FORMULARE, FORMULARE, FORMULARE: Deutschland, du Papiergebirge – ein Land, das Innovation mit dem Durchreichen eines Leitz-Ordners verwechselt @Bundeskanzler @BMWE_ @KfW_Research

Deutschland. Fördermittel-Deutschland. Dieses seltsam zuckende Land zwischen Pathos und Papier. Die Republik beschwört Zukunft, während sie im selben Atemzug ganze Jahrgänge junger Gründer unter Akten erstickt. Die Ministerien rufen zum Fortschritt, aber die Realität riecht nach Kopierer-Wärme und Sachbearbeiter-Atem.

Ich habe das alles gesehen. In Tunesien fünf Jahre lang diese groteske deutsche Exportware namens Förderbürokratie erlebt: mehrstufige Formulare, Prüfberichte, Tabellen, die aussehen wie Sudoku für Gestörte. Und immer dieses stille Grundrauschen: Wir wissen, dass du uns bescheißen willst.

Die Kultur der Verdächtigungen, tief verwurzelt, wie ein Pilzbefall im Staatsapparat.

Die große Lüge: „Wir fördern euch!“

Bundespressekonferenzen brüllen im Wochenrhythmus: Milliarden hier! Programme da! Zukunft! Transformation! Wandel! Strukturpakete! Landwirtschaft! Kohleausstieg! Startup-Nation!

Ein episches Possenspiel.

Denn hinter jedem Scheck lauert das Monster:
Das Formular.

Nicht irgendein Formular, sondern der deutsche Endgegner: 24 Seiten, 17 Unterschriften, 39 Nachweise, 4 „Anlagen“, 2 Verwendungsnachweise, 1 Drohung mit Strafrecht.

„Drucken Sie das Formular aus, unterschreiben Sie es, scannen Sie es wieder ein.“
„Das Original bitte physisch aufbewahren.“
„Die Mittelabruf-Erklärung besteht aus zwei Dokumenten.“
„Sie bestätigen mit Ihrer Unterschrift auch die Richtigkeit der Angaben, die Sie noch gar nicht überblicken.“
„In Kenntnis der strafrechtlichen Bedeutung …“

Diffuses Droh-Geraune, wie aus einem Kafka-Roman. Oder aus einem Staat, der seine Unternehmer für potenzielle Kriminelle hält.

Mittelständler als Maskenträger im Strafkammerdrama

Man sieht ihn förmlich vor sich:
Grauer Anzug, grauer Morgen, graue Mappe, graues Gesicht.
Er will ein Forschungsprojekt starten.

Und landet in einem Albtraum aus Kreuzchen.

Jedes Formular ein elektrischer Schlag, jede Seite ein Verhörprotokoll.

Der Unternehmer Hans-Joachim Münch hat es klar gesagt:

„Es besteht die Gefahr, dass man nach einer Prüfung Fördermittel zurückzahlen muss – bis hin zum Subventionsbetrug.“

Ein Wort wie kaltes Metall. „Subventionsbetrug.“ Der Staat fuchtelt damit herum wie ein schlecht gelaunter Scharfrichter.

Wer Risiken eingeht, ist nicht Visionär, sondern Verdachtsfall.

Die Innovationsblockade als Staatsziel

Deutschland fördert – aber so, dass niemand gefördert werden will.

Das ist die eigentliche Pointe.
Die Tragödie.
Der Skandal.

Die KfW-Zahlen belegen es:
Die Innovationsquote im Mittelstand stagniert.

Gleichzeitig investiert der Staat Rekordsummen:
88,7 Milliarden Euro F&E – und ein Großteil davon landet nicht in Produkten, Ideen, Patenten, Märkten, sondern im gefräßigen Abgrund von:
Evaluationen. Audits. Arbeitskreisen. Formularhöllen. Sachbearbeiter-Limbo.

Der Förderstaat produziert Förderstaub.
Ein gigantisches Beschäftigungsprogramm für Papier.

