Höhenwindräder als Kathedralen der Energiewende #GreenMonday #Sprunginnovationen

Interview mit Ingo Senftleben über das Höhenwindrad-ProjektGreen Monday Dresden: Fokus auf Nachhaltigkeit, Innovation und regionale Lösungen

Frage: Herr Senftleben, das Höhenwindrad, das Sie auf dem Green Monday in Dresden vorstellen, klingt zunächst wie eine beeindruckende technische Neuerung. Was zeichnet dieses Projekt aus?

Antwort: Es handelt sich tatsächlich um eine neue Dimension der Windenergie. Unser Höhenwindrad wird das höchste der Welt sein, mit einer Nabenhöhe von 300 Metern und einer Gesamthöhe von 350 Metern bis zur Blattspitze. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist gerade einmal 157 Meter hoch. Diese enorme Höhe ermöglicht es uns, den Energieertrag erheblich zu steigern. Tatsächlich können wir mehr als die doppelte Menge an Energie im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen gewinnen. Damit erreichen wir eine höhere Effizienz und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende.

Frage: Welche Vorteile bietet das Höhenwindrad gegenüber konventionellen Windkraftanlagen?

Antwort: Ein entscheidender Vorteil ist die Möglichkeit, diese Anlagen in bestehenden Windparks zu installieren, quasi als „zweite Etage“. Das reduziert den Flächenbedarf erheblich und steigert die Akzeptanz in der Bevölkerung. Zudem erlaubt die Höhe eine bessere Nutzung von konstanten und stärkeren Windströmen. Unsere Forschung hat außerdem gezeigt, dass in diesen Höhen weniger Tiere wie Fledermäuse betroffen sind, was einen weiteren ökologischen Vorteil darstellt.

Frage: Welche technischen Herausforderungen bringt ein Projekt dieser Größenordnung mit sich?

Antwort: Die technischen Anforderungen sind enorm. Die Winde in diesen Höhen sind deutlich stärker, was spezielle statische Berechnungen erfordert. Unsere Ingenieure haben über zehn Jahre an diesem Konzept geforscht, um die notwendige Stabilität und Effizienz sicherzustellen. Das Höhenwindrad wird in einer Gittermaststruktur gebaut, ähnlich wie bei Strommasten. Eine besondere Herausforderung war die Installation der Turbine. Da es in Deutschland keinen Kran gibt, der auf 300 Meter Höhe arbeiten kann, haben wir ein innovatives Hebesystem entwickelt. Der innere Mast funktioniert wie ein Fahrstuhl, der die Turbine nach oben transportiert und bei Wartungsarbeiten wieder absenkt.

Frage: Wie tragen Sie zur Nachhaltigkeit und Regionalisierung bei?

Antwort: Ein großer Teil der Wertschöpfung findet direkt vor Ort statt. Die Gittermaststruktur wird beispielsweise von Unternehmen aus der Region gefertigt, was die Transportwege reduziert und die lokale Wirtschaft stärkt. Zudem können die Anlagen in windschwachen Regionen wie Bayern eingesetzt werden, wo klassische Windkraftanlagen weniger effektiv wären. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Dezentralisierung der Energieversorgung.

Frage: Welche Bedeutung hat das Projekt für die Energiewende und die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Antwort: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Menschen vor Ort eingebunden werden. Mit unseren Anlagen schaffen wir lokale Arbeitsplätze und wirtschaftliche Anreize. Gleichzeitig ermöglichen wir den Gemeinden und Unternehmen, durch die direkte Nutzung des vor Ort produzierten Stroms Kosten zu senken. Wir verfolgen zudem das Konzept von „grünen Kraftwerken“, bei dem verschiedene erneuerbare Energiequellen kombiniert werden, um eine konstante Energieversorgung zu gewährleisten.

Frage: Sie sprechen von „grünen Kraftwerken“. Wie funktioniert dieses Konzept?

Antwort: Die Idee ist, Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher zu kombinieren, um eine grundlastfähige Energieversorgung zu schaffen. Durch die Nutzung verschiedener Energiequellen und deren Ergänzung über das Jahr hinweg können wir eine konstante Stromversorgung sicherstellen. Dies ist ein entscheidender Schritt, um fossile Energieträger vollständig zu ersetzen.

Frage: Wie sehen die nächsten Schritte für das Höhenwindrad aus?

Antwort: Die erste Anlage wird derzeit in Südbrandenburg gebaut und soll bis Herbst nächsten Jahres ans Netz gehen. Ziel ist es, in Deutschland bis 2030 insgesamt 1.000 Höhenwindräder zu installieren, was ein zusätzliches Energiepotenzial von 15 Gigawatt schaffen würde.

Frage: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI in Ihrem Projekt?

Antwort: Digitalisierung und KI sind essenziell für die Planung, den Betrieb und die Optimierung unserer Anlagen. Sie helfen uns, den Energiefluss effizient zu steuern, die Sicherheit zu gewährleisten und den Ertrag zu maximieren. Gleichzeitig ermöglichen sie datenbasierte Entscheidungen, die uns helfen, die Anlagen kontinuierlich zu verbessern.

Frage: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein?

Antwort: Wir stehen erst am Anfang. Die Forschung und Entwicklung wird weitergehen, um die Technologie noch effizienter und kostengünstiger zu machen. Die Nachfrage, sowohl national als auch international, ist groß, und wir sind überzeugt, dass das Höhenwindrad eine Schlüsselrolle in der globalen Energiewende spielen wird.

Ihr könnt Ingo Senftleben live erleben auf dem Green Monday in Dresden:

Teilnahme via Zoom: https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZcpfuuhqjwuHNW0omlPOgq60Th6IauaPgHg#/registration

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