Libyen und die Kriegsplanungen im Élysée-Palast – Tunesien rechnet mit zwei Millionen Flüchtlingen

Angespannte Lage in Tunis
Angespannte Lage in Tunis

Der Blick der westlichen Öffentlichkeit sollte sich nicht nur auf die kriegerischen Konflikte in Syrien richten. Im Élysée-Palast gibt es wohl konkrete Pläne für eine zweite militärische Intervention in Libyen. Das erklärte Ziel ist die Beseitigung der libyschen Stellungen der IS-Terroristen als Teil des “Krieges gegen den Terror” nach den Anschlägen in Paris. Sollten die zersplitterten Rebellengruppen sich nicht auf eine Regierung der nationalen Verständigung einigen, könnte der französische „Plan B“ Wirklichkeit werden und eine weitere humanitäre Katastrophe auslösen.

Politische Kreise in Tunis rechnen mit zwei Millionen Flüchtlingen, die vor allem Tunesien bewältigen müsste. Ein Land mit 11 Millionen Einwohnern, das sich schwertut, wirtschaftlich wieder auf die Füße zu kommen.

So hat das tunesische Handelsministerium begonnen, Grundnahrungsmittel zu lagern, um auf die erwarteten Flüchtlingsströme vorbereitet zu sein. Ähnliches kommunizieren der Rote Halbmond und das Gesundheitsministerium zur Behandlung von Kriegsverletzten.

Kann uns das egal sein? Die Maghreb-Region ist ein instabiles Gebilde und könnte durch die Luftangriffe wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Neuer Terror durch den Krieg gegen Terror wäre die Folge. Die liebwertesten Gichtlinge im französischen Machtzentrum sollten aufhören, mit militärischer Gewalt zu drohen und endlich anfangen, eine friedliche Lösung zur Schaffung einer stabilen Regierung in Libyen zu unterstützen – ohne Plan B!

Ausführlich in meiner The European-Kolumne nachzulesen.

#Bloggercamp.tv live aus Tunis: Wie steht es um den arabischen Frühling?

Reformprozess in Tunesien

In der heutigen Sendung berichte ich kurz vor meiner Rückreise nach Deutschland ab 20:15 Uhr von meinen Eindrücken, die ich in den vergangenen drei Tagen in Tunis gesammelt habe.

Unterstützt werde ich dabei von Walter Tauber, der seit rund drei Jahren für die Deutsche Welle in Tunis tätig ist. Er war 14 Jahre Auslandskorrespondent des Spiegels, hat viele Dokumentarfilme gedreht, spricht acht Sprachen und kennt sich auf fast allen Kontinenten aus.

Man hört und sieht sich nach der Tagesschau.