Was er produziert:
Schrecken, keine Ideen.

RhAInland Day: Klüwer und Yogeshwar sagen, was keiner sagen will

In Siegburg, mitten ins Gesicht der Mittelstandsrepublik, sagten Tina Klüwer und Julian Yogeshwar das, was jeder spürt, aber kaum einer ausspricht:

Deutschland befindet sich im Innovations-Verteidigungsmodus.

Zu viel Misstrauen, zu wenig Aufbruch.

Die beiden beschreiben eine Wirtschaft, die wie ein alter Boxer im Ring steht: schwer, langsam, misstrauisch, festgeklebt in der Ecke.
Und jeder Antrag, jede Förderrichtlinie, jede „Anlage 6.4a“ ein weiterer Schlag gegen die Rippen.

Wenn schon der Staat jedem Gründer unterstellt, er wolle betrügen, warum sollte er dann investieren?
Warum forschen?
Warum Risiken eingehen?

Dieses Land lähmt sich selbst durch überbordende Kontrolle.
Generalverdacht als Wirtschaftspolitik.

Strukturwandel als Rohrkrepierer

41 Milliarden Euro für die Kohleregionen.
Große Geste. Monumental.

Doch der Bundesrechnungshof lacht bitter:
Die Mittel werden kaum abgerufen.
Die Richtlinien fehlen.
Die Prozesse lahmen.
Die Projekte stecken fest.

Deutschland baut Bürokratietürme, in denen seine Zukunft erstickt.

Der tödliche Satz der deutschen Fördermaschine

„Bitte reichen Sie den Verwendungsnachweis 4.3.1 zusammen mit Anlage F und Anlage F-Revision spätestens drei Monate nach Projektende ein.“

Dieser Satz tötet:

  • Ideen.
  • Investitionen.
  • Mut.
  • Startups.
  • Mittelstand.
  • Zukunft.

Andere Länder haben Visionen.
Deutschland hat „ANBest-EU 21“.
Das klingt schon wie eine Krankheit.

Folge: Freiwilige Rückzahlungen der Fördersumme oder eine Suada an Drohungen von staatlichen Stellen.

Wie es anders geht: USA, Dänemark, Schweiz

Drei Länder, drei Systeme, drei simple Wahrheiten:

USA:
„Wenn ihr investiert, bekommt ihr Steuervorteile. Punkt.“
Der Inflation Reduction Act ist ein Feuerwerk, während Deutschland am nassen Streichholz knabbert.

Dänemark:
„Vertrauen statt Kontrolle.“
Ein Satz, der hierzulande als utopischer Quatsch gilt.

Schweiz:
Keine thematischen Vorgaben.
Keine staatliche Bevormundung.
Einfach Innovation unterstützen.

Und siehe da:
Sie sind innovativste Volkswirtschaft Europas.

Deutschland: Die erschöpfte Republik

Deutschland wirkt wie ein Land, das nicht mehr an sich glaubt.
Ein Land, das Aktenordner liebt, aber keine Zukunft kennt.
Ein Land, das sich in Misstrauen suhlt wie in einer warmen Badewanne.
Ein Land, das Erklärungen verlangt, statt Ergebnisse.

Ein Land, das jeden Innovator behandelt wie einen Schmuggler.

Was zu tun ist – brutal einfach:

  1. 90 % der Formulare abschaffen.
  2. Steuern für F&E radikal senken.
  3. USA-Prinzip: Geld für Output, nicht für Papier.
  4. Dänemark-Prinzip: Vertrauen vor Kontrolle.
  5. Schweiz-Prinzip: Forschungsfreiheit statt Bürokratieorgien.

Oder anders formuliert:

Fördern heißt: investieren.

Nicht: verdächtigen.**

Deutschland muss sich entscheiden:
Will es Zukunft?
Oder Papierkrieg?

Beides zusammen geht nicht.

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