„Die Urlaubszeit ist die einzige Zeit, in der ich die Zeit habe, die ganzen Tweets durchzuarbeiten, die ich tagtäglich verpasse.“
Genial. So viel Stoff kann ich für meinen Bücherkoffer gar nicht finden. Deshalb stopfe ich nur ein paar verwaiste Youtube-Videos in den Koffer die Tasche. So. Zu mehr reicht es halt nicht. Aber für Reisen sind Videos auch viel praktischer:
Über die Bedeutung des Übens. Peter Sloterdijk argumentiert, dass das, was den Menschen zum Menschen macht, nicht der aufrechte Gang ist, sondern die Entwicklung des Bewusstseins. Er spricht von einer inneren Aufrichtung und dem Lernen, das Unmögliche als das Leichte zu begreifen.
Sloterdijks Ethik ist nicht einschränkend, sondern erweiternd. Sie ist keine Sollentätigkeit, sondern eine Übungsanleitung für das Leben selbst. Sie besteht darin, sich mit etwas zu verbinden, das nicht religiös codiert ist. Wer so denkt und übt, wird auf seine eigene Verfassung stoßen und aufgefordert, sie zu reflektieren und zu verändern.
Sloterdijk sieht den Menschen als Imperativ des Unwahrscheinlichen. Wie du dich faltest, so wächst du empor. Er bezieht sich dabei auf verschiedene Berufe und Berufungen, von Bauern und Arbeitern über Krieger und Schreiber bis hin zu Athleten, Rhetoren, Zirkuskünstlern, Gelehrten, Instrumentalvirtuosen und Models. Was sie alle verbindet, ist die Art und Weise, wie sie auf sich selbst einwirken und wie ihr Tun auf sie zurückwirkt.
Mit Nietzsche im Hinterkopf entwirft Sloterdijk das Modell einer Anthropologie als Asketologie. In diesem neuen Zweig der Humanwissenschaften werden geschichtlich gewachsene Strukturen und Daseinsformen untersucht und ins Zentrum gerückt. Kultur, Religion und Ethik werden als Übungsmodule betrachtet.
Sloterdijk versucht, nahezu alle Wissenschaften, Übungs- und Lenksysteme des Westens und Ostens gleichzeitig zu erfassen und aufeinander zu beziehen. Dabei zeigt er eine kühne, auch selbstverliebte Maßlosigkeit. Er setzt sich in der Radikalität eines Künstlers mit jedem Strich selbst das Maß.