Wie kommen wir raus aus der Wegwerfgesellschaft? Wie können wir den Verpackungswahnsinn im Supermarkt oder bei To-Go-Produkten beenden? Diese Fragen konnte man im Livestream mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesjustizministerin Katarina Barley diskutieren. Das ist wirklich eine tolle Aktion der beiden Ministerinnen. Ist auch gut gelaufen. Alle Fragen konnten während der Liveübertragung nicht beantwortet werden. Aber am Schluss ist noch angekündigt worden, dass man auf die offenen Fragen noch eingehen wird.
Wäre schön, wenn das zeitnah erfolgen könnte. Folgende Fragen von mir wurden noch nicht beantwortet:
Wie sollen denn die Dualen Systeme Anreize für weniger Verpackungen in ihre Lizenzgebühren aufnehmen? Wenn ein System teurer wird, wechselt man zum nächsten. Wie steht es mit den Preisdiktaten der Handelskonzerne, da kommen sachfremde Leistungen in die Kalkulation rein – Wettbewerbsökonomen wie Justus Haucap sprechen in diesem Zusammenhang von der Ölflecktheorie. Über die Nachfragemacht der Handelskonzerne gehen die Preissignale beim Recycling ins Leere. Ökologisch ehrliche Preise werden vom Handel blockiert. Die Preisstaffeln der Dualen Systeme für 2019 müssten eigentlich schon vorliegen. Wie werden die ökologische Impulse in den Preisstaffeln gesetzt?
Wie beurteilt die Umweltministerin die Übernahme des DSD durch Remondis? Wie wird das BMU das Kickback-Verbot des Verpackungsgesetzes vollziehen? Gibt es schon Indizien für Kickback-Zahlungen? Warum hat der Gesetzgeber dieses Verbot überhaupt aufgenommen?
Bleibt die Kickback-Problematik beim Recycling auch im nächsten Jahr auf der Tagesordnung? Mir liegen zwei Handelsverträge vor, die dazu Indizien liefern. Was sagen die Experten? Wie wird Paragraf 7 des Verpackungsgesetzes umgesetzt? Wer wird kontrollieren, ob das Kickback-Verbot beachtet wird? Eine Story ist dazu in der Pipeline. Brauche noch O-Töne. Gibt es auch Möglichkeiten für Liveinterviews via Skype?
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Diese Problematik ist nicht nur wettbewerbspolitisch wichtig. Es geht auch um die ökologisch ehrlichen Preise beim Verpackungsrecycling. Welche Preissignale kommen bei den Herstellern an und welche Kriterien spielen dabei wirklich eine Rolle? Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap verweist im ichsagmal.com-Gespräch auf die „Vereinbarungen“ zwischen Handel und Industrie, die in den Herbstgesprächen getroffen werden. Da werfen die Händler bekanntlich ihre Nachfragemacht in die Waagschale und setzen mehrteilige Tarife durch von Regalmieten über Werbekostenzuschüsse bis zu Zahlungskonditionen. Für das Bundeskartellamt sei das nur schwer überprüfbar.
Gleiches gilt für den Vorwurf in Richtung Handel bei Kickback-Regelungen, die das neue Verpackungsgesetz verbietet: Inhalt von Paragraf 7 Absatz 6 des Verpackungsgesetzes im Wortlaut: Es ist Systembetreibern (also den Dualen Systemen, die Gelbe Tonnen und Säcke entsorgen, gs) nicht gestattet, Vertreibern (also den Handelsunternehmen, gs) ein Entgelt oder sonstige wirtschaftliche Vorteile für den Fall zu versprechen oder zu gewähren, dass die Vertreiber Hersteller von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen (also den Verkaufsverpackungen, die in unseren Tonnen und Säcken landen, gs) an ihr System vermitteln.
Handelskonzerne schließen nach Informationen von Insidern schon jetzt für rund 50 Prozent der Verpackungen Verträge mit „ausgewählten“ Dualen Systemen ab und „überreden“ dann weitere Hersteller/Lieferanten, Verträge mit diesem System abzuschließen. Für die wettbewerbspolitische Regulierung dieses Problems würde die Ölfleck-Theorie gelten, so Haucap.
„So richtig sauber bekommt man das nicht hin. Man verschmiert nur den Ölfleck.“
Ob die Gremien der Zentralen Stelle den Kickback-Ölfleck beseitigen, darf bezweifelt werden.
