Innovatoren und das heilige Feuer der Unzufriedenheit: Fraunhofer-Präsident plädiert für mehr Erfinder- und Unternehmergeist

„Jede Schöpfung ist ein Wagnis“ – diese Erkenntnis von Christian Morgenstern gilt nicht nur für Dichter, sondern auch für Ingenieure, die technische Kunstwerke erschaffen, und für Unternehmer, die Firmengründen. „Kreative Köpfe waren es, die Deutschlands Ruf als Land der Dichter und Denker in der Welt begründeten. Erfinder, Forscher und Unternehmer in einer Person waren viele der Pioniere des

Industriezeitalters wie Otto, Benz, Siemens oder Bosch. Mit ihrem Erfinder- und Unternehmergeist bauten sie nicht nur Firmen von Weltruf auf, sondern schufen auch die Marke ‚Made in Germany’, die für technische Spitzenleistung und höchste Qualität bürgte. Um diesem Ruf auch in Zukunft gerecht zu werden, brauchen wir mehr Innovatoren, die neue Möglichkeitsräume eröffnen. Persönlichkeiten, die mit Ausdauer und Durchsetzungsvermögen neue Chancen verfolgen und konsequent nutzen“, sagte Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft http://www.fraunhofer.de, auf dem Deutschen Wirtschaftsingenieurstag (DeWIT) http://www.dewit.de im Mercedes Event Center in Sindelfingen. 

Dazu gehöre auch das Risiko des Scheiterns. Nicht jeder Geistesblitz werde zur Innovation, die meisten Ideen verlaufen im Sande oder durchlaufen schwierige Veränderungsprozesse, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. „Innovationsprozesse sind mit hohem Risiko behaftet, zäh und langwierig. Die Umsetzung von Ideen in neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse ist riskant. Und das Wagnis wird mit jedem Schritt größer. Innovation ist keine einfache lineare Abfolge von der Erfindung zum fertigen Produkt, sondern ein komplexes Zusammenspiel zwischen wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräften“, so Bullinger. Fraunhofer habe bei einem mittelständischen Unternehmen untersucht, wie heute Innovationsprozesse verlaufen. Dabei seien von fast 2.000 Ideen nur etwa elf zu am Markt erfolgreichen Produkten geworden. Deshalb brauche man einen riesigen Speicher von unterschiedlich ausgereiften Ideen anlegen. „Man muss viele Frösche küssen, um auf einen Prinzen zu stoßen“, antwortete Arthur Frey, der Erfinder der gelben Haftzettel, auf die Frage, warum nicht mehr seiner Erfindungen so erfolgreich wurden. Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht vom „heiligen Feuer der Unzufriedenheit“, die Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny von „Unersättlicher Neugier“. 

Jeder kenne den Geistesblitz – den magischen Augenblick, wenn es funkt und Puzzlestücke sich zusammenfügen. Heureka – ich habe es gefunden. „Doch der zündende Einfall ist alles andere als Zufall, Erfindungen und Entdeckungen haben meist eine lange Vorgeschichte und basieren auf breitem Wissen. Wissen allein genügt aber nicht, man muss das Wissen organisieren, kombinieren und – vor allem – neu zusammensetzen. Grundlegend Neues entsteht meist an den Grenzbereichen der Disziplinen und – durch Zusammenarbeit im Team“, erklärte der Fraunhofer-Präsident. Kreativität sei das gezielte Suchen ebenso wie das spontane Sammeln von Ideen – ein Umherschweifen im Raum der Möglichkeiten. „Kreative Menschen warten nicht, bis sie die Muse küsst, sondern arbeiten viel und intensiv. So ist jede Idee das Ergebnis harter Arbeit und eines anregenden Umfelds. Das entscheidende Merkmal kreativer Menschen ist, sich nicht mit dem Vorhandenen zufrieden zu geben und über das Bekannte hinauszugehen. Die kreativen Köpfe sind es, die unserem Land zu neuer Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen können“, führte Bullinger aus.

