Wenn KI Zeit schenkt und Körpersprache Wirkung entfaltet #ZPSüd

Es war einer dieser Messevormittage, an denen sich der Kaffee noch gegen den Lärmpegel durchsetzen musste, doch in unserem Messe-TV-Studio herrschte bereits hellwache Betriebsamkeit. Keine Worthülsen, kein Präsentationsgeklimper, sondern zwei Gäste mit Haltung, Herz und Humor: Iris Weiss von Iris Haag Training & Beratung und Jasper Dehner von der dehner academy spannten mit Leichtigkeit einen Bogen von der digitalen Präzision künstlicher Intelligenz zur sinnlichen Direktheit der Körpersprache.

Ein Gespräch, das vom Zauberer in der Hosentasche über fränkische Zungenschläge bis zum Coachingbot führte – und dabei ganz nebenbei die Frage stellte, was es eigentlich heißt, in Zeiten der Automatisierung Mensch zu bleiben.

Entgleisungen, Dialekt und der Zauber in der Hosentasche

Iris Weiss macht in Trainings mit dem Körper ernst. Sie zählt zehn „körpersprachliche Entgleisungen“ auf – darunter den „Zauberer“, der mit den Händen in den Hosentaschen herumfuchtelt und dabei ungewollte Aufmerksamkeit generiert, oder den „Spieler“, dessen nervöse Tanzgesten zwar in der Disko überzeugen, aber auf der Bühne eher irritieren. Körpersprache, so Weiss, sei kein nettes Extra – sie sei entscheidend für Wirkung und Bindung.

Und dann lächelt sie, atmet hörbar ein und sagt in charmantem Ton: „Ich neig zum Hoachatme.“ Ein Satz, der so fränkisch wie entwaffnend ist – und der zeigt, wie sehr Authentizität, Humor und Selbstbeobachtung zur Wirksamkeit gehören. Markus Söder kommt kurz zur Sprache, ebenso Lothar Matthäus – in einer jener Passagen, in denen der Ernst der Sache durch Gelassenheit an Tiefe gewinnt.

KI als Führungsassistent

Jasper Dehner, strukturiert, klar und mit analytischer Eleganz, lenkt das Gespräch in Richtung KI. Sein Ansatz: Künstliche Intelligenz entlastet Führungskräfte – nicht, um sie zu ersetzen, sondern um ihnen Zeit zurückzugeben. Für Gespräche, für Coaching, für das, was man früher „Mitarbeiterführung“ nannte und heute zu oft im Dashboard verliert.

Dehner schildert, wie durch KI-basierte Tools Terminplanung, E-Mails oder sogar Lernprozesse effizienter gestaltet werden. Sein Lieblingsbeispiel: Ein selbst entwickelter Coachingbot, der ausschließlich auf geprüften, firmeneigenen Inhalten basiert. Kein Bauchladen, kein Bullshit. Sondern Struktur, Qualität und die Chance, mit der gewonnenen Zeit echte Gespräche zu führen.

„Shit in, shit out“ – sagt Dehner trocken. Und bringt damit die Sache auf den Punkt: KI funktioniert nur, wenn das Denken vorher stattfindet.

Demokratisierung durch Maschine?

In der Runde wird es still, als die These fällt, KI könne die Arbeitswelt menschlicher machen. Kein Euphemismus, sondern eine These mit Substanz. Wenn Systeme helfen, Potenziale unabhängig von Lebensläufen sichtbar zu machen – dann entsteht nicht nur Effizienz, sondern Gerechtigkeit. Dann zählt nicht mehr, wer ein Abitur hat, sondern wer etwas kann.

Dehner sieht darin eine Chance zur Demokratisierung. Und auch Weiss nickt, wenn es um die Verbindung von technischer Rationalität und menschlicher Ausdruckskraft geht. Was zählt, sei die Verbindung – von Stimme, Haltung, Inhalt. Und genau diese Verbindung gelinge nur, wenn Mensch und Maschine nicht gegeneinander, sondern miteinander agieren.

Training für den Ernstfall

Dass das nicht nur in Seminaren gilt, sondern auch auf der Bühne, wird spätestens dann klar, als Weiss von ihren 360°-Trainings spricht. CEO-Coachings, Speaker-Trainings, rhetorische Nahkampfübungen. Und das alles nicht aus Selbstoptimierungswut, sondern aus einem Ziel: Wirksamkeit unter Stress.

Ich erzähle aus eigener Erfahrung – von Medientrainings mit Vorstandschefs in Extremsituationen, von Schockfragen im Scheinwerferlicht. Und beide, Weiss wie Dehner, greifen den Gedanken auf: Wer nie die Komfortzone verlässt, wird nie souverän auftreten. Wer nicht ein Stück weit ins Risiko geht, bleibt erwartbar.

Der Bogen von KI zur Körpersprache war im Gespräch mit Iris Weiss und Jasper Dehner kein Spagat, sondern eine runde Sache. Es zeigte sich, dass Präsenz nicht mit Lautstärke zu tun hat, sondern mit Bewusstsein. Dass Technik keine Gefahr ist, sondern ein Werkzeug. Und dass man auch in einer Zeit der Algorithmen das Leuchten in den Augen nicht ersetzen kann.

Und wer dabei noch „hoachatmet“, darf das gern tun – solange er es weiß. Denn Bewusstheit, so wurde im Studio deutlich, ist die wahre Kompetenz der Zukunft.

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