
Wenn das Digitale kommt, dann kommt es nicht. Und wenn es kommt, dann scheppert es. Und wenn es scheppert, dann ist es Logineo.
NRW. Der Rhein rauscht, die Kreide kratzt. Und in den Ämtern heulen wieder die Drucker, weil jemand eine Schulcloud bauen wollte. Logineo, Name wie aus einer Vorabendserie über gescheiterte Start-ups im Bildungsministerium. Klingt wie ein KI-Hamster, ist aber eine staatliche IT-Initiative. Wobei: „Initiative“ impliziert ja Bewegung.
Seit 2015 bastelt sich das Land seine digitale Schulzukunft – mit Liebe, Geduld und 200 Millionen Euro. Man könnte davon ein paar Unis mit Gigabit-Leitung bauen. Oder jedem Lehrer einen MacBook-Altar samt WLAN-Mönch zur Seite stellen. Stattdessen: Eine Plattform, so spröde wie der Humor einer Kultusministerin beim Netzwerktreffen. Logineo, das ist keine Cloud. Das ist Nebel in Codeform.
Und jetzt – Trommelwirbel, Tusch, letzte Warnung – kommt sie nicht mehr. Die große Rettungsfirma mit Kabeln im Keller, die digitale Feuerwehr mit Glasfaserhelm und Datenschutzkelle, sie hat hingeworfen. Verträge? Gekündigt. Code? Unleserlich. Dokumentation? Weg. Vielleicht bei einer Kellerentrümpelung entsorgt. Oder mit MS Paint überschrieben. Wer weiß. „Wir verstehen das System nicht mehr“, hieß es. Verständlich. Niemand tat das je.
Die politische Reaktion: betretenes Klicken auf PDFs. Schulministerin: Das ist nicht gut. SPD: Das ist ein Skandal. Eltern: Wir nutzen jetzt Moodle. Schüler: Wir sind längst auf Discord. Lehrer: Macht das Licht aus.
Logineo ist der neue Berliner Flughafen des Bildungswesens, nur ohne Eröffnung. Eine Funktionsruine mit Benutzeroberfläche. Die Plattform konnte zuletzt weniger als ein gut moderiertes WhatsApp-Gruppenchaos. Aber immerhin, das Chaos war sicher. DSGVO-konform ins Nichts.
Und während andere Bundesländer längst funktionierende Lösungen betreiben – Open Source, gemeinsam, skalierbar –, erfindet NRW das Rad neu. Allerdings eckig. Aus Blei. Und dann wundert man sich, dass es nicht rollt.
Was bleibt? Ein melancholischer Quelltext im Museum des digitalen Scheiterns. Ein Denkmal für die Idee, dass man Digitalisierung politisch verwalten kann. Vielleicht kommt demnächst ein Landespreis für das Projekt: „Innovation durch Dokumentationsverlust.“
Und wenn Logineo eines Tages doch wieder auftaucht – dann wohl als Theaterstück. Titel: „Logineo – Eine Tragödie in drei Bugs.“
Ende. (Vorläufig.)
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