Chaos trifft Charme: King No-One und Deadletter rocken die Harmonie in Bonn #WDRRockpalast

King No-One: Brit-Alt-Rock mit Haltung auf dem Crossroads-Festival

Wenn es eine Band gibt, die auf den Bühnen Europas nicht nur Musik macht, sondern auch eine klare Botschaft vermittelt, dann ist es King No-One. Ursprünglich aus dem beschaulichen York, hat sich die Band mittlerweile in Manchester niedergelassen und beeindruckt seit Jahren Festivalgänger mit ihrer Mischung aus Glamour und Alt-Rock. Beim Crossroads-Festival von WDR-Rockpalast in der Bonner Harmonie hat das Quartett bewiesen, warum es in der UK-Szene zu einem echten Geheimtipp avanciert ist.

Schon bei ihrem ersten Akkord schien die Energie, die King No-One sonst bei Festivals wie dem legendären Reading versprüht, durch die Bonner Harmonie zu pulsieren. Ihr Sound? Eingängig und trotzdem voller Ecken und Kanten, die sie für Liebhaber klassischer Brit-Rock-Vibes interessant machen. Ihr Vintage-Feeling, gepaart mit modernen Klängen, sorgt dafür, dass sie sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen. Besonders beeindruckend war der mehrstimmige Gesang, der es schaffte, das Publikum mal sanft zu umschmeicheln und im nächsten Moment energisch alle Türen einzutreten – immer mit einem Augenzwinkern.

Feines Solo

Aber King No-One sind mehr als nur musikalische Virtuosen. Ihre Songs tragen eine Botschaft. Es geht um Inklusion. Unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe oder sozialem Status – für King No-One ist es eine Selbstverständlichkeit, die Vielfalt zu feiern.

Trotz all dieser positiven Vibes wirkte der Auftritt in der Dramaturgie ein wenig holprig. Zu oft fühlte es sich an, als sei die Inszenierung eine Spur zu stark gewollt, als wollte man ein Bild zeichnen, das nicht immer zum Rest des Sets passte. Doch wenn sie erstmal ihren Groove fanden, zeigte sich, warum King No-One so viele Menschen in Staunen versetzt: Sie wissen, wie man eine Show abliefert.

Obwohl der Abend nicht perfekt war, bleibt das Gefühl, dass King No-One eine Band ist, die ihren Weg noch lange nicht zu Ende gegangen ist. Sie haben das Talent, die Sounds und die Songs, die Popmusik heute braucht. Vielleicht ist es genau das, was sie in Zukunft noch viel größer machen wird – und vielleicht hört man schon bald wieder von ihnen, nicht nur in Bonn, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus.

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Denn eines ist klar: King No-One haben Haltung, und die kann in der Musik manchmal die Welt bewegen.

Deadletter: Anarchischer Indie-Rock mit Nachdruck auf dem Crossroads-Festival

„Pretty fucking beige“ – mit dieser lakonischen Selbstbeschreibung könnte man meinen, dass Deadletter eine Band wäre, die sich im Mittelmaß suhlt. Doch wer beim Crossroads-Festival in der Bonner Harmonie dabei war, weiß es besser. Die sechsköpfige Truppe aus Südwest-London servierte alles andere als beigen Rock. Ihr Sound? Ein explosiver Cocktail aus Art-Rock, Dance-Punk und dem rohen Spirit des Garage-Rock-Revivals der frühen 2000er. Deadletter bringen auf die Bühne, was vielen Bands heute fehlt: ungezähmte, ehrliche Energie.

Schon ab den ersten Takten machte die Band klar, dass hier kein Platz für glattpolierte Perfektion oder kalkulierte Inszenierungen ist. Deadletter sind anarchisch, kompromisslos und erfrischend direkt. Es ist kein Wunder, dass Deadletter bereits als Support für Placebo auf der Bühne standen – sie gehören zu den wenigen Bands, die mit solchen Größen mühelos mithalten können, ohne dabei auch nur einen Hauch ihrer Eigenständigkeit einzubüßen.

Der Vergleich mit Post-Punk ist verlockend, doch so einfach lassen sich Deadletter nicht in Schubladen stecken. Ihre Musik hat die künstlerische Schrägheit und den experimentellen Geist von Bands wie The Fall oder der Pop Group, kombiniert mit einer fieberhaften Energie, die das Publikum in jeder Sekunde spüren ließ, dass hier eine Band auf der Bühne steht, die auf ihrem eigenen Kurs segelt.

Deadletter scheuen sich nicht, mit Erwartungen zu brechen. Ihr Sound ist nicht glattgebügelt, sondern vielmehr kantig und chaotisch, dabei aber gleichzeitig präzise und auf den Punkt. Genau diese Mischung macht sie so außergewöhnlich. Sie verweigern sich dem Mainstream, nicht um elitär zu wirken, sondern weil sie ihren eigenen Weg gehen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Ihr Auftritt auf dem Crossroads-Festival war ein wilder Ritt durch ihre musikalische Welt, und wer einmal in diesen Strudel gezogen wurde, konnte sich nur schwer entziehen. Anarchisch, ehrlich und alles andere als „beige“ – Deadletter sind eine Band, die man nicht so schnell vergessen wird. Sie verkörpern das, was die besten Indie-Rock-Bands auszeichnet: die Fähigkeit, das Chaos zu ordnen und dabei etwas völlig Eigenes zu schaffen.

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