Die Übergangsregelung des Verpackungsgesetzes für Abstimmungsvereinbarungen zwischen Kommunen und dualen Systemen ist umstritten. Nun hat das BMU in einem Schreiben an die Bundesländer seine Auffassung vom Sommer 2017 korrigiert. https://t.co/rWiO8gF0JO
Deutschland als selbsternannter „Recycling-Weltmeister“ ist Europas Schlusslicht bei der Abfallvermeidung.
Was bringt das neue Verpackungsgesetz?
Über weitere Insider-Infos würde ich mich freuen 🙂
„Verpackungen haben grundsätzlich eine wichtige Schutzfunktion, aber in Punkto Vermeidung und Verwertung gibt es noch deutliches Verbesserungspotenzial“, betont Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister.
Die Entsorgung nicht- oder schlecht-recycelbarer Verpackungen müsse künftig mehr Geld kosten. Verpackungen, die hingegen in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden können und aus denen wieder neue Produkte und Verpackungen entstehen, will man besser stellen.
„Danach gilt etwa ein Joghurtbecher aus Plastik, der mit Pappe umhüllt und mit Alu verschlossen ist, in Zukunft als ‚geringfügig recycelbar‘. Denn wenn sich Verbraucher nicht die Mühe machen, die Pappe abzureißen und als Papiermüll zu entsorgen, muss die Sortieranlage kapitulieren. Sie erkennt den Kunststoff nicht. Auch große Etiketten oder schwarze Kunststoffe überfordern die Sensoren der Anlage. Eine ungefärbte, weiße Waschmittelflasche dagegen gilt als hochgradig recycelbar – und wäre damit günstiger. Weil die Hersteller den Preis für das Recycling auch auf den des Produktes aufschlagen müssen, könnte sich die neue Staffelung auch auf die Nachfrage auswirken. Mit Köpfchen verpackte Dinge werden so günstiger“, schreibt die SZ.
Das werde ein qualitativer Sprung, glaubt Rachut. Durch den finanziellen Anreiz amortisiere es sich auch schneller, auf bessere Verpackungen umzustellen.
Soweit die sehr löbliche Theorie. Nur welche Preissignale kommen bei den Herstellern an und welche Kriterien spielen dabei wirklich eine Rolle? Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap verweist im ichsagmal.com-Gespräch auf die „Vereinbarungen“ zwischen Handel und Industrie, die in den Herbstgesprächen getroffen werden. Da werfen die Händler bekanntlich ihre Nachfragemacht in die Waagschale und setzen mehrteilige Tarife durch von Regalmieten über Werbekostenzuschüsse bis zu Zahlungskonditionen. Für das Bundeskartellamt sei das nur schwer überprüfbar.
Gleiches gilt für den Vorwurf in Richtung Handel bei Kickback-Regelungen, die das neue Verpackungsgesetz verbietet: Inhalt von Paragraf 7 Absatz 6 des Verpackungsgesetzes im Wortlaut: Es ist Systembetreibern (also den Dualen Systemen, die Gelbe Tonnen und Säcke entsorgen, gs) nicht gestattet, Vertreibern (also den Handelsunternehmen, gs) ein Entgelt oder sonstige wirtschaftliche Vorteile für den Fall zu versprechen oder zu gewähren, dass die Vertreiber Hersteller von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen (also den Verkaufsverpackungen, die in unseren Tonnen und Säcken landen, gs) an ihr System vermitteln.
Handelskonzerne schließen nach Informationen von Insidern schon jetzt für rund 50 Prozent der Verpackungen Verträge mit „ausgewählten“ Dualen Systemen ab und „überreden“ dann weitere Hersteller/Lieferanten, Verträge mit diesem System abzuschließen. Für die wettbewerbspolitische Regulierung dieses Problems würde die Ölfleck-Theorie gelten, so Haucap.
„So richtig sauber bekommt man das nicht hin. Man verschmiert nur den Ölfleck.“
Ob die Gremien der Zentralen Stelle den Kickback-Ölfleck beseitigen, darf bezweifelt werden.
Als Anfang des Jahres mit ELS zum ersten Mal ein Duales System Insolvenz anmeldete, sollte es der Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß retten:
„Was macht ihr? Wie läuft es? Wie verdient ihr Geld? Am ersten Tag bei einem neuen Unternehmen stellt Weiß immer dieselben drei Fragen. Normalerweise hat er dann einen Überblick. Nicht bei ELS. Am Abend sitzt er zu Hause und grübelt, wie die Dualen Systeme Gewinne erwirtschaften“, schreibt die Wirtschaftswoche.
