BUFI 2024: Rekordausgaben für Wehrforschung, Innovationspotenziale ungenutzt

Der alle zwei Jahre erscheinende „Bundesbericht Forschung und Innovation“ (BUFI) gilt als eine der bedeutendsten Publikationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). In diesem Jahr wurde der Bericht zum ersten Mal nicht in einer Pressekonferenz präsentiert. Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind deutlich spürbar: Ein nahezu vollständiges Ausbleiben von Medienberichten über den BUFI lässt die Bedeutung der deutschen Forschungspolitik in der öffentlichen Wahrnehmung schwinden. Dies könnte auf lange Sicht zu einer Abwärtsspirale führen, in der das BMBF das Interesse an der Pressearbeit verliert und die Medien wiederum die Forschungspolitik weitgehend ignorieren – eine beunruhigende Entwicklung, moniert Manfred Ronzheimer auf Facebook.

Wehrwissenschaftliche Forschung auf dem Vormarsch

Der aktuelle Bericht zeigt eine bemerkenswerte Steigerung der Ausgaben in der wehrwissenschaftlichen Forschung. Zwischen 2017 und 2022 verdoppelten sich die Ausgaben von 1,1 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden Euro. Dies stellt den größten Anstieg in allen Forschungsbereichen dar. Während die Gesundheitsforschung weiterhin mit 3,3 Milliarden Euro an der Spitze rangiert, gefolgt von der Luft- und Raumfahrtforschung mit 2,2 Milliarden Euro, ist das Wachstum in der wehrwissenschaftlichen Forschung besonders auffällig.

Entwicklung in anderen Forschungsbereichen

Die Klima- und Umweltforschung konnte seit 2020 eine leichte Zunahme der Bundesausgaben verzeichnen, von 1,6 auf 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2023. Dagegen mussten Bereiche wie die Bioökonomie und die Fusionsforschung finanzielle Einbußen hinnehmen. Die Ausgaben für die Bioökonomie sanken von 308 auf 256 Millionen Euro, während die Fusionsforschung von 40 auf 35 Millionen Euro reduziert wurde.

Gesamtinvestitionen und Strukturprobleme

Insgesamt investierten die Bundesministerien 2021 rund 21,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE), während die Länder 15,6 Milliarden Euro beisteuerten. Der größte Beitrag kam jedoch aus der Wirtschaft, die 75,7 Milliarden Euro für FuE aufbrachte. Besonders die Automobilindustrie sticht hier hervor, mit Investitionen von 28,7 Milliarden Euro in 2022, verglichen mit 17,3 Milliarden Euro in 2012. Trotz dieser hohen Investitionen verlieren die deutschen Autohersteller weiter an Marktanteilen.

Niedrigere Investitionen flossen in den Bereichen Datenverarbeitung und Elektronik, wo 2020 lediglich 12,8 Milliarden Euro aufgewendet wurden. Diese Zahlen spiegeln wider, warum Deutschland im Bereich der Digitalisierung hinterherhinkt.

Weitere kritische Entwicklungen

Ein genauerer Blick auf den BUFI-Bericht offenbart weitere problematische Entwicklungen. Der Frauenanteil in Vollzeitstellen im Forschungssystem sank von 19,3 Prozent im Jahr 2011 auf 18,9 Prozent im Jahr 2021. Auch die Zahl der Absolventen in den MINT-Fächern stagniert seit Jahren bei etwa 101.000 (2022). Besonders bedenklich ist die Situation bei den Firmengründungen in der Wissenswirtschaft. 2022 wurden nur 940 Unternehmen in der Spitzentechnologie und der hochwertigen Technologie gegründet, was lediglich 2,6 Prozent aller Neugründungen entspricht. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 3,7 Prozent.

Digitalisierung und interaktive Plattformen

Erstmals wurde der BUFI-Bericht als rein digitales Produkt veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit der internen Serviceabteilung IKT-Softwareentwicklung des DLR Projektträgers wurde eine nutzerzentrierte, interaktive und vernetzte Informationsplattform geschaffen. Diese umfasst eine kartengestützte Datenbank deutscher Wissenschaftseinrichtungen sowie interaktive Grafiken und Diagramme, die einen umfassenden Überblick über die Forschungs- und Innovationspolitik der Bundesländer bieten.

Zukunftsstrategie und Souveränität

Der BUFI-Bericht orientiert sich an der Zukunftsstrategie Forschung und Innovation, mit der die Bundesregierung ihre Fördermaßnahmen in zentralen Zukunftsfeldern strategisch neu ausrichtet. Vorläufige Berechnungen zeigen, dass Staat, Wirtschaft und Hochschulen 2022 insgesamt 121,4 Milliarden Euro in FuE investierten, was einer FuE-Quote von 3,13 Prozent entspricht. Mit rund 785.000 Personen waren 2022 so viele Menschen wie nie zuvor in FuE beschäftigt.

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