Ohne Computerveteranen im Seniorennetzwerk kein Snapchat, kein Instagram und auch kein #Flugtaxi @DoroBaer

Ein Loblied auf die Computerveteranen

Dorothee Bär, künftige Staatsministerin für Digitales, erlebt, dass beispielsweise Facebook bei der jüngeren Generation ausgespielt hat. Die werden von der Art, wie da die Beiträge gelistet werden, nicht mehr angesprochen. Die sind alle auf Instagram oder Snapchat.

„Außerdem wollen die Jüngeren nicht mehr auf einem Forum unterwegs sein, das ihre Eltern und Großeltern cool finden. Facebook wird zu einem Seniorennetzwerk. Auf Twitter sind ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs. Eigentlich müsste ich jetzt meinen Twitter-Account löschen. Das würde mein Leben leichter machen“, so Bär im Interview mit der Welt.

Bär setzt auf die Expertise von Jugendlichen im Teenager-Alter.

„Ich stelle mir vor, dass wir einen externen Thinktank von Jugendlichen aufbauen, der uns berät und nicht in die Mühlen der Bürokratie eingebunden ist. Jugendliche sehen in der Digitalisierung das Kommende tatsächlich oft früher als Erwachsene“, glaubt Bär.

Charme des Alten

Gilt das auch für die technische Seite? Erkennen sie die Relevanz von neuen Diensten früher oder hören sie auch das Gras wachsen, wenn hinter den Kulissen die Voraussetzungen für neue Anwendungen geschaffen werden. Etwa in der Cloud. Und da stößt man dann unter der Motorhaube auf Strukturen, die fast ausschließlich von Computerveteranen beherrscht werden.

Bei den Programmiersprachen weist Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager von IBM, im #CIOKuratorLive Gespräch auf ein besonderes Problem hin. Selbst in einer Social Web-Welt könne man auf die totgesagte Großrechner-Technologie nicht verzichten.

“Der Mainframe ist eng mit unserem Alltag verwoben, aber wird kaum wahrgenommen. Geld abheben, Kreditkarten-Zahlungen, Flugbuchungen. Fast täglich kommen wir mit einem Mainframe in Berührung – privat und beruflich. Wir sehen es aber nicht, weil wir immer nur das Frontgerät wahrnehmen – etwa das Smartphone. Was dahinter in der Transaktion verarbeitet wird, bleibt verborgen.”

Die Kernsysteme laufen auf Großrechnern und die Anbindung von Anwendungen an diese Systeme wird in den nächsten Jahrzehnten relevant bleiben. Dieses Thema werde in der Ausbildung unterschätzt. Der so genannte Mainframe sei nicht tot, ganz im Gegenteil, sagt Thomasch. Allerdings fehlt häufig das Fachwissen, um alte Systeme mit neuen Systemen zu verbinden. Mehr als 60 Prozent der Fachkräfte im Mainframe-Bereich sind heute älter als 50 Jahre und stehen daher den Unternehmen bereits in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung. In Anbetracht des großen Bedarfs sehen sich die Unternehmen vor einer extremen und dringlichen Herausforderung. Dem erhöhten Bedarf an Mainframe-Spezialisten steht derzeit ein mangelhaftes Ausbildungs- und Qualifizierungsangebot gegenüber – trotz bester Berufsaussichten.

“Deshalb entwickeln wir beispielsweise in Kooperation mit den Universitäten in Leipzig und Frankfurt eigene Initiativen”, betont Thomasch gegenüber ciokurator.com.

Die Kombination ist entscheidend – also das Zusammenspiel von alt und jung. Deshalb mag ich Seniorennetzwerke und auch Instagram.

Siehe auch:

#BITKOM – DIGITALKOMPETENZ IN DER BERUFLICHEN WEITERBILDUNG AUSBAUEN: SCHON MAL ÜBER MAINFRAME-KURSE NACHGEDACHT?