
Wenn Budgets schrumpfen und Unsicherheit wächst, rückt das Wesentliche in den Vordergrund. Wolf Reiner Kriegler, Gründer der Deutschen Employer Branding Akademie, zeigte beim Interview auf der Zukunft Personal Nord, wie Employer Branding nicht nur ein Marketinginstrument, sondern ein stabilisierender Faktor in der Identitätsbildung von Organisationen sein kann – selbst (und gerade) im Mittelstand.
Die Wurzelarbeit zählt – nicht das Blätterrauschen
Kampagnen-Glamour? Fehlanzeige. Kriegler macht deutlich: Gute Arbeitgebermarken entstehen nicht im Hochglanzprospekt, sondern aus einer klaren inneren Haltung. „Wer bin ich als Arbeitgeber? Welche Kultur will ich gestalten – gerade in Zeiten des Wandels?“ Diese Fragen sollten vor der nächsten Stellenanzeige beantwortet werden. Miele, zwar kein klassischer Mittelständler, zeigt mit seiner strategischen Neuausrichtung exemplarisch, wie auch ohne große Etats glaubwürdige Arbeitgeberkommunikation gelingen kann.
Die Krise als Brennglas und Chance
Während Konzerne in unsicheren Zeiten oft auf Rückzug und Standardkommunikation setzen, haben mittelständische Unternehmen einen Vorteil: Nähe. Wenn Arbeitgeberidentität glaubwürdig gelebt wird – von Geschäftsführung bis Werkhalle – entsteht ein Vertrauen, das sogar in Kurzarbeit und unsicheren Auftragslagen trägt. Der Lohn: Loyalität, auch wenn es eng wird.
Mut zur Kante statt weichgespülter Versprechen
Employer Branding ist kein Wohlfühlprogramm. Kriegler fordert Klarheit statt Konsens. Eine Arbeitgebermarke, die keine Ecken und Kanten zeigt, bleibt konturlos. Gerade in angespannten Zeiten hilft eine „Marke mit Lagerfeuerqualität“, wie er es nennt – ein Ort, an dem sich Mitarbeitende gesehen und sicher fühlen. Das ist psychologische Sicherheit, nicht Verpackung.
Corporate Influencer: Stimme der Organisation
Immer mehr Mitarbeitende wollen mitreden – und sind bereit, ihre Perspektive öffentlich zu teilen. Kriegler plädiert dafür, diese Stimmen nicht nur zuzulassen, sondern aktiv einzubinden. Wenn Corporate Influencing mit Employer Branding verknüpft wird, entsteht ein Resonanzraum, in dem Identität nicht nur top-down, sondern auch bottom-up lebendig wird.
Jetzt ist die Zeit, mutig zu experimentieren
„Plant weniger, experimentiert mehr“, rät Kriegler. Die Zukunft gehöre denen, die den Mut haben, ohne große Ressourcen loszulegen – mit Haltung, Neugier und einem feinen Gespür für die eigene Organisation. Denn: „Employer Branding ist die einzige Impfung gegen Orientierungslosigkeit in unsicheren Zeiten.“
Wer den Wandel gestalten will, braucht keine Hochglanzstrategie – sondern die Kraft zur Klarheit.
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