Halle an der Saale ohne Zukunft: Altes Denken vergrault den Trendforscher Jánszky

Das seit neun Jahren traditionell durch Trendforscher Sven Gábor Jánszky organisierte Zukunftstreffen findet in diesem Jahr erstmals in der Region Braunschweig und nicht mehr in Halle an der Saale statt. Für den 15. und 16. Juni 2010 lädt der Leiter des 2b AHEAD ThinkTanks erstmals auf Schloss Oelbers am weißen Wege bei Braunschweig ein. Bereits zu Jahresbeginn hatte er sein Unternehmen unbenannt, aus der forward2business Büro GmbH wurde die 2b AHEAD ThinkTank GmbH.

Jánszky erklärt den Namens- und Standortwechsel mit einer Trennung von regionalen Partnern am ehemaligen Standort Halle: „Damit befreien wir uns aus innovationshemmenden Abhängigkeiten, die drohten unseren selbstgesteckten Anspruch zu torpedieren, die innovativste Denkfabrik in Deutschland zu sein“, so Jánszky. Das habe in erster Linie etwas mit den regionalen Förderern der öffentlichen Hand zu tun (Staatskanzlei, Stadt Halle, MDR, Mitteldeutsche Medienförderung, Medienanstalt Sachsen-Anhalt). „Diese gaben ja traditionell einen Zuschuss zum Zukunftskongress. Allerdings wurde dieser Zuschuss in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit abenteuerlichen Forderungen verbunden, nach dem Motto: Der ThinkTank darf keine Veranstaltungen außerhalb des Zukunftskongresses und außerhalb von Halle durchführen“, erläutert Jánszky.

Diese sei allerdings unrealistisch, denn der Hauptteil der Arbeit läuft neben diesem einen Zukunftskongress. Es gehe auch um Reden, Trendanalysen, Buchveröffentlichungen, Consulting, Innovationsworkshops, Trendtage und andere Kongresse. „Das war auch wirtschaftlich ziemlich unrealistisch, denn da wollten jene Zuschussgeber, die rund 20 Prozent der Jahreskosten beisteuern, verbieten, dass das Unternehmen auch die anderen 80 Prozent verdienen darf. Und inhaltlich war das mindestens genauso unrealistisch, dass in Zeiten in denen alle von open innovation sprechen und ihre Prozesse für Kunden, Partner, Mitarbeiter öffnen, ausgerechnet ein Innovations-ThinkTank als Closed Shop in der Provinz stattfinden soll“, kritisiert der Trendforscher. Das sei ein sehr „altes Denken“ bei den beteiligten Zuschussgeber. „Das ging einfach nicht mehr zusammen. Aus diesen Anhängigkeiten mussten wir uns befreien. Was nach heutigem Stand zum Glück bestens gelungen ist“, so Jánszky.

Call Center Forum ohne CallCenterProfi

Die Fachzeitschrift CallCenterProfi beendet nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit dem Verband Call Center Forum. Das geht aus einem Mitteilung des Magazins hervor. „CallCenterProfi beendet mit sofortiger Wirkung nach mehr als zehn Jahren die aktive Verbandsarbeit im Call Center Forum Deutschland. Die Gründe für diese – nach langer und reiflicher Überlegung getroffene – Entscheidung sind vielfältiger Natur. Auf die wichtigsten möchte ich gern eingehen“, teilt die Chefredakteurin Simone Fojut mit. In einem offenen Brief „an die CCF-Mitglieder und alle Call Center-Interessierte“ wandten sich die Vorstände Oliver Erckert und Thomas Zacharias – auch über den CallCenterProfi – an die Branche. Das Anliegen war es, mehr Mitglieder für das CCF zu werben, „für eine starke Branche“. Man habe dem Verband „ein klares Prio 1 Thema gegeben: Mitgliedergewinnung“. Parallel startete die Kampagne „Ich bin Mitglied!“.

„Im gleichen Atemzug kehrten eine Handvoll Ausstatter und Zulieferer dem Verband den Rücken. Davon erfährt keiner etwas. Diese Fahnenflucht auf den so wichtigen Schritten des Marsches zum Ziel ist sicher nicht nur eine Folge der ‚Strafgebühr für Nicht-Call Center‘ in der CCF-Beitragsstruktur, sondern auch ein Echo des Gefühls, ein Mitglied zweiten Grades und sowieso vordergründig nur aus Vertriebsaspekten im Verband engagiert zu sein. Auch wenn der Vorwurf teilweise berechtigt sein mag, so kommen wir doch hier zum ersten Mal mit einem wesentlichen Verbandsbenefit in Kontakt: Dem konkreten Nutzen für das jeweilige Mitglied. Und der kann nun mal sehr unterschiedlich gelagert sein“, schreibt Fojut.

Weiter heißt es, dass der, der etwas bewegen will, Budgets benötigt: „Und die nötigen finanziellen Mittel erhält das CCF über Ihre Mitgliedschaft, denn nur so können wir eine effiziente Arbeit für Sie gewährleisten.“ Für einen Spendenaufruf sei diese Handlungsanweisung etwas zu salopp formuliert, moniert die Chefredakteurin. „Für einen geldwerten Mitgliedsbeitrag darf mit gutem Recht ein spürbarer Gegenwert erwartet werden. Ein Nutzen, der das eigene (zeitliche und finanzielle) Engagement gegenüber sich selbst (und gegenüber den eigenen Vorgesetzten) zu verargumentieren vermag. Die Vorstände fragen: ‚Warum ist ein Unternehmen, das über sechs- oder siebenstellige Call Center-Budgets pro Jahr umsetzt oder ausgibt noch nicht Mitglied im Call Center Forum?‘ Sie antworten sich selbst: ‚Weil der Nutzen nicht erkannt wird.‘ Oder doch eher weil er schlichtweg für sie nicht vorhanden beziehungsweise nicht greifbar ist“, fragt Fojut.

Die Redaktion habe sich die Frage gestellt, ob sich ein Fachmagazin überhaupt aktiv ins Verbandsleben integrieren soll. „Auf der einen Seiten stehen wir für neutrale Berichterstattung und lehnen durch uns initiierten Lobbyismus ab, auf der anderen Seite sind wir wahlberechtigtes Mitglied und geben mit unserer Stimme damit auch die künftige Marschrichtung vor. Mit Berücksichtigung auf die eingangs formulierten Punkte haben wir uns diese Frage erneut gestellt und sind nun zur Entscheidung gelangt, die aktive Verbandsarbeit nicht weiter zu führen, sondern – im Zuge unserer Informationspflicht – nur noch als Beobachter zu begleiten“, teilt Fojut mit.

„Schade, denn die Branche braucht Schulterschlüsse. Und da kann die enge Zusammenarbeit zwischen Fachpresse und Interessenvertretungen eher förderlich sein. Als Beispiel nenne ich die jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit des Fachmagazins ‚Absatzwirtschaft‘ mit den Marketingclubs (organisiert in der Deutschen Marketing-Vereinigung e.V., Düsseldorf). Unter einer solchen Zusammenarbeit muss ja nicht zwangsläufig die kritische Berichterstattung leiden“, kommentiert Günter Greff in seinem Beratungsbrief Call Center Experts.