Warum Deutschland eine echte Technologie-Strategie braucht – und keine Sonntagsreden #BTW2025

Deutschland ist kein Innovationsversager. Deutschland ist Deep Tech. Wer verstehen will, worauf unsere wirtschaftliche Stärke basiert, muss sich die Wertschöpfungsketten ansehen – nicht die bunten Logos der Tech-Konzerne, die an der Oberfläche glänzen.

Das iPhone? Apple-Produkt, klar. Aber ohne die deutsche Präzisionsfertigung für Halbleiter, die Laser von Trumpf, die Optiken von Zeiss? Unmöglich.
Extreme Ultraviolette Lithografie? Klingt nerdig, ist aber die Grundlage jedes modernen Mikrochips – und ohne deutsche Hightech-Technologien würde ASML keine einzige Maschine ausliefern.
Künstliche Intelligenz? LSTM, entwickelt von einem deutschen Forscher, steckt in drei Milliarden Smartphones.
5G-Modem im iPhone? Teilweise gefertigt in München und erst am Mittwoch vorgestellt – eine „monumentale technische Errungenschaft“ laut Apple (Quelle).
Deep Tech ist unser Ding.

Warum dann die Flaute?

Wenn Deutschland so stark in Deep Tech ist – warum fühlt es sich dann so an, als ob wir ständig den Anschluss verlieren? Warum reden alle über den Standortvorteil der USA, die Milliarden in KI pumpen, über China, das Technologiemärkte kolonialisiert, über Frankreich, das 2019 ein staatlich finanziertes Deep-Tech-Programm aufgesetzt hat, während wir uns noch immer in endlosen Debatten über Bürokratieabbau verlieren?

Weil Deep Tech langfristige, strategische Investitionen braucht. Weil man nicht nur Forschungsförderung machen kann, sondern auch den Transfer in industrielle Anwendungen organisieren muss. Weil es nicht reicht, technologische Kompetenz zu haben – man muss sie auch zum wirtschaftlichen Vorteil nutzen.

Und genau daran hapert es.

Die Sonntagsreden-Falle

Die Bundestagswahl naht. Technologiepolitik? Steht in jeder Erklärung. Digitalisierung? Alle dafür. Innovationen fördern? Unbedingt.

Aber dann? Kaum jemand hat eine Antwort darauf, wie das konkret funktionieren soll. Es bleibt bei Schlagworten, Phrasen, wohlmeinenden Erklärungen. Doch wo ist der Plan, der über Ankündigungen hinausgeht?

Deep Tech braucht eine wirtschaftspolitische Strategie

Wir brauchen nicht nur Forschung. Nicht nur Startups. Nicht nur Subventionen.
Wir brauchen eine Gesamtagenda für Deep Tech.

Das bedeutet:

  • Einen strategischen Deep-Tech-Fonds von mindestens 10 Milliarden Euro. Nicht zum Zuschütten von Projekten, sondern für gezielte Investitionen in industrielle Hochtechnologien.
  • Technologie-Hubs mit echter Skalierungskraft. Tech-Standorte, die Forschung, Unternehmen und Kapitalgeber an einem Ort bündeln.
  • Ein Wagniskapital-System, das Deep Tech ernst nimmt. Deutschland braucht mehr privates Kapital für Hochtechnologien, nicht nur Software-Investitionen.
  • Eine wirtschaftspolitische Führung, die versteht, wie Technologie Märkte verändert. Kein Zögern, kein Verwalten, sondern eine klare Strategie für industrielle Zukunftsmärkte.

Deutschland kann Deep Tech – aber will es auch?

Wir haben alles, was es braucht.
Wir haben die Ingenieure, die Forscher, die Hidden Champions, die Deep-Tech-Pioniere.
Was fehlt, ist eine wirtschaftspolitische Führung, die nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.

Es geht nicht darum, dass Deutschland „aufholen“ muss. Es geht darum, dass Deutschland die Führung übernehmen muss.

DEEP TECH ODER DEEP FAKE?

Die Bundestagswahl ist der Moment der Entscheidung. Oder auch nicht.

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