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Zivilgesellschaft bei der Nationalen Bildungsplattform nicht zum Zaungast degradieren: Wikimedia-Deutschland-Studie bringt User-Rat in Spiel

„Die Nationale Bildungsplattform (NBP) lässt in ihrer aktuellen Konzeption jegliche Planung von Governance-Prozessen vermissen. Diese Leerstelle ist bemerkenswert angesichts des weitreichenden Einflusses, den Governance auf die Art und Weise der Plattformnutzung haben wird. Es ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass die politische Relevanz der Plattform bei den Projektbeteiligten bislang nicht wirklich gesehen wird“, kritisieren Michael Seemann, Felicitas Macgilchrist, Christoph Richter, Heidrun Allert und Jürgen Geuter in einer Studie von Wikimedia Deutschland.

„Die wesentlichen infrastrukturellen Pfadentscheidungen standen so gut wie alle vor Projektbeginn fest. Einige der verarbeiteten Konzepte waren bereits als Schnittstellen in verwandten Projekten verwendet worden, einige Praktiken gelten derzeit im IT-Bereich als ‚Best Practice‘, und eine unerwartet große Anzahl an Lösungen lag bereits fertig vor. Sie alle wurden aus rein technisch-pragmatischen Gründen in die NBP integriert, ohne dass zuvor die Frage gestellt wurde, welche Art von Bildung hier reproduziert wird.

Grundlage einer demokratischen Governancestruktur könnte ein „Userrat“ sein. Er würde die Rolle eines Parlaments einnehmen, das als oberstes Entscheidungsgremium an allen wesentlichen Fragen beteiligt wird und damit letztlich auch die Legitimation aller Entscheidungen herbeiführt. Das sollten in erster Linie Lernende und Lehrende aus den verschiedenen Bildungsinstitutionen sein, wobei hier nach Art der Bildungsinstitution unterschieden werden sollte, da sich dadurch teils unterschiedliche Perspektiven und Interessenlagen ergeben.

Es sollten möglichst Mittelspersonen aus allen Domänen wie Hochschulen, Universitäten, Grundschulen, Gymnasien und Realschulen, Berufsschulen aber auch Volkshochschulen sowie Aktive aus dem Bereich der informellen und non-formalen Bildung vertreten sein. „Auch Bildungsanbietende sowie Mittelspersonen der Bildungsinstitutionen und andere Interessenvertretende sollten einen Platz im User- rat haben. Die jeweiligen Proportionalitäten sollten so verteilt sein, dass diejenigen Interessengruppen, die am stärksten auf die NBP angewiesen sind, auch die größte Vertretung bekommen.“

Wie so etwas funktionieren kann, zeigt die Internet-Regulierung.

Dinge, die das öffentliche Interesse tangieren, sollten auch öffentlich besprochen werden. Das hat der Internet-Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter im Zusammenhang mit Handelsabkommen gefordert. „Wer die Zivilgesellschaft zum Zaungast degradiert, fördert Ressentiments und radikale Gruppierungen.“

Gefragt sei eine kollaborative, transparente und durchlässige Entscheidungsfindung in Gremien wie ICANN. Fie Organisation koordiniert die Vergabe einmaliger Namen und Adressen im Internet. An deren Treffen könne jeder teilnehmen und seine Meinung äußern. „Demokratie bei ICANN fängt damit an, dass jedes Meeting und jede wichtige Session gestreamt werden. Jede Sitzung wird transkribiert. Jeder kann nachlesen, was Teilnehmer wortwörtlich gesagt haben. Es gibt Diskussionsforen, bei denen man sich einklinken kann. Man wird rechtzeitig eingeladen. Es gibt Fristen, die eingehalten werden müssen.“

Eine weitere Möglichkeit, Verkrustungen des Userrates entgegenzutreten und die Repräsentanz der Nutzenden nachhaltig lebendig zu halten, wäre, statt auf Wahlen auf das Losverfahren zu setzen, Ratsteilnehmenden eine Entschädigung zu zahlen und die Mandate zeitlich zu begrenzen.

„Dem Userrat könnten dann verschiedene Referate gegenüberstehen, die jeweils Exekutivfunktionen übernehmen. Die Referate sollten aus Fachpersonen und Spezialisierten bestehen, die auf Zeit benannt werden. Sie könnten vom Plattformbetreiber oder von den bisherigen Referatsmitgliedern vorgeschlagen, müssten aber jeweils vom Userrat bestätigt werden“, schreiben die Autoren der Wikimedia-Studie.

Auf der re:publica haben wir uns ja mit diesem Thema beschäftigt und auch bei der Vorstellung der Bildungsplattform mit Merkel und Co.

„Daten gelten als eine der wichtigsten Ressourcen und wir brauchen Data Literacy, damit aus ihnen etwas Gutes entsteht“, so Katharina Schüller (STAT-UP) im DigitalXStudio. „Es war eine große Herausforderung, ein so komplexes Konstrukt wie die Schlüsselkompetenz Data Literacy möglichst umfassend abzubilden, ohne damit die Nutzerinnen und Nutzer zu überfordern.“

Wichtig seien dabei die Leitfragen: „Wie lernt man aus Daten?“ oder „Was bedeuten Informationen im Kontext?“. Zudem gehe es um ein kritisches Bewusstsein im Umgang mit Daten. Zudem gehe das Curriculum auf verschiedene Treiber und Technologien der Digitalisierung ein, wie Künstliche Intelligenz oder Big Data, und Lektionen auf einer Grundstufe für Protagonisten mit oder ohne Vorkenntnisse.

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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