Mehr direkte Demokratie wagen! ichsagmal-Interview-Reigen zur Netzpolitik: Heute mit @nowanda1

Bedarf für netzpolitisches Engagement
Bedarf für netzpolitisches Engagement

In ihrem Blogpost verweist Anke Knopp @nowanda1 auf einen berechtigten Einwurf der Bertelsmann-Stiftung zum Ausgang der Bundestagswahl:

„Niedrige Wahlbeteiligung, die Fünf-Prozent-Hürde und der Anteil nichtwahlberechtigter Ausländer führen dazu, dass die im Deutschen Bundestag gewählten Abgeordneten lediglich 53,6 Prozent aller Einwohner Deutschlands im wahlfähigen Alter repräsentieren bzw. nur 59,5 Prozent aller Wahlberechtigten. Ähnliche Legitimitätsprobleme zeigen sich auch bundesweit in vielen Direktwahlergebnissen. So reichten im Wahlkreis Berlin-Mitte, dem Sitz des Bundestages, am vergangenen Wahlsonntag die Erststimmen von lediglich 13,4 Prozent aller Bürger im wahlfähigen Alter aus, um das Direktmandat für den Bundestag zu gewinnen.“

So richtig fett hat sich die Wahlbeteiligung ja nicht nach oben entwickelt. Von 70,8 auf immer noch magere 71,5 Prozent. Grund genug auch für die etablierten Parteien, sich Gedanken über neue Beteiligungsmöglichkeiten im politischen Diskurs Gedanken zu machen.

Weniger auf das Delegierten-Prinzip setzen, mehr Mitbestimmung in den Parteien einräumen, stärker auf schnelle Dialogformate des Netzes setzen und Stimmungen über richtungsweisende Entscheidungen abrufen – wie etwa die Entscheidungen zur Regierungsbildung oder Steuererhöhungen. All das kann mit einfachen Satzungsänderungen eingeführt werden, ohne das Grundgesetz im Ganzen ändern zu müssen.

Wenn es um Eindämmung des Funktionärstums geht, sollten allerdings auch größere Lösungen angestrebt werden, wie die Reduzierung der Verweildauer im Parlament. Anke Knopp hält zwei Legislaturperioden für ausreichend – in Bund, Ländern und Kommunen. Zudem sollten sich die Netzaktivisten in unterschiedlichen Politikfeldern engagieren, die immer stärker in den Sog der digitalen Transformation fallen. Von Bildung bis Wirtschaft. Wenn es um eine Stadtplanung 2.0 geht, könnten Netzaktivisten mit ihrer fachlichen Expertise vorangehen und den Entscheidungsträgern Wege aufzeigen, wie man eine Kultur der Beteiligung entfalten kann.

Es zählen Taten und keine Neuland-Belustigungs-Shitstorms, an denen ich allerdings nicht ganz unbeteiligt war 😉

Wer sich an diesem netzpolitischen Diskurs beteiligen möchte via Hangout-Interviews, sollte sich einfach bei mir melden. gunnareriksohn@gmail.com

Siehe auch:

Diskurshäuflein mit Katzenjammer (so klein ist der Haufen doch gar nicht, gs)

Was die NEOS richtig gemacht haben.

Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss.

Posttraumatische Zerknirschtheit: Netzaktivisten stehen im Regen #btw13

Netzaktivisten im Regen
Netzaktivisten im Regen

Es gibt gaaaanz viele Politiken und gaaanz viele Interessen, die auf die Tagesordnung der politischen Willensbildung drängen. Es gibt den so genannten vorpolitischen Raum, wo sich Politik abspielt – von Seniorenheimen bis zu Universitäten. Es gibt Geldpolitik, Tierschutz-Politik, Agrarpolitik, Sportpolitik, Vereinspolitik, Schrebergarten-Politik, Bundesgartenschau-Politik, Recycling-Politik, Wärmedämmungs-Politik, Baupolitik, bla, bla, blubb. Ja und es gibt Netzpolitik – obwohl das ein relevantes Querschnittsthema für die Gesellschaft sein müsste – Stichwort „Digitale Transformation fast aller Lebensbereiche“ – , ist das Ganze eben auch ein Politikfeld unter vielen. Menschen hören Radio, schalten den Fernseher an und betrachten Youtube-Filmchen, interessieren sich aber nicht die Bohne für „Rundfunk-Politik“ – es sei denn, die Gebühren werden erhöht.

Ähnliches widerfährt jetzt der Netzpolitik. Die politische Klasse hat zwar keine digitalpolitische Kompetenz nachgerüstet, sie hat aber begriffen, dass fast jeder netzpolitische Shitstorm eben doch nur aus semantischen Dünnschiss mit kurzer Halbwertzeit besteht, wie es Michael Seemann im ichsagmal-Interview ausführte.

