
Ach Volt. Ach ihr kleinen Moral-Schnellfeuer-Postillen. Ihr Ewig-Morgigen mit euren Ausschuss-Anträgen, euren Ausschluss-Kriterien, eurem Ausschlag von postdemokratischer Erregung. Ihr habt’s mal wieder geschafft. In einer einzigen Gießener Sitzung mehr Würde vernichtet als zehn Büttenreden retten können.
Denn da sitzt er, der Toni, bronzen, bar jeder Quote – und ihr zieht los mit eurem Formularkram. Nicht weil euch Fastnacht was anginge. Nicht weil ihr je einen Fuß in eine Kneipe gesetzt habt, wo um Mitternacht die letzten fünf Gäste mit tränennassen Augen „Gell, du hast mich gelle gern“ singen. Sondern weil der Mann… eben ein Mann war. Und das, liebe Freunde der Gleichverteilung, geht natürlich nicht.
Ein Platz soll her, und weil man sich in Gießen noch erinnert, wie es klang, wenn Toni Hämmerle ein „Humba Täterä“ aus dem Dunkel schmetterte, soll dieser Platz seinen Namen tragen. Stattdessen: Verwaltungslyrik. Bürgerbeteiligung mit „Shortlist“ – diese technokratische Fußnote, mit der man Menschen vergessen macht. Frauenquote gegen Erinnerungskultur. Und dann auch noch dieser peinliche Beisatz: „Eine formelle Bürgerbeteiligung mit dem Ziel, weibliche Persönlichkeiten zu generieren.“ – als ob man Geschichte aus dem Hut zaubern könne, nach Excel-Vorgaben sortiert.
Es ist diese Art von Pseudo-Progressivität, die alles Alte für suspekt hält und doch nie was Eigenes schafft. Ein Platzname als moralisches Ausrufezeichen. Hauptsache Gegenrede.
Nur – Toni war da. Und zwar nicht auf Instagram. Nicht in einer Talkrunde. Sondern mit Musik, mit Schmerz, mit einem verkorksten Leben nach dem Krieg. Er hat Menschen Freude gemacht. Nicht virtuell, sondern mit echten Liedern, echten Refrains, echten Gefühlen. Er war blind, ja. Und er hat trotzdem gesehen, was die Leute brauchen.
Und was macht ihr? Ihr nennt’s ein Problem. Ihr ruft nach Verfahren, nach Ausschüssen, nach gendergerechter Pflasterung. Dabei geht’s hier nicht um Männer oder Frauen. Es geht um Erinnerung. Um Stadtluft, die nach Geschichte riecht. Nach Kneipe, nach Gesang, nach einem Leben, das keiner von euch je führen musste.
Toni war kein Held. Toni war ein Mensch. Und vielleicht liegt genau darin seine Größe. Vielleicht kann man in diesem Land nicht mehr einfach so einen Platz nach jemandem benennen, der berührt hat, wenn er singt. Vielleicht muss man heute erstmal prüfen, ob er auch politisch korrekt geschunkelt hat. Aber dann, liebe Volterianer, habt ihr verloren, bevor der erste Ton erklingt.
Fastnacht ist wild. Und Toni Hämmerle war ihr Poet.
Gebt ihm den Platz. Und haltet einfach mal die Klappe.