Zitronensymphonie – Wie die deutsche Autoindustrie sich selbst auspresst


Ja, es ist tragisch. Geradezu herzzerreißend. Die Manager der deutschen Autokonzerne – diese selbsternannten Titanen des Fortschritts – erheben ihre Stimmen. Krokodilstränen tropfen von den Chefetagen hinab, sie warnen vor der „De-Industrialisierung“, vor der „Abwanderung“ unserer heiligen Wirtschaftsgötter. Besonders die Autokonzerne jammern in orchestraler Harmonie, als stünde der Untergang der Zivilisation bevor.

Und natürlich sind wir Schuld. Wir Steuerzahlenden. Wir, die wir uns weigern, ihre Managementfehler mit Milliarden zu sanieren. Wir, die wir es wagen, Innovation statt Nostalgie zu fordern. Wir, die wir so unverschämt sind, einen Wandel zu erwarten, während sie verzweifelt ihre Diesel-Dinosaurier durch die Straßen schieben.

Zitronenlogik: Erst auspressen, dann jammern

Es begann, wie alle Tragödien beginnen, mit einem Helden. José Ignacio López de Arriortúa, der „Kostenkiller“, der die Kunst des Auspressens perfektionierte. Zulieferer? Ausbluten lassen. Innovation? Egal. Hauptsache, die Bilanz stimmt. „Working together to win“, verkündete López – ironisch, denn das „Win“ war immer einseitig.

Aber das war ja nur der Anfang. Die Zitronenstrategie wurde zum Dogma. Erst pressten sie die Zulieferer, dann die Arbeitsplätze, dann die Zukunft. Und jetzt? Jetzt drücken sie uns die letzten Reste Verantwortung in die Hände, wie einen schimmeligen Lappen, und erwarten, dass wir dankbar nicken.

Die verschlafene Revolution

Während internationale Konkurrenten sich ein digitales Imperium bauen, haben die deutschen Manager den Fortschritt konsequent verschlafen. Elektromobilität? Ach, das ist so ein Start-up-Hype, sagte man. Und dann kam der Dieselskandal. Ups! Ein kleiner Fauxpas, kein Grund zur Panik. Doch während Tesla Börsenwerte explodieren ließ, feilte man in Wolfsburg an neuen Abgasillusionen.

Der ehemalige VW-Chef Müller und seine testosterongesteuerte Garde hatten andere Prioritäten: ein bisschen mehr PS, ein paar Chromdetails, der Traum vom perfekten Zwölfzylinder. Software? Irrelevant. Vernetzung? Lächerlich. Und jetzt wundern sie sich, warum ihre Autos niemand mehr will.

Subventionen für die Vergangenheit

Jetzt, da der Markt sie für ihre Fehler abstraft, stehen sie vor der Politik und betteln. Subventionen für E-Autos! Abwrackprämien! Bitte, bitte, gebt uns noch eine Chance! Aber lassen wir uns nicht täuschen. Es geht nicht um Innovation, es geht nicht um Zukunft. Es geht darum, Altstrukturen am Leben zu halten, koste es, was es wolle – uns Steuerzahlenden, versteht sich.

„Managementfehler bestraft der Markt“, heißt es. Doch die Autoindustrie hat offenbar ein Sonderrecht auf Schonung. Überbezahlte Manager erwarten, dass wir ihre Fehler ausbügeln, während sie weiter Bonuszahlungen kassieren. „Innovationsförderung“ nennen sie das. In Wirklichkeit ist es nichts anderes als die Finanzierung ihrer Nostalgie.

Und jetzt?

Was bleibt, ist eine leere Presse. Die Zitronen sind ausgedrückt, der Saft längst verdampft. Was wir brauchen, sind keine Rettungspakete für fossil denkende Fossilien. Wir brauchen radikale Ideen, mutige Innovationen und eine Politik, die sich nicht länger von drohenden Untergangsszenarien erpressen lässt.

Vielleicht ist es Zeit, den Konzerneulen der Gestern-Industrie einfach mal zuzurufen: Danke, das war’s.

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