
Ein Gespräch mit Dr. Marcel Klehr, Managing Director bei ALTEN Germany & Austria, auf der Zukunft Personal Nord in Hamburg.
Der Arbeitsmarkt steht derzeit unter paradoxen Vorzeichen: Auftragsflaute und Rezessionssorgen auf der einen Seite – der drohende demografische Wandel und strukturelle Fachkräfteengpässe auf der anderen. Dr. Marcel Klehr, Geschäftsführer der ALTEN Group in Deutschland und Österreich, plädiert im Interview für Weitsicht und Augenmaß: „Wir müssen heute schon an die Zeit nach der Krise denken – auch wenn wir aktuell unter Kostendruck stehen.“
Zwischen Zyklus und Strukturwandel
Die aktuelle Marktlage beschreibt Klehr als angespannt. Vor allem im Ingenieur- und IT-Bereich, auf den sich ALTEN spezialisiert hat, sei die Nachfrage eingebrochen. Doch anders als in vergangenen Konjunkturzyklen ist diesmal mehr im Spiel: „Gerade in der Automobilindustrie sehen wir nicht nur eine Delle, sondern einen tiefgreifenden Strukturwandel“, so Klehr. Für Engineering-Dienstleister bedeute das: Neue Qualifikationen, neue Kompetenzen, neue Rekrutierungsstrategien.
„Gute Leute finden immer einen Job“
Trotz des Abschwungs sei der Wettbewerb um hochqualifizierte Fachkräfte keineswegs vorbei. Im Gegenteil: Gute Leute wechselten weiterhin – allerdings seltener, dafür gezielter. „Die Wechselbereitschaft ist zurückgegangen“, so Klehr. Umso wichtiger sei es, bestehende Mitarbeiter zu halten und glaubwürdig eine langfristige Perspektive zu vermitteln.
Remote Work: Vertrauen statt Kontrolle
Ein Streitpunkt bleibt das Homeoffice. Während viele Unternehmen ihre Belegschaften zurück ins Büro beordern, setzt ALTEN weiter auf Flexibilität: „Wenn jemand zu Hause nicht produktiv ist, ist er es im Büro auch nicht.“ Dennoch sieht Klehr das Büro als sozialen Ort, als Nährboden für Zusammenarbeit und Innovation – der freiwillig und gerne genutzt werden soll. „Verdichtung und Kontrollkultur führen zum Gegenteil“, warnt er.
Personalbindung braucht Substanz – nicht Show
Beim Thema Mitarbeiterbindung setzt ALTEN auf ein erprobtes Benefits-Portfolio – allerdings nicht nach Bauchgefühl. „Das Dienstrad war so ein Beispiel – alle reden drüber, aber keiner nutzt es.“ Stattdessen werde genau geschaut, welche Leistungen wirklich gefragt seien: Zuschüsse fürs Fitnessstudio, Deutschlandticket, transparente Entwicklungsmöglichkeiten.
Rekrutierung mit Maß und Mitte
Ob Hochschulmarketing, Direct Sourcing via LinkedIn oder strategische Kooperationen: ALTEN bleibt auch in schwierigen Zeiten aktiv, bremst aber mit Bedacht. Neue Ansätze wie der gezielte Quereinstieg oder die Integration älterer Fachkräfte gewinnen an Bedeutung. „Ich glaube an die Stärke gemischter Teams – die Jüngeren bringen neue Perspektiven, die Älteren Erfahrung und Tiefe.“
Der Ingenieur- und Technologiesektor steht unter Druck – doch statt Reflexreaktionen und Kurzschlussentscheidungen plädiert Dr. Klehr für kluge Balance. Wer jetzt strategisch handelt, nicht nur rationalisiert, sondern Beziehungen pflegt und Entwicklung fördert, wird gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.
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