Und da geht wohl einiges schief. Jedenfalls seien es teilweise hochdefizitäre Verträge, so Weiß.
„Der Anteil an den Kosten berechnet sich nach den Marktanteilen. Bei insgesamt 800 Millionen Euro Kosten im Jahr fällt jeder Prozentpunkt ins Gewicht. Einige Duale Systeme rechneten deshalb absichtlich ihren Marktanteil klein“, so die Wiwo.
Und das Spektakel wiederholt sich nun seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit. Gleiches gilt für die Problematik der Trittbrettfahrer – also Firmen, die sich nicht an den Kosten der Sammlung, Sortierung und Verwertung der Verpackungen beteiligen. Weiteres Problem: Die Kalkulation der Entsorgungskosten nach Materialien – von Alu bis Plastik – entfaltet keine Anreize zur Reduktion von Verpackungsmaterial. Auch dieses Lied trällert die Branche seit den 1990er Jahren.
Nach dem ab dem 1. Januar 2019 geltenden neuen Verpackungsgesetz sollen die Systeme die Händler belohnen, deren Verpackungen besonders gut recycelbar sind. „Doch wie die finanziellen Anreize für solche Bemühungen genau aussehen, das ist bisher unklar“, schreibt die Wirtschaftswoche und zitiert Gunda Rachut von der Zentralen Stelle:
„Es soll einen Bonus für gut verwertbare Verpackungen geben.“
Aber wo landet dieser Bonus? Wer sich den aktuellen Streit zwischen Herstellern und Handelskonzernen anschaut, zweifelt an der Aussagekraft der Lizenzentgelte für das System der Gelben Tonnen und Säcke. Das Verpackungsgesetz würde sich zur Goldgrube für die Händler entwickeln. Mit diesen Worten zitiert die FAZ Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes.
„Immer wieder werden Vorwürfe laut, dass große Handelsunternehmen Lieferanten dazu zwingen, ihre Mengen zu überhöhten Preisen bei einem vom Handel vorgegebenen dualen System anzumelden. Angeblich winken den Handelsunternehmen dafür Rückzahlungen und Rabatte für ihre Eigenmarken und andere Mengen, die sie selbst anmelden“, so die FAZ. Daraus könnte sich ein Fall für das Bundeskartellamt entwickeln, vermutet Bünder.
Der Markenverband erwäge, die Wettbewerbsaufsicht einzuschalten. In dem Schreiben heißt es konkret:
„In diesem Kontext liegen dem Markenverband Informationen über neuerliche Handelsanforderungen zur Lizenzierung über benannte duale Systeme vor, die fragwürdig erscheinen. Um uns ein besseres Bild über Umfang und Stoßrichtung derartiger Anforderungen machen und dies gegebenenfalls gegenüber den Betroffenen und/oder dem Bundeskartellamt aufgreifen zu können, bitten wir Sie, den beigefügten Fragebogen ausgefüllt bis zum 27.07.2018 zurückzusenden.“
Auch das wirft einen langen Schatten auf die Recyclingwirtschaft. Anschreiben und Fragebogen des Markenverbandes liegen mir übrigens vor. Ich werde Euch informieren, wenn Ergebnisse der Umfrage im „Umlauf“ sind.
Deutschlands größter Entsorger Remondis will den Grünen Punkt – was ja nichts Neues ist. Die Übernahme der DSD-Holding durch den Konzern aus Lünen wird seit Längerem erwartet. Vorige Woche fiel beim Unternehmen der Rethmann-Gruppe die Entscheidung, dem Kauf von DSD näherzutreten, wie der Fachdienst EUWID aus Branchenkreisen erfuhr.
„Ob die beiden Hauptgesellschafter HIG Capital und Bluebay, die zusammen 80 Prozent an DSD halten, ein Angebot aus Lünen inzwischen akzeptiert haben, ist bislang nicht bekannt. Weder Remondis noch DSD wollten sich auf Anfrage zum Thema äußern“, schreibt Euwid.
Remondis hatte nach Euwid-Informationen im vergangenen Sommer ein nachgebessertes Angebot über 150 Millionen Euro vorgelegt, danach waren die Verhandlungen von Remondis aufgrund unterschiedlichen Vorstellungen über den Kaufpreis auf Eis gelegt worden.
