
In einem ausführlichen Interview im Podcast Sohn@Sohn hat der Hidden-Champion-Forscher Hermann Simon eine klare Position zu den aktuellen Herausforderungen und Chancen der deutschen Wirtschaft bezogen. Im Zentrum seiner Ausführungen stehen die negativen Auswirkungen von Strafzöllen, die Notwendigkeit von Direktinvestitionen in China und den USA, die Stärken deutscher Hidden Champions sowie deutliche Empfehlungen an die Ampel-Regierung. Besonders hervorzuheben sind Simons Forderungen nach einem Ministerium für Entbürokratisierung und seine Kritik am Normenkontrollrat.
Strafzölle: Schädlich für Deutschland und Europa
Simon kritisiert die von der EU-Kommission angedrohten Strafzölle auf chinesische Elektroautos als kontraproduktiv. Diese Zölle, die je nach Hersteller zwischen 17 und 38 Prozent liegen sollen, könnten nicht nur zu erhöhten Preisen für europäische Verbraucher führen, sondern auch zu einer Verschärfung der Handelskonflikte. Simon warnt, dass solche Maßnahmen langfristig mehr schaden als nützen könnten, indem sie Handelskriege provozieren und die globale Zusammenarbeit gefährden. „Strafzölle erhöhen die Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte und schwächen somit die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie.“
Direktinvestitionen: Eine Notwendigkeit in China und den USA
Simon hebt die Bedeutung von Direktinvestitionen in strategisch wichtigen Märkten wie China und den USA hervor. Diese Investitionen seien unerlässlich, um Marktpräsenz zu sichern und von den lokalen wirtschaftlichen Bedingungen zu profitieren. Im Jahr 2023 erreichten die deutschen Investitionen in China einen Rekordwert, während der deutsche Export nach China zurückging.
„Wenn man befürchtet, dass es größere Handelsbarrieren gibt, dann geht man in das Land hinein,“ erklärt Simon. Diese Strategie sei auch in den USA wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, insbesondere angesichts des Inflation Reduction Acts von Präsident Biden.
Stärken der deutschen Hidden Champions
Simon würdigt die Hidden Champions als zentrale Stütze der deutschen Wirtschaft. Diese kleinen und mittleren Unternehmen, oft Weltmarktführer in Nischenmärkten, zeichnen sich durch ihre Innovationskraft und hohe Qualität aus. Beispiele wie Klingelnberg, der Weltmarktführer für Maschinen zur Herstellung von Zahnrädern, illustrieren die technologische Spitzenstellung deutscher Unternehmen.
„In dieser wenig sichtbaren Hidden-Champions-Substanz sind wir verdammt gut,“ so Simon. Er ist davon überzeugt, dass diese Unternehmen entscheidend für die langfristige Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft seien.
Forderungen an die Ampel-Regierung
Simon spricht auch deutliche Empfehlungen an die Bundesregierung aus. Er kritisierte den ineffizienten Normenkontrollrat und forderte die Schaffung eines Ministeriums für Entbürokratisierung. Dieses neue Ministerium solle sich gezielt dem Abbau bürokratischer Hürden widmen, die derzeit die wirtschaftliche Entwicklung massiv behindern.
„Wenn ich Bundeskanzler wäre, dann würde ich meinen fähigsten Mann oder meine durchsetzungsstärkste Frau mit einem Ministerium beauftragen, das den Titel hat, Kampf gegen die Bürokratie.“
Kritik am Normenkontrollrat
Simon kritiisiert den Normenkontrollrat und erklärt, dass dieses Gremium trotz seiner hochrangigen Besetzungen wenig bewirkt habe. Er schlug vor, dem Gremium mehr politische Macht zu verleihen und es organisatorisch aufzuwerten, um tatsächlich signifikante Fortschritte im Bürokratieabbau zu erzielen.
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