#DigitalXAdhoc-Gespräch mit Daniel Kraft: Der „Querlüfterbewegung“ an deutschen Schulen sei die Luft ausgegangen, moniert Daniel Kraft in einem Gastbeitrag für den General Anzeiger in Bonn. „Die ‚Präsenzunterrichtsfraktion‘ um jeden Preis‘ führte ganz oder teilweise in die Quarantäne. Es braucht eine Instrumentenbatterie aus verschiedenen digitalen und hybriden Maßnahmen, damit Schule in den kommenden Monaten (wieder) – zumindest etwas geregelter – stattfinden kann. Es braucht mehr als didaktische und pädagogische Modelle des letzten Jahrhunderts, und es braucht mehr als Schul-Server und Zoom-Runden. Es braucht nicht mehr und nicht weniger als eine digitale Schulpflicht.“ Wie seht Ihr das nach all den Erfahrungen in den vergangenen Monaten?
Seine Thesen schon mal vorab, so könnt Ihr besser mitdiskutieren:
Statements: 1. Die Digitalisierung erfordert hohe spezialisierte Personalressourcen. Nur fehlt es leider im Rahmen der Ausbildung sowohl beruflich als auch in den Hochschulen an hinreichend gut ausgebildeten Expertinnen und Experten. Folge davon: Die Tools und Technologien sind vorhanden, die Human Ressourcen aber (noch) nicht. Wenn wir es aber nicht schaffen die Grundlagen schnell im Rahmen einer massiven Bildungsoffensive zu legen, wird der Personalengpass bald zum Bremsklotz der Bemühungen.
Statement 2: Nicht nur der Staat und die staatlichen Institutionen sind hier gefordert. Die Wirtschaft steckt im klassischen Gefangenendilemma… aber es geht weder um Strafen noch um Milchwerbung, sondern mal eben um die Zukunft der nationalen Wirtschaft. Nur wer heute breit investiert, kann morgen sicher sein, dass hinreichend viele qualifizierte junge Menschen ihre Zukunft im digitalen Deutschland suchen.
Statement 3: Die Bildungsinstitutionen sind zwar nicht überrollt worden, aber die Bürokratie und auch die Lethargie erweisen sich als Feinde der Innovationen in Lehre und Ausbildung. Es braucht eines bildungspolitischen Weckrufs, der auch nicht davor zurückschreckt, unbequeme Wahrheiten anzusprechen und die Komfortzone des eigenen Elfenbeinturms in Frage zu stellen.
Die Schule vermittle den Schülern primär etwas, was sie im Leben gar nicht brauchen können. Sie lernen, wie die Schule funktioniert, was sie von einem verlangt, wie man am besten kompatibel ist mit dem schulischen Apparat, den Hierarchien, Rollen und Funktionen.
Bereits an den Pädagogischen Hochschulen werde ein grosser Fehler gemacht, sagt Schmitt weiter.
„Dort lernen Lehrer, wie man Menschen zu Schülern macht.“
Ein Lehrer gelte als gut, wenn ihm genau das gelinge.
„Die Schule gibt vor, zu bilden, erzieht aber. Und: Lernen beginnt dort, wo Lehren aufhört. Dann haben die Kinder sogar Spass daran.“
Christoph Schmitt redet heute im Bonner Sommerinterview ab 10 Uhr über das Thema: Wie die Digitalisierung unser Bildungssystem abschafft und wie mögliche Alternativen aussehen.
Wie hat sich denn die Qualität der Hochschulen durch Studiengebühren im Untersuchungszeitraum der Studie verändert?
Und war damals überhaupt eine Abstimmung mit den Füßen möglich? Stichwort: Immobilität = starre Nachfrage (wird in der WZB-Studie übrigens erwähnt).
Am Donnerstagabend – also um 18 Uhr – hab ich zufälliger Weise ein Autorengespräch mit dem Schweizer Bildungsinnovator Christoph Schmitt.
Da werde ich das noch auf die Agenda setzen. Über die Chatfunktion von YouTube könnt Ihr mitdiskutieren oder via Twitter mit dem Hashtag #Autorengespräch
Lasst uns heftig disputieren. Man hört, sieht und streamt sich spätestens am Donnerstag.
