
Welche Frage entscheidet 2027 über die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands? Das Smarter Service Institut ruft Unternehmer, Geschäftsführer, Vorstände und Fachverantwortliche dazu auf, das Thema der nächsten Studie „Digitale Vorreiter im Mittelstand“ festzulegen. Das Voting ist ab sofort geöffnet. Die Ergebnisse der sechsten Studienwelle erscheinen im April 2027 zum Ludwig-Erhard-Gipfel.
Zur Wahl stehen fünf Themen: „Weltklasse-Wertschöpfung – Die Wandlungskraft des deutschen Mittelstands“, „Die produktive Transformation – Wie aus Digitalisierung endlich Rendite wird“, „Aufholjagd DE – Wo die Wachstumsreserven im Mittelstand wirklich liegen“, „Souveränität im deutschen Mittelstand – Made by Europe als Führungsfrage“ und „Auf Sieg spielen – Was die produktivsten Mittelständler strukturell anders machen“.
Hinter dem Voting steht eine offene wirtschaftliche Frage: Beruht der Vorsprung erfolgreicher Mittelständler auf ihren Technologien, ihrer Spezialisierung oder auf der Fähigkeit, ihre Wertschöpfung unter veränderten Bedingungen neu zu organisieren?
„Wandlungskraft könnte der eigentliche Wettbewerbsvorteil des deutschen Mittelstands sein. Empirisch belegt ist diese These bislang nicht. Deshalb stellen wir sie gemeinsam mit vier weiteren Themen zur Abstimmung“, erklärt Studienleiter Bernhard Steimel. „Die Unternehmen sollen entscheiden, welche Frage wir mit Tiefeninterviews untersuchen und mit belastbaren Ergebnissen in die wirtschaftspolitische Debatte einbringen.“
Deindustrialisierung als wirtschaftliche Neuordnung
Zusätzliche Brisanz erhält die Themenwahl durch eine These des Hidden-Champions-Forschers Hermann Simon. Der emeritierte Professor für Betriebswirtschaftslehre und Mitgründer von Simon-Kucher hält eine moderate Deindustrialisierung Deutschlands für sinnvoll.
Deutschland erwirtschaftet weiterhin einen ungewöhnlich hohen Anteil seiner Wertschöpfung in der Industrie. Simon verweist auf rund 24 Prozent. Die Vereinigten Staaten erreichen gut zehn Prozent, Frankreich und Großbritannien etwa zwölf Prozent. Diese Länder wollen industrielle Kapazitäten zurückgewinnen. Deutschland muss nach Simons Auffassung prüfen, welche Produktionen langfristig Wertschöpfung sichern und wo Energie, Kapital sowie Fachkräfte produktiver eingesetzt werden können.
Seine Forderung lautet: „Wir brauchen eine gewisse De-Industrialisierung.“ Energieintensive und austauschbare Produktion könne an Bedeutung verlieren, während Deutschland seine Position in Deep Tech, Präzisionstechnik, Optik, Lasertechnik, Spezialchemie, Automatisierung und industrieller Software ausbaut.
Der Rückzug aus einzelnen Produktionsfeldern beschreibt dabei keinen automatischen Niedergang. Deutschland hat seit den sechziger Jahren große Teile des Bergbaus, der Textilwirtschaft, der Schwerindustrie und der Kameraproduktion verloren. Zugleich entstanden neue Branchen, Dienstleistungen und technologische Kompetenzen.
Die unsichtbare Wertschöpfung hinter globalen Marken
Am Beispiel Apple zeigt sich die deutsche Position in internationalen Wertschöpfungsketten. Der Konzern kontrolliert Marke, Endprodukt und Kundenzugang. Zahlreiche deutsche Unternehmen liefern Spezialklebstoffe, Sensoren, Fertigungsanlagen, Software und weitere Schlüsselkomponenten.
Ähnliches gilt für die Halbleiterindustrie. Die hochkomplexen Produktionssysteme des niederländischen Konzerns ASML hängen von Lasertechnik des deutschen Unternehmens Trumpf und optischen Systemen von Zeiss ab. Viele deutsche Weltmarktführer arbeiten weit entfernt von den Konsummärkten. Ihre Technologien entscheiden über Leistung, Präzision und Skalierbarkeit der sichtbaren Endprodukte.
Diese industrielle Tiefe erhält auf Konferenzen und in öffentlichen Debatten wenig Raum. Dort dominieren häufig Beispiele wie Uber, Instagram, ChatGPT oder SpaceX. Die Studienreihe richtet den Blick auf Unternehmen wie Trumpf, Multivac, Zeiss, DELO und zahlreiche unbekanntere Spezialisten, die globale Produktionssysteme prägen.
Mehr als 500 CxO-Interviews seit 2018
Das Smarter Service Institut untersucht die digitale und organisatorische Entwicklung des Mittelstands seit 2018. Fünf Studien, mehr als 500 CxO-Interviews und über 10.000 Leser bilden die Grundlage der Reihe „Digitale Vorreiter im Mittelstand“.
Im aktuellen Voting ordnen die Teilnehmer zunächst ihr Unternehmen und ihre berufliche Rolle ein. Anschließend wählen sie das aus ihrer Sicht dringlichste Studienthema für 2027. Name und E-Mail-Adresse werden durch das Formular nur erfasst, wenn die Teilnehmer diese Angaben selbst eintragen.
Zusätzlich können Interessierte angeben, ob sie sich als Interviewpartner, Themenpate oder Studienpartner an der sechsten Welle beteiligen möchten.
Das Voting läuft bis zum 30. September 2026.
Jetzt abstimmen: https://forms.office.com/pages/responsepage.aspx?id=_pGM70kC4kyVPHP-jmXDGjE4d7yMO8dPh93fkyCXSrlUQ0lGQ1NTNjZLRzBVQ09XTUc3S0U1V09KSS4u&route=shorturl
Siehe auch unseren Sohn@Sohn-Newsletter: https://www.linkedin.com/pulse/die-industrie-nach-der-gunnar-sohn-0bwze/