Kurs der Aburteilungen – Wohin steuern wir? #BTW2025 #ZPNachgefragtWeek

In Zeiten der Unsicherheit zeigt sich der wahre Charakter einer Gesellschaft. Was derzeit in Deutschland geschieht, lässt tief blicken: Politikerinnen und Politiker sagen massenweise Veranstaltungen ab, Mitarbeitende flüchten durch Hintertüren, weil sie Morddrohungen erhalten, Dienstwagen werden zur Zielscheibe blinder Wut. Es herrscht ein Klima der Aburteilung, der Polarisierung, der emotionalen Eskalation.

Der Arbeitsrechtler Rupert Felder hat im Interview in der Reihe genau die Punkte angesprochen, die uns zu denken geben sollten. Es fehlt an respektvollem Diskurs, an Substanz statt Lautstärke, an echtem Argumentieren statt reflexhaftem Verdammen. Der öffentliche Raum verroht, weil nicht mehr gestritten, sondern nur noch vernichtet wird. Wer nicht mitzieht, wird ausgegrenzt. Wer sich auf komplexe Diskussionen einlässt, wird übertönt.

Diese Entwicklung hat fatale Folgen. Sie trifft nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Institutionen, Unternehmen, Organisationen. Felder hat betont, dass Krisen auch Chancen sind – aber nur, wenn wir bereit sind, daraus zu lernen, uns neu auszurichten, die Debatte zu suchen, statt in Empörung zu erstarren. Führungspersönlichkeiten, ob in Unternehmen oder Politik, tragen dabei eine besondere Verantwortung. Sie müssen Vorbilder im Diskurs sein, Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen.

Doch was erleben wir? Nicht nur, dass bestimmte Akteure unter Generalverdacht gestellt werden – auch die Regeln unseres demokratischen Zusammenlebens scheinen immer öfter in den Hintergrund zu rücken. Ist das die Gesellschaft, die wir wollen? Eine, in der Einschüchterung politische Mittel ersetzt? Eine, in der Recht nicht mehr als Rahmen akzeptiert wird, sondern sich nach der gerade lautesten Meinung richtet?

Felder hat zu Recht an die Bedeutung von Gemeinschaft erinnert – an das, was uns verbindet. Das bedeutet nicht, alle Differenzen einzuebnen, sondern sie auszuhalten. Es bedeutet, einen Grundkonsens zu bewahren, der über das Tagesgeschäft hinausreicht. Wer Demokratie ernst nimmt, muss andere Meinungen nicht nur ertragen, sondern ihnen auch mit Argumenten begegnen, statt sie niederzubrüllen.

Der momentane Kurs führt uns nicht in eine konstruktive Zukunft, sondern in eine Sackgasse. Die Frage ist, ob wir den Mut haben, umzusteuern – zurück zu einem Diskurs, der auf Überzeugung und nicht auf Drohungen baut.

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