In der europäischen Benchmark-Studie IMP-Grove habe sein Institut den Vernetzungsgrad der Unternehmen analysiert und herausgefunden, dass Wachstumschampions unter den klein- und mittelständischen Unternehmen in Europa auf „offene“ Modelle der Wertschöpfung setzen. Eine enge Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern bei Kooperationen sei ein wesentlicher Hebel für die Steigerung der eigenen Innovationsfähigkeit. Mehr als 86 Prozent der Wachstumschampions binden Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg wesentlich enger ein. Stark vernetzte Unternehmen generieren mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die jünger als drei Jahre sind – im Vergleich zu circa 10 Prozent bei den „wenig“ vernetzten Unternehmen. Im europäischen Vergleich erzielen stark vernetzte Unternehmen Umsatzwachstumsraten von 7,1 Prozent, „wenig“ vernetze Unternehmen dagegen nur 3,2 Prozent.

„Für ein Hochlohnland wie Deutschland liegt die größte Herausforderung darin, was und wie künftig am Standort Deutschland produziert wird. Wichtig ist dabei die Innovationsbeschleunigung“, betonte Bullinger. Gemeistert werden die Herausforderungen durch Netzwerke der Kooperation. Gerade in Zeiten der Unsicherheit könne Deutschland auf seine gute realwirtschaftliche Position in der Elektrotechnik und Informationstechnik, auf seine gute Forschungslandschaft und exzellente Ingenieure und Wissenschaftler bauen, sagte Professor Josef A. Nossek, Präsident des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) http://www.vde.com, in seinem DeWIT-Vortrag. Allerdings müsse man sich mehr um die besten Köpfe, Innovationsstandorte, Technologien und Anwendungen kümmern: „Um die gute Position zu halten und der ‚asiatischen Herausforderung’ erfolgreich zu begegnen, muss Deutschland noch stärker in Bildung und in aussichtsreiche Forschungs- und Entwicklungs-Cluster investieren. Selbst die gegenwärtige Krise bietet Chancen, gute Technologiepositionen auszubauen, beispielsweise bei  der Energietechnik, Energieeffizienz, Ambient Assisted Living, Automotive und Future Internet“, so Nossek. Der VDE erwartet aufgrund der deutschen Stärken in den Basistechnologien, im Systems-Engineering und in der engen Verknüpfung von Hochschulen und Wirtschaft starke Impulse auch für den Export. Man werde sich allerdings im globalen Wettbewerb nur behaupten, wenn Deutschen die Exzellenz des Ingenieurnachwuchses sichert.

 

Dummes Technik-Design und schlampige Ingenieure: Entwickler vernachlässigen das Prinzip der Einfachheit

Amerikanische Hightech-Institute arbeiten an intelligenten Technologien nach dem Prinzip „things that think“. Die Technik als solche entzieht sich dabei zunehmend der Sichtbarkeit, so der Berliner Wissenschaftler Norbert Bolz.

„Je komplexer unsere Welt wird, umso wichtiger wird die Benutzeroberfläche. Intelligentes Design signalisiert dem Kunden: Vergiss die Technik! Es muss Glaubwürdigkeit in Form übersetzen, denn kaum ein Konsument kann die technischen Fakten beurteilen, er will auf der freundlichen Benutzeroberfläche bleiben“, erläutert der Trendforscher.

Kaum noch jemand mache seine Motorhaube auf, wenn der Wagen auf der Autobahn liegen bleibe. Irgendwo müsse mit Details Schluss sein.

„Das ist kein ‚Praxisdefizit, sondern notwendige grobe Körnung“, sagt Bolz. Wer heute ein Videogerät, Handy oder einen Fotoapparat kauft, könne nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days, nachvollziehen, wie wichtig selbsterklärende Menüs im Alltag und im Berufsleben seien.