„Spekulationen, nach denen Remondis aus kartellrechtlichen Gründen nicht die komplette DSD-Gruppe übernehme und die Kunststoffrecyclingsparte des Grünen Punkts anderweitig verkauft werde, dürften Branchenbeobachtern zufolge aus der Luft gegriffen sein“, erläutert Euwid.
Größtes Hindernis für die geplante Übernahme werde vermutlich die kartellrechtliche Prüfung sein. DSD habe aktuell einen Marktanteil von rund 35 Prozent bei der haushaltsnahen Verpackungsentsorgung, Remondis ist mit rund 6,5 Milliarden Umsatz das mit Abstand größte Entsorgungsunternehmen in Deutschland. Weil fast nur der deutsche Markt betroffen sei, dürfte voraussichtlich das Bundeskartellamt und nicht die zuständige EU-Behörde das Verfahren an sich ziehen.
Wettbewerbspolitisch wird dieses Vorhaben kritisch gesehen. Schon jetzt würde Remondis rund 25 Prozent der Abfallsammlung via Gelbe Tonnen und Säcke dominieren, moniert bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock. Werde das DSD gekauft, käme noch eine weitere Dominanz bei Sortierung und Recycling dazu.
“Dann hat das nichts mehr mit Wettbewerb zu tun.“
Ähnlich kritisch sieht das der Wettbewerbsökonom Justus Haucap:
Gespräch mit Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer vom bvse
Erfrischend unkompliziertes Interview mit Eric Rehbock, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) – die Stimme des Mittelstandes in der Recyclingwirtschaft. Abstimmung des Termins lief prima. Großer Dank an den Pressesprecher Jörg Lacher.
Hier die Variante auf YouTube – nicht jeder mag Facebook 😉
Gespräch hat Nachrichtenwert! Ausführlicher Bericht folgt.
Henning Krumrey hat 27 Jahre als politischer Journalist gearbeitet, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur der Wirtschaftswoche. Nun ist er Kommunikationschef der Alba Group, so das prmagazin in der Titelstory im Januar.
„Wenn man mit Krumrey über Themen der Umweltpolitik spricht, dann scheint der akribische Rechercheur auf, der sich tief in ein Thema einarbeitet“, schreibt prmagazin.Autor David Selbach.
Mittlerweile beherrscht er wohl auch schon das Abfall-ABC: „Inverkehrbringer“, „intelligenter Fehlwurf“ und „stoffgleiche Nichtverpackungen“.
„Krumrey kennt sich aus – und weiß: ‚Die Branche lebt von wunderbaren Begriffen.‘ Kein Zweifel: Der ehemalige Politikjournalist beschäftigt sich gern mit der Gesetzgebung, Verordnungen und politischen Grabenkämpfen, auch wenn in seiner Abteilung ein Mitarbeiter eigens für politische Kommunikation abgestellt ist“, erläutert Selbach.
Ende April 2015 schied Krumrey bei der WiWo aus, nach 27 Jahren als Journalist. Gut ein halbes Jahr später fing er bei ALBA an.
„In der Branche munkeln viele, dass er sich mit der im Oktober 2014 angetretenen Chefredakteurin Miriam Meckel überworfen habe. Krumrey erzählt eine andere Geschichte. Seine ALBA-Vorgängerin Verena Köttker habe sich selbstständig machen wollen, deshalb hätten die Firmeninhaber Axel und Eric Schweitzer einen Nachfolger gesucht – und Krumrey gefragt, ob er den Job wolle. ‚Ich kannte beide schon länger‘, sagt Krumrey. Eric durch sein Engagement als Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer und später des DIHK, Axel von mehreren Delegationsreisen nach Asien. Dass er auch seine Vorgängerin Köttker schon kannte, nämlich aus seiner Zeit im Focus-Hauptstadtbüro, sei dagegen ‚reiner Zufall‘ gewesen, betont Krumrey.“
Aber wie offen kommuniziert Krumrey? Übergriffige Abstimmungsarien soll es angeblich nicht mehr geben. Auch furchtbare PR-Floskeln sind wohl nicht mehr das große Problem. Meine Erfahrungen waren bislang nicht so prickelnd.
