre es doch sehr verlockend, den eigenen Erfolg vor allem Ehrgeiz, Fleiß und harter Arbeit zuzuschreiben; oder irgendeinem besonderen Talent, das ihm nun mal mit auf den Lebensweg gegeben wurde. Doch Lewis unterstreicht, dass auch noch etwas anderes eine Rolle spielt ‐ der pure Zufall. Psychologen und Ökonomen beschäftigen sich wieder intensiver mit einer uralten Frage: Wie viel Einfluss hat der Mensch auf sein Leben? Und sollte Erfolg nicht besser mit Glück gleichgesetzt werden statt mit Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin? Ob ein neuer CEO ein Unternehmen zum Erfolg führen wird oder nicht, lässt sich nur selten zuverlässig vorhersagen.

Wackelpudding-Managementmodelle

Schon gar nicht beim Einsatz von irgendwelchen Wackelpudding-Managementmodellen, die sich wissenschaftstheoretisch in keiner Weise überprüfen lassen oder die sich sogar explizit einer Überprüfung entziehen. Für das Ego von Beratern und Führungskräften ist das natürlich schlecht: “In einer Studie kamen die Managementforscher Chengwei Liu (Warwick‐Universität) und Mark de Rond (Business School der Universität Cambridge) Anfang 2016 zu dem Schluss: “Über Glück spricht man unter Managern nur ungern. Das Duo wertete für seine Übersichtsstudie knapp 2000 Studien aus 60 Jahren aus. Nur zwei Prozent davon beschäftigten sich mit dem Einfluss des Glücks auf den Unternehmenserfolg oder die Leistung von Führungskräften”, schreibt Malte Buhse Journalistenbüro Weitwinkel Reporter. Manager leiden nach Auffassung von Liu unter einer Illusion“, „sie halten die Welt für kontrollierbarer und vorhersehbarer, als sie wirklich ist.“ Das sei bei Weitem keine Lappalie, sondern hat durchaus negative Folgen. Diese Attitüde führe zu Selbstüberschätzung und teuren Fehlentscheidungen. Die beiden Forscher machen in ihrer Studie einen radikalen Gegenvorschlag: Spitzenpositionen in Unternehmen sollten einfach in einem Kreis von geeigneten Kandidaten verlost werden. Das sei günstiger, schneller und am Ende genauso erfolgreich wie langwierige Bewerbungsprozesse. Manager operieren im Glücksmodus:

Zufallsverfahren in Unternehmen einführen

Viele Protagonisten waren meist nur zur rechten Zeit am rechten Ort, so der Verhaltensforscher Liu im Interview mit dem Harvard Business Management-Magazin: “Wir haben eine romantische Vorstellung von Anführern und denken, dass das Wohl der gesamten Gruppe, des gesamten Unternehmens oder gar der Nation von ihnen abhängt. Das tut es nicht. Forschungen zeigen, dass die Ernennung von CEOs den Erfolg von Unternehmen viel weniger beeinflusst, als die Finanzmärkte anfangs glauben. Topmanager können einfach nicht so viel ausrichten, wie wir es gern hätten.” Chefs sollten daher per Zufallsverfahren ausgewählt werden. Anführer im antiken Griechenland wurden per Losentscheid rekrutiert.

Zufallsmechanismen würden zu besseren Ergebnissen führen. Ein derartiges Vorgehen werde als fairer wahrgenommen, es kann Korruption verhindern und zu mehr Stabilität führen, meint Liu.

Unternehmen sollten zudem bedenken: Wer hochrangige Führungskräfte über die pseudo-rationale Bewertung von Leistung bestimmt, schafft Interessenkonflikte:
„Es kommt zu politischen Spielen. Die Bewerber arbeiten gegeneinander, um hervorzustechen, und schaden so dem Unternehmen. Ein Losentscheid macht dies überflüssig. Weil die Manager auf der höchsten Ebene ohnehin alle gleich gut qualifiziert sind, kann dies tatsächlich die beste Wahl sein“, resümiert Liu. Wir suchen krampfhaft nach einer eindeutigen Beziehung von Ursache und Wirkung, tappen damit aber in die Falle ungerechtfertigter kausaler Schlüsse. Glück oder Zufall passen nicht zur anmaßenden Attitüde der Welterklärer. Das gilt auch für Rückschaufehler. Ex post ist man immer schlauer und erkennt Gründe, die vorher niemanden interessierten.

Eine weitere Methode der Wahrheitskonstrukteure ist die ständige Wiederholung von Aussagen, um Menschen dazu zu bringen, falsche Aussagen zu glauben. Das erzeugt Vertrautheit, die sich nur schwer von der Wahrheit unterscheiden lässt. Man reduziert damit die kognitive Beanspruchung des Publikums und zahlt auf das Konto der Bequemlichkeit ein.

Konstruierte Erfolgsprinzipien

Penetrant sind vor allem jene Zeitgenossen, die aus der Untersuchung von erfolgreichen Firmen konkrete Handlungsanweisungen ableiten, um genauso erfolgreich wie jene untersuchten Firmen zu werden. Dan Kahneman zitiert eines der bekanntesten Beispiele dieses Genres: “Immer erfolgreich” von Jim Collins und Jerry I. Porras. Es enthält eine gründliche Analyse von 18 konkurrierende Unternehmenspaarungen, bei denen eines erfolgreicher war als das andere. Jeder Vorstandschef, Manager oder Unternehmer sollte nach Auffassung der beiden Autoren dieses Buch lesen, um visionäre Firmen aufzubauen. “Wenn man weiß, wie wichtig der Faktor Glück ist, sollte man besonders argwöhnisch sein, wenn aus dem Vergleich von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Firmen hochkonsistente Muster hervorgehen. Wenn der Zufall seine Hand im Spiel hat, können regelmäßige Muster nur Illusionen sein”, warnt Kahneman.

Nach dem Erscheinen des Buches schwand der Abstand in Ertragskraft und Aktienrendite zwischen den herausragenden und den weniger erfolgreichen Firmen praktisch auf null. Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren erzielten die Unternehmen mit den schlechtesten Bewertungen im weiteren Verlauf viel höhere Aktienrenditen als die meistbewunderten Kandidaten.

Auch die Analysen des Analysten Alexander Fink belegen die Ausführungen von Dan Kahneman. Demnach werden in einem Zeitraum von 15 Jahren die Karten bei den wertvollsten Firmen neu gemischt. Nur wenigen Firmen gelingt es, wirklich oben zu bleiben. Helfen da dauerhafte Innovationen? Würde ich gerne in meiner New-Management-Kolumne am 15. Januar vertiefen.

Welche Firmen werden denn 2035 rausfallen aus der Top-10-Rangliste?

Siehe auch:

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Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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