Es wäre doch viel besser, wenn man dem neuen Gerät einfach sagen könnte, was man von ihm will, und zwar so, wie man mit einem anderen Menschen reden würde. Für die Produktentwicklung des Technologieherstellers Bizerba ist es wichtig, die Technik mit modernsten grafischen Benutzeroberflächen zu verbinden.

„Wir passen das Design an und holen uns Informationen vom Bedienpersonal. Zudem arbeiten wir mit Designern zusammen, um das wirklich so intuitiv wie möglich zu gestalten. Denn keiner hat mehr Zeit, sich mit der Technik auseinander zu setzen. Es darf nicht sein, dass man Schulungen braucht, nur um das Gerät zu bedienen. Die Leute müssen sich im Einzelhandel auf den Verkaufsprozess konzentrieren können“, so die Markterfahrung von Werner Sauter, verantwortlich für das weltweite Produkt- und Applikationsmanagement bei Bizerba.

Den Grundsatz „keep it simple”, wie es Bizerba praktiziert, würden viele Entwickler leider nicht beherzigen, kritisiert Marketingexperte Günter Greff.

„Das predige ich nun schon seit über 20 Jahren. Es bringt nichts, in Endlosschleifen neue Techniktrends zu beschwören, wenn der Kunde mit den alten Geräten noch nicht einmal zurecht kommt. Die Gurus der IT-Industrie wären gut beraten, etwas weniger marktschreierisch aufzutreten und sich mit neuen Schlagwörtern zurückzuhalten. Es kommen jedes Jahr Geräte unausgereift auf den Markt, die mit anderen Technologien nicht harmonieren und ein mehrstündiges Studium von Handbüchern benötigen, die in einem chinesisch-deutschen Kauderwelsch geschrieben wurden“, bemängelt Greff.

Die Realität sieht düster aus, bestätigt Spiegel-Online-Redakteur Konrad Lischka:

„Die fiese Feststelltaste zwingt zu permanenter Großschreibung, jede Digitalkamera will ein eigenes USB-Kabel – und Aufzüge halten bei jedem sinnlosen Zwischenstopp. Wenn Ingenieure schlampen, leiden Millionen.“

Ein Anschluss am Computer für alle erdenklichen Geräte, standardisiert, universell, praktisch und schnell – mit diesem Versprechen trat 1996 der „Universal Serial Bus” (USB) an.

„Schaut man sich die diversen USB-Kabel für Digitalkameras, Handys, MP3-Player und Navigationssysteme an, ist das Versprechen nur halb eingelöst – nämlich auf der Kabelseite, die man in den Rechner stöpselt. Da passt jedes USB-Kabel in jeden USB-Anschluss. Auf der Geräteseite sieht es allerdings anders aus: Da passt bei weitem nicht jedes USB-Kabel in jedes USB-Gerät“, moniert Lischka.

Einfachheit sei deshalb ein unschlagbares Verkaufsargument, glaubt der Call Center-Experte Greff. „Die Menschen kann man begeistern, wenn man Technologien auf den Markt bringt, die das Leben einfacher machen – ohne dicke Handbücher. Apple macht es doch vor. Den iPod oder das iPhone kann ich nach kurzer Zeit ohne Anleitung bedienen. Das Produktdesign darf man deshalb nicht den Technikingenieuren. Die haben davon keine Ahnung“, resümiert Greff im Gespräch mit dem Onlinemagazin NeueNachricht. Das MIT in Cambridge mache es vor. „Dort leitet der Medienkünstler und Grafikdesigner John Maeda das SIMPLICITY-Forschungsprojekt und kein technischer Daniel Düsentrieb“, weiß Greff.

