
Heute tauchen wir ein in die Welt der Literatur, genauer gesagt in Manfred Schneiders Werk „Transparenztraum: Literaturpolitik, Medien und das Unmögliche“. Wir beginnen mit einem Auszug aus Kapitel 7, „Die Träume von 1900: Spirituelle Glashäuser von Bruno Taut“, eingeleitet durch ein Gedicht von Paul Scheerbart: „Im Glashaus brennt es nimmermehr, man braucht da keine Feuerwehr.“
Die legendäre Werkbundausstellung in Köln. Bruno Taut, bekannt für seine Hufeisensiedlung in Berlin-Neukölln – genauer gesagt in Britz – und seine expressionistische Architektur, hat ein Konzept realisiert, das in die Fachgeschichte eingegangen ist. Wir beschäftigen uns mit seinem Glashaus, einem Highlight der Kölner Werkbundausstellung 1914.
Die Ausstellung präsentierte neue Baukultur. Prominente Vertreter des Werkbundes, gegründet 1907, lieferten markante Beispiele. Künstler, Architekten, Publizisten, Politiker und Industrielle hatten sich der Veredelung der gewerblichen Arbeit verschrieben, durch die Verbindung von Kunst, Industrie und Handwerk.
Bekannte Architekten wie Henry van de Velde und Walter Gropius steuerten Entwürfe und Gebäude bei. Sie empfahlen den Besuchern eine neue Formensprache und Materialkultur. Doch nur wenige Werke blieben im Gedächtnis der Architekturgeschichte haften, darunter das Glashaus von Bruno Taut.
Taut entwarf das Glashaus als Werbepavillon der zeitgenössischen Glasindustrie. Doch er schrieb seinem Bauwerk auch eine sakrale Funktion zu: Es sollte ein „Gewand für die Seele“ sein. Das Gebäude bestand aus einem Betonsockel, der für eine Freitreppe geöffnet war. Darauf ruhte ein polygonaler Stützenkranz aus 14 Elementen mit dicken Glasbausteinen, der in eine spitze Kuppel aus farbigen Gläsern überging. Über dem Eingang konnte man den Spruch lesen: „Das bunte Glas zerstört den Hass.“
Im Inneren führten glasüberzogene Metallstufen zum oberen Projektionsraum, in dem ein Farbenkaleidoskop spielte. Eine künstlich beleuchtete Wasserkaskade floss über sieben Stufen. Prismengläser zerlegten das einströmende Licht in Spektralfarben. Mosaikartige Glasbilder und farbige Gläser ergänzten den zauberhaften Eindruck dieses Kunstwerks.
Es ist bedauerlich, dass die Stadt Köln zum hundertjährigen Jubiläum der Werkbundausstellung nicht mehr getan hat. Sie hätte zumindest eine kleine Variante von Tauts Glashaus wieder errichten können. Aber das ist eine andere Geschichte.
Siehe auch:
Hallo, es gab in der Kirche St. Getrud eine Ausstellung mit einem 6 MEter großen Taut-Pavillon, der die Geometrie der Kuppel zitiert, hier der Link dazu:
https://info967467.wixsite.com/bruno-taut-glashaus
Klasse. Vielen Dank für den Hinweis.