Das Gespräch kam dann zustande. Die Antworten brachten allerdings keine Klarheit: Zu Preisen und Kundenbeziehungen werde nichts gesagt. Das sei ein reines Handelsthema. Was diese Unternehmen mit den Vertragspartnern machen, entzieht sich den Kenntnissen des Entsorgers. Ob das Alba-Tochterunternehmen Interseroh für Rewe und Lidl tätig sei, wurde ebenfalls nicht beantwortet. Ich sollte doch beim Handel anrufen. Mein Hinweis auf den mir vorliegenden Vertrag fruchtete nicht. Dort steht doch, dass die Lieferanten den Handelskonzern bevollmächtigen, einen Vertrag über die Beteiligung am Dualen System XY abzuschließen. Unter dem Punkt Vergütung ist dann zu lesen: Folgende Preise gelten für die Beteiligung am Dualen System XY als vereinbart:
Diese Preise sind also vom Handelskonzern mit dem Entsorger vereinbart worden und gelten auch für jene Konsumgüterunternehmen, die dem Handelskonzern die Bevollmächtigung für die so genannte Handelslizenzierung erteilt haben. Das ist also kein reines Handelsthema. Diese Preise fürs Verpackungsrecycling werden von den Lieferanten bezahlt – am Ende der Kette sind es dann die Verbraucherinnen und Verbraucher, die das bei ihren Einkäufen in Supermärkten finanzieren müssen. Die Kritik der Industrie an diesem Verfahren ist Henning Krumrey übrigens bekannt. Das bestätigte er mir in dem Telefonat.
Er hätte mir eigentlich direkt auf Facebook antworten können, dass er zu diesen Vertragsbeziehungen nichts sagt. Das Gespräch war reine Zeitverschwendung.
Dafür gibt es morgen ein spannendes Live-Interview:
Interventionen auf Facebook sind zwecklos. Wir haben das Interview als Konserve auf dem Rechner – also nach der Liveübertragung. Die Software macht das für uns 🙂
Es gab mal eine Zeit, da war es überhaupt nicht schwierig, Daten und Fakten über das Verpackungsrecycling in Deutschland zu recherchieren. Sammelmenge, Sortiermenge, Preis pro Tonne – all das wurde fein säuberlich nach Materialien gegliedert und jedes Jahr in hübschen Infografiken veröffentlicht. Wenn man wollte, wurde das sogar auf Basis von Landkreisen und kreisfreien Städten runter gerechnet. Ein Service, der vor allem von Lokalmedien sehr geschätzt wurde. Schließlich wollen die Bürgerinnen und Bürger wissen, was mit dem Verpackungsabfall passiert, der jeden Monat mühsam über Gelbe Tonnen und Säcke, Glascontainer und Blaue Tonnen getrennt gesammelt und von Entsorgungsfirmen abtransportiert wird. Diese Zeiten scheinen der Vergangenheit anzugehören:
„Aber Herr Sohn, was recherchieren sie da? Das wird ihnen keiner mehr sagen“, so die Aussage eines Verbandsvertreters.
Besonders die Handelslizenzierung sei ein Buch mit sieben Siegeln, selbst für die Branchenverbände der Konsumgüterindustrie. Auf den Hinweis, dass mir der Entsorgungsvertrag eines großen Handelskonzerns vorliegt und es ja zumindest möglich sei, diese Preise für die Beteiligung an einem Dualen System mit den realen Marktpreisen abzugleichen, erwidert der Verbandsmann, dass ich da mehr wüsste als er.
„Mal eine Frage an Henning Krumrey, wo es im Artikel des PR-Magazin (dort ist er in der Januar-Ausgabe porträtiert worden) auch um Clearingverträge etc. geht. Zahlt eigentlich Alba über das Tochterunternehmen Interseroh als Duales System auch Kickback-Leistungen an Handelskonzerne??? Welche Preisstaffel legt Interseroh beim Verpackungsrecycling zugrunde?“
Die Antwort von Krumrey stimmte mich hoffnungsfroh, auch wenn sie in der Tonlage streng war:
„Lieber Herr Sohn, rufen Sie mich doch einfach an, statt Fragen zu posten, zu denen Sie sich dann nicht melden.“
Meine Antwort:
„Henning Krumrey das werde ich tun. Anfang der Woche war ich unterwegs. Die Fragen gehen eh an die Öffentlichkeit, ist ja kein Staatsgeheimnis.“
Das Gespräch kam dann zustande. Die Antworten brachten allerdings keine Klarheit: Zu Preisen und Kundenbeziehungen werde nichts gesagt. Das sei ein reines Handelsthema. Was diese Unternehmen mit den Vertragspartnern machen, entzieht sich den Kenntnissen des Entsorgers. Ob das Alba-Tochterunternehmen Interseroh für Rewe und Lidl tätig sei, wurde ebenfalls nicht beantwortet. Ich sollte doch beim Handel anrufen. Mein Hinweis auf den mir vorliegenden Vertrag fruchtete nicht. Dort steht doch, dass die Lieferanten den Handelskonzern bevollmächtigen, einen Vertrag über die Beteiligung am Dualen System XY abzuschließen. Unter dem Punkt Vergütung ist dann zu lesen: Folgende Preise gelten für die Beteiligung am Dualen System XY als vereinbart:
Diese Preise sind also vom Handelskonzern mit dem Entsorger vereinbart worden und gelten auch für jene Konsumgüterunternehmen, die dem Handelskonzern die Bevollmächtigung für die so genannte Handelslizenzierung erteilt haben. Das ist also kein reines Handelsthema. Diese Preise fürs Verpackungsrecycling werden von den Lieferanten bezahlt – am Ende der Kette sind es dann die Verbraucherinnen und Verbraucher, die das bei ihren Einkäufen in Supermärkten finanzieren müssen. Die Kritik der Industrie an diesem Verfahren ist Henning Krumrey übrigens bekannt. Das bestätigte er mir in dem Telefonat.