Wir sollten die Demokratie-Sessions häufiger machen. Museum König, Kanzler Bungalow, Beethovenhalle, Langer Eugen, Bundestag, Wasserwerk, Kanzleramt und und und #WegderDemokratie Da gibt es einige Möglichkeiten, den Geist der Bonner Republik in Deutschland wieder zu stärken.
Der Silicon Valley-Überflieger KaiSebastian Thrun haut ja ab und zu genauso dümmliche anarcho-kapitalistische Sprüche raus wie der unsägliche Trump-Fan Peter Thiel.
Aber in einem Punkt hat er recht: Wer in der Arbeitswelt nicht unter die Räder kommen will, muss sich kontinuierlich mit frischem Wissen versorgen. Und da sind die klassischen Bildungsinstitutionen wohl nicht mehr der richtige Partner – vor allem in deutschen Institutionen, die immer noch im Kreidezeitalter verharren. „In einer Welt, die sich so schnell dreht, hat es keinen Sinn mehr, fünf Jahre lang zu studieren und dann lebenslang bei der gleichen Firma zu arbeiten“, so Thrun gegenüber dem Spiegel.
Letzteres ist ohnehin die Ausnahme – es sei denn, man arbeitet im öffentlichen Dienst. Nach seinem Google-Ausstieg gründete Thrun die Online-Akademie Udacity, bei der Absolventen ihre Fähigkeiten aktualisieren können.
„Die Teilnehmer arbeiten mit Praktikern an konkreten Projekten und Produkten. 200 Dollar pro Monat kostet das Programm, es dauert meist sechs Monate, am Ende bekommt man einen so genannten Nanodegree“, schreiben die Spiegel-Autoren in der Titelstory „Mensch gegen Maschine“.
Thrun sieht uns in einem Wettrennen mit der Künstlichen Intelligenz – gut, da haut er wieder etwas prahlerisch auf die Pauke:
„Wenn wir als Menschen nicht schneller werden, gewinnen die Maschinen.“
Generell ist es sinnvoll, aus der Stoff-Büffelei von Schulen und Hochschulen auszusteigen. Was die klassischen Bildungsanbieter leisten müssten – und das wäre die Grundlage für die Auffrischungskurse von Udacity und Co. – beschreibt Lutz Becker in seinem Beitrag „Education 2.0 – Lernen für die Transformation“:
„In einer Welt mit geradezu explodierender Informationsmenge und ubiqitär verfügbarem Wissen, kommt es nicht auf Reproduktion von Stoff, sondern in der Tradition Immanuel Kants (1724-1804) auf die Urteilskraft sowie auf die Fähigkeit an, Möglichkeiten zu schaffen, um aus ihnen auswählen zu können.“
Wichtig sei es, Wissen zu rekonstruieren, zu verknüpfen, neu zu konfigurieren.
„Lernen muss einer sich drehenden Welt in der Lage sein, neues Wissen erzeugen“, führt Becker aus.
Er spricht sich gegen lineares und algorithmisiertes Lernen aus: Lernen setze Freiheit voraus und schafft Freiheit. Da wird Thrun wohl eher ein kybernetisches Verständnis von Bildungsvermittlung haben.
Besonders sympathisch finde ich das Lernziel-Plädoyer von Lutz Becker für „Weltverbesserungskompetenz“ als Veränderung „in der Welt“ – nicht im Sinne von „Reengineering“ an der Welt.
In der gestrigen Bloggercamp.tv-Sendung hatte ich angekündigt, bis zum Wochenende die letzten Recherchen für das Livestreaming-Buch vorzunehmen. Dann verbarrikadiere ich mich am Pfingstwochenende in meinem Büro, um die letzten Schreibarbeiten für das Opus vorzunehmen.
Ende nächster Woche liefere ich das Skript ab – puh. Drei Hangout-Interviews folgen noch. Heute um 14 und 15 Uhr sowie morgen, um 16:15 Uhr. Während der Liveübertragungen könnt Ihr über die Frage-und-Antwort-Funktion von Google Plus noch Mitdiskutieren.