MATCHA.


Das Getränk, das aussieht wie Algenpest im Infinity-Pool von Bali, aber verkauft wird wie flüssige Erleuchtung. Man trinkt es nicht, man lebt es. Matcha Latte. Iced Matcha Latte. Matcha mit Mango, mit Vanille, mit Einhornschäumen. Der Becher wird hochgehalten wie einst das Feuerzeug beim Rockkonzert. Heute: 300 Milliliter Zen, grün wie die Spinatreste aus Popeyes Zahnlücke.

Die Community: jung, schön, immer leicht dehydriert, aber mit perfekt geschäumtem Pulver im Glas. Hashtags? #cleangirlaesthetic #wellnessroutine #matchaovermatter. Früher hast du dich an der Theke gefragt, ob du noch ein Kölsch verträgst. Heute fragst du dich: „Passt mein Nagellack zu meinem Ceremonial Grade?“

Ceremonial Grade! Das klingt nach Vatikan-Qualitätssiegel oder wenigstens nach Dschungelprüfung. In Wahrheit nur: Erster Frühlingstee, gemahlen, bis die Mühle quietscht. Aber hey – Ceremonial! So wie „Deluxe“ beim Dönerteller.

Und jetzt überall Matcha:

  • Matcha-Schokolade (schmeckt wie Pistazie im Zeugenschutzprogramm)
  • Matcha-Zahnpasta (für grüne Selfies beim Zähneputzen)
  • Matcha-Deo (weil selbst die Achseln Detox brauchen)
  • Matcha-Katzenstreu (Achtsamkeit beginnt im Katzenklo)

Workshops gibt’s auch: „Wie schlage ich meinen Matcha richtig?“ (mit Bambusbesen, nicht mit dem Ex). Wassertemperatur: 75 Grad, sonst stirbt die Seele des Tees. Leute, wir reden hier von Grünzeug, nicht von der NASA-Mission zum Mars!

An der Tankstelle: Matcha-Energy-Shots neben Red Bull. Im Baumarkt: Matcha-Lasur für die Terrasse. Auf der Fashion Week: Models, die statt Champagner grüne Suppe schlürfen und dabei aussehen wie frisch aus einem Mangafiebertraum.

Natürlich, Matcha ist gesünder als Kaffee. Sagen die gleichen Leute, die Smoothies mit 400 Gramm Zucker in den Adern spazieren fahren. Und wenn’s morgen heißt, Matcha sei schlecht für die Aura? Dann gibt’s eben Hōjicha. Pulverisierter Röstrasen. Farbe: braun wie alte Parkettfugen. Geschmack: nussig-problematisch.

Aber egal. Bis dahin: Matcha, Baby. Ein Lifestyle so künstlich wie die Filter, die ihn groß gemacht haben. Und irgendwo in Kyoto sitzt ein alter Mönch, der denkt: „Ihr seid alle komplett irre.“

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.