Man brauche neue und andere Narrative im politischen Diskurs, so Seemann. Oder in den vielzitierten Worten des früheren CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler: Es gehe heute nicht mehr darum, Bahnhöfe, sondern darum, Begriffe zu besetzen. Oder so ähnlich.

Was natürlich nicht heißt, dass die Besetzung von Begriffen ohne Inhalte dauerhaft funktioniert. Mitnichten. Netzpolitik scheint sich als Begriff jedenfalls ausgenudelt zu haben. Wat nu?

Mein Diskussionsreigen via Live-Hangouts geht weiter. Heute, um 12 Uhr mit Joachim Graf von iBusiness und am Montag, um 12 Uhr mit Anke Knopp ‏@nowanda1.

Siehe auch:

Politik im Datenzeitalter – Was die SPD verschläft.

Gerhart Baum: Ich will, dass wir beißen können.

Wie es um die digitale Kompetenz der Bundesregierung steht, kann man hier nachlesen: Mobiles Breitband-Web: Deutschland nur auf Rang 40 – hinter Griechenland und Kasachstan.

Und meine Mittwochskolumne: NETZPOLITIK ZERSCHELLT AM MERKEL-FELSEN.

Stimmt das? Nur netzpolitische Nullnummern.

Jetzt live: Netzpolitik vor dem Ende? Diskussion mit @mspro

Herbe Niederlage für die Wahlforscher #Bloggercamp.tv #btw

Lustige Fehleinschätzungen der Demoskopen
Lustige Fehleinschätzungen der Demoskopen

Mit meiner eigenen „Wahlprognose“, die ich auf Grundlage von den Umfragen zusammengeschustert habe, die so übersichtlich auf Wahlrecht.de dokumentiert sind, bin ich wohl genauso schlecht, wie die meisten Unternehmen der Meinungsforschung. Mit Big Data hat das natürlich überhaupt nichts zu tun, wo doch einige dieser Daten-Gurus behaupten, selbst die Wahlabsichten der Bevölkerung ziemlich genau antizipieren zu können. Alles Schwachsinn. Im „Wahl-Special“ von Bloggercamp.tv sind wir darauf eingegangen auf Grundlage der ersten Hochrechnungen, die bis zum vorläufigen amtlichen Endergebnis sich wohl noch etwas verschieben werden. Das dreht sich aber wohl nur noch um die Frage, ob die Unionsparteien nun die absolute Mehrheit der Sitze im Bundestag bekommen oder nicht.

Man sieht und hört sich spätestens am Mittwoch zu Bloggercamp.tv. Da werden wir allerdings wieder zu anderen Themen Stellung beziehen, denn dann wird Euch wahrscheinlich die Flut von Wahlanalysen in ein Wachkoma versetzt haben.

Meine Big Data-gestützte Wahlprognose zur #btw

CDU/CSU: 40 Prozent
SPD: 26 Prozent
Grüne: 9 Prozent
Linke: 8 Prozent
FDP: 6 Prozent

Der Rest kommt nicht über 5 Prozent.

Nach der ersten Hochrechnung werde ich heute Abend via Hangout on Air erklären, auf welcher Big Data-Basis die Prognose berechnet wurde 🙂

Ein Pflaster für den Kandidaten oder: Steinbrück macht den Röttgen

Der Namenschild-Kanzlerkandidat

Die SPD hat nach einer Postillon-Eilmeldung auf die unglücklichen Aussagen ihres Spitzenkandidaten reagiert und den Mund von Peer Steinbrück bis zur Bundestagswahl mit Heftpflastern versiegelt. Durch diese drastische Maßnahme wollen die Sozialdemokraten ihre ohnehin nur noch geringen Chancen auf einen Sieg wahren.

„Der Plan könnte aufgehen: Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Opinion Control zufolge kann ein schweigender Steinbrück sogar mit leichten Stimmgewinnen rechnen, weil die Wähler es durchaus zu schätzen wissen, wenn sie wenigstens von einem Kandidaten nicht permanent angelogen werden. Was Peer Steinbrück persönlich von der neuen Wahlkampfstrategie hält, ist nicht bekannt. Nach seiner Meinung gefragt rollte er nur mit den Augen und meinte: ‚Mffmmfmfp fmppffmppfmp mpmmffmpp Ppmmpppffpmpmpppmf mffppp mpmmppppp Mmmpfffmmmmfmfp'“, berichten die gut informierten Hauptstadt-Korrespondenten des Postillon.

Das ist aber bedauerlich. Jetzt können wir die Weisheiten und Klugheitslehren von Herrn Röttgen Steinbrück gar nicht mehr bewundern. Beispielsweise weitere Erläuterungen der neuen Wahlkampflinie der SPD:

„Wenn man eine Sache nicht erlangen kann, ist es an der Zeit, sie zu verachten.“

Siehe auch:

Karrieretipps des Kanzlerkandidaten.

Der Wiederholungstäter.