Zur Einstimmung auf den heutigen Medientag der Hochschule Fresenius in Köln mit @VBanholzer @kraft_bpb und dem @ENC_Vienna

Materialsammlung für den Workshop:

Statement von Bettina Blass aka @kuechenzuruf – Bildungsreferentin des DJV-NRW, Wirtschaft-verstehen-Bloggerin.

„Der Journalismus ist so schon ok – mit Recherche und Quellenprüfung, Sorgfaltspflicht, Objektivität und Trennung von Anzeigen und Inhalt und so weiter. Die Herausforderung wird sein, diese Tugenden in die Zukunft zu transportieren. Dazu müssen sich meiner Meinung nach die Journalisten verändern, nicht der Journalismus: Sie müssen transparenter arbeiten, zeigen und erklären warum sie was wie machen. Sie müssen sich aber auch ihre Neugierde behalten und technische Neuerungen zumindest testen, bevor sie sie einfach abtun. Sie müssen lernen, ihre Rezipienten auf unterschiedlichen Plattformen anzusprechen: Zeitungsdenken funktioniert auf Snapchat nur begrenzt, digitale Sprachassistenten machen es notwendig, damit zu experimentieren und neue Formate zu entdecken. Und das Ganze funktioniert nicht im Elfenbeinturm vom Schreibtisch aus: Journalisten müssen wieder raus in die Realität und mit Menschen sprechen. Dazu ist Geld nötig: Verlagshäuser und Rundfunkanstalten müssen investieren, damit Innovation geschaffen wird, und die journalistischen Tugenden in der Zukunft über die neuen Kanäle noch an die Leser, Hörer, Zuschauer kommen. Und 2030 ist so weit weg – bis dahin kann es sehr viele neue Technologien geben. Das Smartphone ist erst 11 Jahre alt und schon ziemlich veraltet. Bis 2030 sind es noch 12 Jahre, da kann noch verdammt viel kommen, was eine weitere Revolution für das Mediennutzungsverhalten mit sich bringt.“

Über die Utopie einer redaktionellen Gesellschaft (13:01):

Aussage von Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online, vor einigen Jahren bei einem Kongresse des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV): Durchwursteln statt bedeutungsschwere Masterpläne zu schmieden sei das probateste Mittel, um in der digitalen Sphäre zu überleben.

In seiner DJV-Rede sieht er das Merkel-Prinzip als den besten Ansatz, wie heute Medien entwickelt werden müssen. Man könne vielleicht ein halbes Jahr weit sehen, aber bestimmt nicht zehn Jahre.

„Alle Masterpläne scheitern permanent“, so Wegner.

Wo die Zukunft der Medien liegen werde, kann er nicht beantworten.

„Ich weiß es nicht. Es passieren gerade so viele Dinge bei der Veränderung des Verhaltens der Nutzer und Leser, dass ich froh wäre, wenn ich wüsste, was wir nächstes Jahr machen“, so Wegner.

Er gab den Teilnehmern die Empfehlung auf den Weg, mehr zu spielen, zu experimentieren und die Dinge, die nicht funktionieren, wieder einzustellen.

Dass Journalismus sich „gar nicht“ ändern müsse, weil Journalismus Journalismus sei, hält der Internet-Vordenker Christoph Kappes für eine Falle:

„In allen Berufen steigen die Ansprüche inhaltlich und methodisch – bei Juristen, Soziologen und Informatikern könnte ich es wohl belegen.“ Inhalte werden spezieller und breiter zugleich. „Man sieht doch heute schon sehr gut, wie schwierig es ist: Cambridge Analytica und Wasserkosten sind zwei aktuelle Fälle“, schreibt Kappes in einem Facebook-Kommentar.

Welche Konsequenzen leiten sich darauf ab, wenn man auf Sicht fahren und dennoch vieles verändern muss:

Kappes bringt den Ausbau von fachlichen Rollen im General-Interest-Spektrum ins Spiel, beispielsweise Tandems mit Experten oder formalisierte Reviews. Da sei noch viel möglich.

Eine veränderte Haltung:

„Journalisten beobachten und beschreiben die Gesellschaft, sie unterscheiden sich von Soziologen nur darin, dass sie weder Theorie formulieren noch Fachsprache formulieren, aber Haltung und Denkweise müssen meiner Meinung nach auf den Prüfstand. Empirie und Beschreibung sind der Königsweg, gefolgt von der Suche nach Mustern. Erst dann kommt Herummeinen.“

Da die Gesellschaft sich zunehmend ohne Massenmedien mit Meinung versorgt, müsse auch hier der Journalismus mit der Zeit besser werden: Einordnung und Bewertung werde immer wichtiger – begleitet von der Einspeisung von historischem, politischem und soziologischem Fachwissen. Also die Rolle des Journalisten als Kurator.

Zudem muss man an der Vielfalt der Formate arbeiten, da sich die Öffentlichkeiten immer mehr zergliedern. Aus Mikro werde Nano. Hier muss man die Theorie der öffentlichen Meinung neu schreiben.

„Daher müssen Journalisten Brücken in andere Bereiche von Öffentlichkeit bauen. Wo man sich heute heraushält, muss man hinein. Das ist eine politische Forderung“, so Kappes.

Das gilt auch für den Überschuss an Meinungen, der in sozialen Netzwerken produziert wird. Mit all seinen negativen Begleiterscheinungen – von Fake News bis zu Hassbotschaften. Auch hier könne der Journalismus mit Kuration und Verdichtung vorgehen.

„Warum nicht mal auf Meinungen im Netz beziehen und diese gegeneinander halten, nach Argumenten suchen und einen Vorschlag machen?“.

Wollen wir auf Facebook über dieses Thema weiter diskutieren? Würde mich freuen.

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