
Da wir am Wochenende auf der Europa-Konferenz in Berlin im Einsatz sind, veröffentlichten wir schon am Donnerstag den Sohn@Sohn-Newsletter: Wir blicken schon jetzt auf eine weitere wichtige Veranstaltung in Berlin, die vom 7. bis 9. November stattfindet. Die Smart Country Convention. Das Motto ist reizvoll: Drei Tage Kongress, Expo, Workshops & Networking für Bürokratiebändiger, Fax-Verweigerer, Digitalisierungs-Fans und alle die es noch werden wollen.
Dazu passt ein Autorengespräch, das wir mit Professor Gottfried Richchenhagen geführt haben. Er ist Co-Herausgeber des Buches „Public Management im Wandel“.

Die Defizite auf dem Weg zum Digitalen Staat sind offensichtlich. Die Corona-Pandemie hat die Mängel in der Verwaltung deutlich gemacht. Es geht nicht nur um Kontaktnachverfolgungen oder Meldungen von Neuinfektionen. Es müssen grundlegende Verwaltungsabläufe neu definiert und benutzerfreundlicher gestaltet werden, sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für die Beschäftigten.
Richenhagen stellt nüchtern fest, dass die technische Modernisierung hinterherhinkt. Er warnt davor, dass keine grundlegenden Veränderungen in Sicht sind. Zu viel Bürokratie, zu viele Zuständigkeiten und der Datenschutz könnten den Erneuerungsprozess erheblich verlangsamen.
Richenhagen bringt Erfahrung aus beiden Welten mit. Er war elf Jahre im Arbeitsministerium von Nordrhein-Westfalen tätig und kennt die praktischen Herausforderungen der Verwaltung. Als Mathematiker und ehemaliger Unternehmensberater hat er den Blick fürs Große und Ganze und die analytischen Fähigkeiten, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen.
Richenhagen lacht, als er auf die Überschrift „Die technische Modernisierung hinkt hinterher“ angesprochen wird: „Ein Oxymoron.“ Doch er sieht auch Chancen. „Es zeichnet sich keine durchgreifende Veränderung ab.“
Mit seinem Institut für Public Management an der FOM Hochschule in Essen setzt er Projekte um, die die Agilität in Verwaltungen fördern sollen. „Agilität bedeutet nicht nur Technologie. Es geht um Menschen, Prozesse und die richtige Organisationskultur“, betont er.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein zentrales Thema. Die Herausforderungen des Klimawandels, der Demographie und der fortschreitenden Urbanisierung können nicht allein mit der herkömmlichen bürokratischen Denkweise bewältigt werden. Es sind neue Formen der Zusammenarbeit, Vernetzung und Innovation gefragt.
Die Bedeutung von qualifiziertem und ausreichendem Fachpersonal ist ein weiterer Punkt. In einer Zeit, in der sich Technologie rasant entwickelt und immer komplexere Herausforderungen auf die Verwaltung zukommen, wird das Know-how und die Fähigkeit, sich ständig weiterzubilden und anzupassen, immer wichtiger.
Es ist notwendig, die Mitarbeiter nicht nur in den technischen Aspekten zu schulen, sondern auch in Soft Skills wie Kommunikation, Problemlösung und kritischem Denken. Sie müssen in der Lage sein, sich in einer sich ständig verändernden digitalen Landschaft zurechtzufinden.
Die Kultur der Beteiligung ist ein weiteres zentrales Thema. In einer Zeit, in der die Bürgerinnen und Bürger immer vernetzter und informierter sind, ist es unerlässlich, sie in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Smart Cities sollten nicht nur technologisch fortschrittlich sein, sondern auch bürgernah. Die Technologie sollte zum Wohle der Menschen eingesetzt werden und nicht umgekehrt.
Es ist klar, dass die öffentliche Verwaltung vor enormen Herausforderungen steht. Aber mit der richtigen Vision, den richtigen Ressourcen und einer starken Führung können diese Herausforderungen gemeistert werden.
Entscheidend ist es, eine Mentalität des Lernens und der Entwicklung zu etablieren, anstatt sich auf festgelegte Fähigkeiten zu verlassen. Agil orientierte Personen sind eher bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, Feedback anzunehmen und sich kontinuierlich weiterzubilden. Dies steht im Gegensatz zu einem festen Mindset, bei dem man glaubt, dass die Fähigkeiten festgelegt sind und sich nicht ändern können.
In der Theorie wird erwartet, dass sich Mitarbeiter weiterentwickeln und permanent lernen. Doch wenn man sich die tatsächlichen Anreize ansieht, wie zum Beispiel die leistungsorientierte Bezahlung, erscheinen diese eher ironisch. Viele Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung fühlen sich durch das Bewertungssystem nicht fair behandelt.
Leistungsorientierte Bezahlung, oft einfach als „Lob“ bezeichnet, wird in vielen Fällen lediglich als gleichmäßige Verteilung des verfügbaren Budgets auf alle Mitarbeiter implementiert, unabhängig von individuellen Leistungen. Es fehlt an Mechanismen, um besondere Leistungen zu würdigen und Mitarbeiter für ihre Beiträge zum Gesamterfolg zu belohnen.
Welche Themen sollten wir – also Sohn@Sohn – vor und während des Kongresses „Smart Country Convention“ zum Digitalen Staat aufgreifen?
Jetzt geht es zur EUROPA-KONFERENZ „NEUE HORIZONTE FÜR EUROPA: GEMEINSAM DEN WANDEL GESTALTEN“. Man hört, sieht und streamt sich in Berlin vom 13. bis 15. Oktober.
Es wird alles live übertragen. Hier ist die virtuelle Programmzeitschrift 🙂