
Ich erinnere mich an einen Tag ohne Wind. Das Wasser war still, wie ein Schweigen, das nichts verbergen wollte. Ein Boot lag da, verlassen vielleicht, oder nur wartend. Ohne Ruder. Kein Kurs, kein Ziel, nur Treiben. Ich dachte: So ist es, wenn man etwas übernimmt, ohne sich selbst zu verändern. Wenn man aufbricht, ohne sich vorher zu fragen, wohin.
Später, in einem Büro, sagte jemand das Wort „KI“. Es fiel, wie ein Stein ins Wasser, aber es gab keinen Widerhall. Der Raum war voll, und doch war niemand da, der wirklich zuhörte. Ich spürte, wie sich ein alter Gedanke regte: Dass es nicht die Maschine ist, die das Problem wird, sondern das Herz, das sie führt, oder eben nicht führt.
Ich habe die Maschinen nie gefürchtet. Nur die, die vergessen, dass sie Werkzeuge sind. Dass ein Werkzeug nicht denkt, nicht fragt, nicht zögert. Nur ausführt, was man ihm aufgibt. Was also geben wir ihm auf? Wer sind wir, wenn wir abgeben, was uns menschlich macht – nicht aus Überzeugung, sondern aus Trägheit?
Einmal, in einem Gespräch am frühen Abend, sagte jemand leise: „Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen. Es geht darum, ihnen etwas zurückzugeben.“ Das blieb bei mir. Vielleicht war es die Art, wie das Licht fiel. Vielleicht war es die Müdigkeit, die plötzlich wich. Befähigung – ein altes Wort, das wie ein Brief aus einer fernen Kindheit klang.
Ich lese viel über Lösungen. Und noch mehr über Versprechen. Doch selten über den Graben dazwischen. Jenen dunklen, unvorhergesehenen Spalt, in den so viele Ideen fallen. Nicht weil sie falsch waren – sondern weil niemand bereit war, sie auszuhalten, in ihrer Komplexität, ihrer Widersprüchlichkeit, ihrer schlichten Wirklichkeit.
Und doch, am Rand eines solchen Abgrunds wächst manchmal etwas. Kein System. Keine Antwort. Ein Verstummen vielleicht. Oder ein neuer Gedanke, leise, vorsichtig. Wie ein Vogel, der sich auf den Mast eines ruderlosen Bootes setzt, als wolle er sagen: Auch das Treiben ist eine Form von Bewegung.

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