Der Milchindustrieverband hat diese Kritik auch unmissverständlich formuliert:
„Schon jetzt betrifft die Handelslizenzierung rund 50 Prozent des Marktes. Sie stellt keinen Ausnahmetatbestand mehr dar und stellt den Markt für die Verpackungsentsorgung vor umfangreiche wettbewerbliche Probleme, da im Rahmen der Handelslizenzierung nur einige wenige Handelsunternehmen die Verpackungsentsorgung nachfragen und dies auch nur bei einigen wenigen Dualen Systemen. Regelmäßig erfolgt die Handelslizenzierung derzeit zu überhöhten Preisen. Diese werden letztlich von den Herstellern gegenüber den jeweiligen Dualen Systemen, die die Handelslizenzierung betreiben, getragen.“
Wie hoch sind denn nun die überhöhten Preise? Da habe ich mir einen kleinen Überblick auf Basis der Tonnage verschafft.
Hier nur einige Beispiele:
Preis für das Verpackungsrecycling im Wege der Handelslizenzierung für Pappe, Papier, Karton: 175 Euro pro Tonne.
Der Marktpreis liegt nur bei rund 70 Euro pro Tonne.
Alu-Preis via Handelslizenzierung: 733 Euro pro Tonne.
Marktpreis liegt bei 460 Euro pro Tonne.
Kunststoff: Über die Handelslizenzierung müssen 1296 Euro gezahlt werden. Der Marktpreise liegt bei 500 Euro.
Kartonverbunde (vor allem Milch und Säfte): Über die Handelslizenzierung müssen 752 Euro pro Tonne auf den Tisch gelegt werden. Der Marktpreis liegt bei 500 bis 600 Euro.
Bei allen Materialfraktionen gibt es also ein kräftiges Delta. Die Kritik des Milchindustrieverbandes scheint zu stimmen. Was passiert nun mit diesem Delta? Das habe ich die Pressestelle von Lidl gefragt:
„Nach meinen Recherchen liegen die Preise für die Beteiligung an einem Dualen System bei den Leichtverpackungen deutlich über den Marktpreisen.
Beispiel Kunststoff: Da werden knapp 1.300 Euro pro Tonne verlangt. Der Marktpreis liegt aber nur bei 500 bis 600 Euro pro Tonne. Wie kommt die Differenz zustande?“
Antwort von Lidl zum gesamten Fragenkatalog:
„Sehr geehrter Herr Sohn, vielen Dank für Ihre Anfrage. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zu Vertragspartnern äußern.“
Man kommt nicht weiter in der Kreislaufwirtschaft. Jeder, der sich die Statistiken über das Verpackungsrecycling anschaut – also die Verwertungsmengen, kann ja mal den Rechner anwerfen und kalkulieren, wie hoch das von mir aufgeführte Delta wirklich ist. Wäre doch eine nette Aufgabe für das Bundeskartellamt.
Der Einspieler passt wohl einigen Zeitgenossen des müll-monopolistischen Lagers nicht. Es wird zur Zeit versucht, die Ausstrahlung auf Facebook und YT zu torpedieren. Liebwerteste Müll-Gichtlinge, ein hoffnungsloses Unterfangen (schaut auf die Views):