
Johann Joseph Eichhoff, Maire in einer Zeit, als Europa von den napoleonischen Wellen hin- und hergeschleudert wurde, sprach zu seinen Mitbürgern mit einer Mischung aus Pathos und Entschlossenheit. „Vertrauen“ war sein Credo, „Mut“ sein Appell. Und ja, er hatte Mut, denn vor ihm lagen nicht nur die Trümmer eines Finanzwesens, sondern auch die Last der Erwartungen einer Stadt, die zwischen Revolution und Resignation schwankte.
Die heutige Bonner Stadtpolitik hingegen… Ach, was soll man sagen? Worte wie „Mut“ und „Vertrauen“ tauchen bestenfalls in PR-Broschüren auf, während hinter verschlossenen Türen mit „Platzgründen“ jongliert wird. Es geht nicht mehr um die Vision einer Stadt, sondern um das Verwalten von Engpässen. Nehmen wir das Porträt Eichhoffs – ein Relikt, das die Stadtgeschichte erlebbar machen könnte. Stattdessen: abgelehnt. Keine Verwendung, heißt es. Was damals ein Symbol des Engagements war, ist heute ein Fall für die Abstellkammer.
Man muss sich das vorstellen: Der Nachfahre, der den Kontakt suchte, höflich und voller Respekt, beschreibt das Drama um das Bild. 2016 erbte er es, eine Leihgabe ans Stadtmuseum folgte. Dann plötzlich: Rückgabe. Die Sekretärin des Museums meldete sich kurz angebunden, Platz sei eben knapp. Das war’s. Keine große Erklärung, keine Würdigung, kein Plan. Wie sollte es auch anders sein? Das Porträt eines Mannes, der einst das Unmögliche versuchte, passt wohl nicht mehr in eine Stadt, die sich längst mit Mittelmaß arrangiert hat.
„Es war eine Zeit, wo man unaufhörlich Freiheit und Gleichheit ausposaunte, während man auf die unausstehlichste Art despotisierte“, sagte Eichhoff einst über seine Epoche. Eine Zeile, die auch in heutige Bonner Debatten passt. Da wird von „nachhaltigem Wachstum“ schwadroniert, während die Stadt sich nicht einmal auf ihre eigene Geschichte besinnt. Jeder Plan scheitert an der Realität, jedes Projekt wird zur Mammutaufgabe – sei es ein neues Verkehrskonzept, der Zustand der Rheinpromenade oder eben der Umgang mit einem Porträt, das mehr über Bonn erzählen könnte als jede PowerPoint-Präsentation im Stadtrat.
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, oder? Eichhoff jedenfalls gab nicht auf. „Mit dem Wohlwollen dieses edlen Mannes, unsres würdigen Präfekten…“, schrieb er damals. Heute wären es vermutlich Fördertöpfe, EU-Mittel oder private Sponsoren, an die er appellieren würde. Doch wer hört überhaupt noch hin? Eine Stadt, die den Blick auf sich selbst verloren hat, braucht keinen Maire, keinen Präfekten – sondern einen Weckruf. Vielleicht sogar einen aus der Vergangenheit.
Denn eines ist sicher: Eichhoff, der Mann ohne Porträt, hätte niemals akzeptiert, dass die „Lage mißlich, aber das Wiederaufleben unmöglich“ sei. Und Bonn? Bonn bleibt stumm, wenn es darum geht, sich neu zu erfinden. Vielleicht sollte jemand die Rede Eichhoffs im Stadtrat vorlesen. Vielleicht würden dann die Risse in den Fassaden der Stadt nicht nur sichtbar, sondern auch ernst genommen.

Epilog: Es ist Zeit, die Geschichte aus der Abstellkammer zu holen. Und wenn das Porträt Eichhoffs noch immer nicht ausgestellt wird, dann soll man ihm wenigstens einen Platz im Herzen der Stadt einräumen. Denn dort, zwischen den Schuldenbergen und den leeren Worten, könnte es eine Erinnerung sein – an eine Zeit, als Worte noch etwas galten. Etwa im Beethoven-Haus oder im Rheinischen Landesmuseum.