Datengestütztes Lernen mit Sinn und System #ZukunftPersonalNord

Sven Semet über digitale Assistenten, Echtzeit-Coaching und die Individualisierung von Lernprozessen in der Arbeitswelt.

Das Lernen hat sich verändert – nicht in ferner Zukunft, sondern im Hier und Jetzt. Spätestens seit der Pandemie sei deutlich geworden, dass klassische Weiterbildungskonzepte überfordert sind. Sven Semet, erfahrener Vordenker im Bereich Learning & Development, blickt auf der Zukunft Personal Nord zurück – und gleichzeitig nach vorn: Wie haben sich Lernformate in den vergangenen fünf Jahren entwickelt? Was hat sich bewährt, was nicht?

„Wir haben damals Thesen für 2025 aufgestellt – jetzt ist 2025. Zeit für eine Bilanz“, sagt Semet. Die Bilanz fällt differenziert aus.

Vom Vortrag zum digitalen Assistenten

Präsenztrainings, Webinare, Lernplattformen – das Repertoire ist bekannt. Doch die entscheidende Herausforderung liegt nicht in der Vielfalt der Formate, sondern in ihrer Wirksamkeit im Moment des Bedarfs. Semet nennt es den „Moment of Need“ – und hier kommen digitale Assistenten ins Spiel: KI-gestützte Tools, die in Echtzeit unterstützen, begleiten, korrigieren.

Ein Beispiel: Anstatt einer Schulung zur E-Akte mit 40-seitigem Handbuch bietet der digitale Assistent sofort Hilfe – dann, wenn der Fehler auftritt. „Das reduziert nicht nur die Frustration“, so Semet, „sondern erzeugt nachhaltiges Lernen – eingebettet in den Arbeitsprozess.“

Von Gamern lernen: Echtzeit-Coaching als Methode

Was in der Welt des E-Sports längst Standard ist – das Echtzeit-Coaching während eines laufenden Spiels – hat längst auch in Softwareentwicklung, Kundenservice und Schulungsdesign Einzug gehalten. „Es geht darum, Probleme sofort zu lösen – und dabei zu lernen“, erklärt Semet. Die Grenze zwischen Arbeit und Training verschwimmt. Die Formel: On-the-job meets On-demand.

Individuelle Lernpfade statt Standardkonzepte

Ein zentrales Thema im Workshop ist die Hyperindividualisierung des Lernens. Inspiriert von Visionären wie Herbert W. Franke geht Semet davon aus, dass starre Schulungskonzepte bald der Vergangenheit angehören. Die Zukunft: 30 Lernende – 30 Lernwege. Möglich wird das durch die Kombination aus Daten, Technologie und algorithmischem Verständnis der Nutzergewohnheiten.

„In Zukunft begleitet uns vielleicht ein Avatar, der unser Lernverhalten kennt – geduldig, individuell, effizient“, sagt Semet. Noch ist das Zukunftsmusik, doch die ersten Instrumente sind bereits gestimmt.

Karrierepfade, Skill-Mapping – und die Rolle der Mitbestimmung

Ein weiterer Trend: Skill-basierte Karrierepfade. Unternehmen beginnen, Mitarbeitenden nicht nur Tätigkeiten zuzuweisen, sondern individuelle Entwicklungswege anzubieten – basierend auf vorhandenen Kompetenzen und Lernfortschritten.

Doch es gibt Hürden. Datenschutz, Betriebsratsbeteiligung, IT-Security – oft verlangsamen diese Aspekte die Umsetzung. Semet plädiert für eine kooperative Mitbestimmung. Betriebsräte müssten früh eingebunden und selbst qualifiziert werden. „Nur wenn sie verstehen, worum es geht, können sie gestalten – statt blockieren.“

Bildungspolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Was muss politisch passieren? Semet nennt zwei Punkte: erstens die konsequente Förderung von Bildungsinnovationen – nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Zweitens die vereinfachte Ausschüttung von Fördermitteln. Beispiel Gesundheitswesen: Von 3 Milliarden Euro für Digitalisierung sei bislang kaum ein Bruchteil abgerufen worden. Grund: Bürokratie, Unklarheit, Misstrauen.

Lernen als Aufstiegschance – auch für Herkunftsbenachteiligte

Semet sieht in der digitalen Individualisierung nicht nur Effizienzpotenziale, sondern auch ein gesellschaftliches Versprechen: Bildung und Lernen könnten entkoppelt werden von Herkunft und Sozialstatus. „Wenn jemand in Neukölln aufwächst und täglich um seine Sicherheit fürchtet, hat er es schwerer – auch im Bildungssystem“, so Semet. „Intelligente Lernsysteme könnten helfen, diese Ungleichheit zu überwinden.“

Was folgt?

Der Think Tank Learning & Development, dem Semet angehört, plant keine neue Studie, sondern etwas Konkreteres: Eine Sammlung von Best Practices, um den Austausch zwischen Unternehmen zu fördern. Was funktioniert wirklich? Welche Hürden lassen sich wie überwinden? „Wir wollen praxistaugliche Antworten liefern – nicht nur Theorien.“ Die Zukunft des Lernens ist digital, situativ und individuell – wenn wir es schaffen, Technologie sinnvoll einzusetzen. Sven Semet zeigt, wie das geht: nah am Menschen, nah an der Arbeit, nah am Bedar.


📺 Zum Interview auf YouTube: „Datengestütztes Lernen“
📲 Think Tank Learning & Friends auf LinkedIn
🏆 Bewerbung für den HR Innovation Award: noch bis Ende Mai möglich
🎤 Nächste Station: ZP Süd im Mai, ZP Europe im September

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