Vermächtnis von Bill Gates: Wir brauchen Garagentüftler und keinen pompösen IT-Gipfel

Man soll immer dann gehen, wenn es am schönsten ist. Oder wenn man als Unternehmer am erfolgreichsten ist. Legt man diese Kriterien an, dann hat Microsoft-Gründer http://www.microsoft.com Bill Gates vielleicht schon die Zeit für den richtigen Abgang verpasst. In letzter Zeit hat das Markenimage von Microsoft doch arg gelitten, weil Wettbewerber einfach den besseren Riecher für neue Trends hatten. Mit 52 Jahren räumt Gates, der mit seinen ewigen Pullovern, der nicht unbedingt modischen Brille und Frisur immer noch wie ein Informatik-Student im 20 Semester aussieht, jedenfalls den Schreibtisch und will in Zukunft nur noch Philantrop sein. Die finanziell hervorragend gepolsterte „Bill & Melinda Gates Foundation“ http://www.gatesfoundation.org liefert ihm dafür die nötige Basis.

Die in den Vereinigten Staaten idealisierte „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Karriere kann Gates nicht vorweisen. Das liegt eventuell auch daran, dass es immer mehr Spülmaschinen gibt und Gates als zweitreichster Mann der Welt selbstverständlich mehrfacher Milliardär ist. Er wuchs als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwalts und einer Lehrerin auf und machte bereits in der Grundschule mit seinen überragenden Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften auf sich aufmerksam. Dass ein abgeschlossenes Hochschulstudium keine Voraussetzung für eine Karriere als erfolgreicher Unternehmer ist, stellte Gates ebenfalls unter Beweis. Zwar ging er 1973 an die renommierte Harvard-Universität, doch schon zwei Jahre später brach er sein Studium ab.

Doch Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war noch nicht abzusehen, wie clever und geschäftstüchtig der etwas linkisch wirkende „Tekkie“ einmal werden sollte. Im Sommer 2007 erinnerte sich der Informatik-Professor Harry R. Lewis an seinen ehemaligen Studenten, den er in den Jahren 1974 bis 1975 unterrichtete. „Ich habe Gates in der Zeit gut kennengerlernt. Ich denke, er war ziemlich gelangweilt in meinen Kursen und hat ja selbst gesagt, dass er sich in den meisten Seminaren gelangweilt hat. Aber er ging zu vielen Veranstaltungen und war ziemlich interessiert“, so der vormalige Dekan des Harvard Colleges gegenüber Spiegel-Online http://www.spiegel.de. „Manchmal schlief er in den Seminaren ein. Nachher habe ich erfahren, dass er bis tief in die Nacht möglicherweise an der Gründung von Microsoft arbeitete. Das erklärte natürlich, warum er dann am Tag schläfrig war.“

Auch heute noch schlafen viele Studenten in Vorlesungen und Seminaren ein oder kommen erst gar nicht aus dem Bett und brechen ihr Studium ab. Sie werden aber in der Regel Taxifahrer und nicht Multimilliardär. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest http://www.tns-infratest.com im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab aber zumindest, dass Bill Gates für angehende Jungunternehmer in Deutschland das größte Vorbild ist. Ein weiteres erstaunliches Resultat: Drei Viertel der Jugendlichen im Schulalter können sich laut dieser Studie vorstellen, später selber Unternehmer zu werden. Und dass, obwohl sie von Beamten unterrichtet werden, die oft noch keinen Betrieb aus der Nähe gesehen haben.

Insbesondere die Informationstechnologie (IT), für die Gates wie kein zweiter steht, ist für die Wirtschaft in Deutschland wie in der übrigen westlichen Welt von enormer Bedeutung. Auf der Computermesse Comdex rief der Microsoft-Gründer daher im Jahr 2001 ein „digitales Jahrzehnt“ aus. „In dieser digitalen Dekade wird Computer-Technologie jeden Teil unseres Lebens verändern und das Versprechen des wirklich sicheren und wirklicheren persönlichen Computers einlösen“, so Gates. „In Deutschland fehlt es an weithin bekannten Vorbildern wie Gates, auch wenn Ende vergangenen Jahres wieder ein pompöser IT-Gipfel veranstaltet wurde“, sagt Tobias Janßen, Vorstandschef der Düsseldorfer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com und Mitglied im Executive Board der American Chamber of Commerce http://www.amcham.de. „Bei solchen Treffen schielt man hierzulande nur auf die großen Konzerne. Mittelständler oder gar der findige Jungunternehmer in der Garage haben hierzulande kaum eine echte Chance. Bei uns hätte Bill Gates wahrscheinlich nicht so eine erstaunliche Karriere gemacht.“

