
Wir stellen den Baum auf, als würden wir der Welt für ein paar Stunden Hausverbot erteilen. Lichterkette an, Kugeln dran, der Stern hängt schief – und genau deshalb wirkt es echt. Wir lachen über Kleinigkeiten, essen „nur mal“ einen Keks zu viel und merken: Heiterkeit ist keine Flucht, sondern ein kurzer Sieg über den Dezember.
Dann wird der Abend leiser, ohne dass er kaputtgeht. Ein „Weißt du noch…“ reicht, und die Vergangenheit sitzt mit am Tisch. Nicht als Drama, eher als Tonartwechsel. Die Kerzen brennen, das Wachs läuft, das Jahr zeigt seine Kanten. Und trotzdem bleibt da dieses warme, widerspenstige Gefühl: Wir sind noch da. Wir sind beieinander.
Später, wenn die Tür zu ist, stehen wir kurz vor dem Baum. Eine Kugel spiegelt uns verzerrt – müde, aber standhaft. Wir räumen nicht sofort auf. Wir lassen das Fest noch ein paar Minuten nachklingen, damit die Dunkelheit nicht so tut, als hätte sie gewonnen.
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