„Wenn ich heute zwischen 18 und 22 Jahre alt wäre, würde ich mich von Frau Merkel, dem SAP-Chef Kagermann oder dem Bitkom-Präsidenten Professor Scheer, der für die Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien steht, nur bedingt angesprochen fühlen. Die Informationstechnologie muss bei uns dringend aus dem Old-Economy-Muff erwachen. In den USA und in anderen Ländern ist man schon wesentlich weiter“, bestätigt Michael Zondler vom Düsseldorfer IT-Beratungshaus Harvey Nash http://www.harveynash.de im Gespräch mit dem Onlinemagazin NeueNachricht.

Merkel und der Old-Economy-Muff

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) konnte sich nicht gegen Kanzlerin Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Glos (CSU) durchsetzen: Auf dem so genannten „IT-Gipfel“ in Hannover erhielten Forderungen nach einer Lockerung des Zuwanderungsrechts für IT-Spezialisten eine Absage. In Deutschland fehlen nämlich nach Einschätzung von Fachleuten rund 45.000 solcher Experten. Dies bremse das Geschäft der Informations- und Kommunikationstechnologie, so der Branchenverband Bitkom http://www.bitkom.de.

„Es gibt keinen Mangel an IT-Spezialisten. Es kommt lediglich darauf an, wie und wo man sucht“, erklärte Michael Zondler, Regional Manager Süd beim IT-Beratungsunternehmen Harvey Nash http://www.harveynash.de. In Asien finde nahezu jede zweite Ausbildung im High-Tech-Segment statt. In Deutschland käme man nur auf rund 20 Prozent. „In Asien gibt es eine Milliarde Menschen unter 30 – es kommt also lediglich darauf an, wie man diese Skill-Migration organisiert. Im Moment benötigen wir sie dringend. Daher ist Merkels Absage an mehr Zuwanderung von High Potentials falsch.“

Allerdings bestreitet auch der IT- und Personalexperte Zondler nicht, dass die Unternehmen nicht nur auf Zuwanderung setzen darf: „Entscheidend für den Erfolg ist die Perspektive IT für den Nachwuchs. Wenn man es richtig anstellt, dann kann man auch die Mädchen und Jungen, die intelligent sind und global denken, für eine solche Karriere motivieren.“ Doch zurzeit werde einfach zu wenig dafür gemacht, dass IT „sexy“ rüberkomme. „Ich vermisse neben den Lippenbekenntnissen und wenigen Aktionen eine breite Initiative mit Anzeigen, Kampagnen, Radio- und TV-Spots sowie Road Shows der High Tech-Unternehmen. Es reicht einfach nicht mehr aus, nur zu ausgewählten Campus-Veranstaltungen oder spezialisierten Recruiting-Messen zu gehen. Das trockene technokratische Image muss ganz schnell aufpoliert werden. Dafür brauchen wir junge und unverbrauchte Gesichter.“

„Sorry, aber wenn ich heute zwischen 18 und 22 Jahre alt wäre“, so Zondler spitz, „würde ich mich von Frau Merkel, dem SAP-Chef Kagermann oder dem Bitkom-Präsidenten Professor Scheer nur bedingt angesprochen fühlen. Wo sind die Sergey Brins und Larry Pages aus Deutschland? Die IT muss hierzulande dringend aus dem Old-Economy-Muff erwachen. Die Gipfelstürmer wie Gameforge, Yoc, Youtube, Google, Xing, Linked In oder United Internet müssen jetzt den Stab übernehmen.” Ob die Botschaft angekommen ist? Bitkom-Präsident Scheer jedenfalls erklärte den zweiten nationalen IT-Gipfel aus Sicht der ITK-Branche zu einem vollen Erfolg.