Zwischen Generationenwechsel und Investitionsflaute #KfW #Mittelstandspanel @Bundeskanzler @KfW_Research

Das neue KfW-Mittelstandspanel zeigt ein Deutschland, das trotz Rezession noch atmet – aber leise. Der Mittelstand hält Kurs, doch der Wind frischt auf. Hinter stabilen Zahlen verbirgt sich eine ökonomische Ermüdung, die weniger mit Konjunkturzyklen als mit Demografie, Bürokratie und einer strukturellen Verzagtheit zu tun hat.

Die Bilanz für 2024 liest sich zunächst solide: Die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen stiegen nominal um zwei Prozent auf 5,2 Billionen Euro, preisbereinigt ergibt sich ein Minus von einem Prozent. Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf ein Rekordniveau von über 33 Millionen Menschen – das sind sieben Millionen mehr als vor zwanzig JahrenKfW-Mittelstandspanel 2025. Ein beeindruckender Befund in einem Land, das sich seit Jahren in der Wachstumsstagnation eingerichtet hat.

Doch in dieser Stabilität liegt ein Paradox. Denn der Mittelstand investiert kaum noch. Nur 39 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Jahr Investitionsprojekte umgesetzt – ein Wert nahe dem AllzeittiefKfW-Mittelstandspanel 2025. Das Investitionsvolumen stagniert, die Modernisierung stockt, und die Produktivität wächst nur noch im Schneckentempo. Was wie eine vorsichtige Anpassung an unsichere Zeiten aussieht, ist in Wahrheit ein Symptom tiefer liegender Strukturen.

Demografie als Wachstumsbremse

Mit zunehmendem Alter der Unternehmer sinkt die Bereitschaft zu investieren – ein wiederkehrendes Muster, das die KfW-Analysen seit Jahren dokumentieren. Das Durchschnittsalter der Inhaberinnen und Inhaber liegt heute bei über 54 Jahren, in vielen Branchen deutlich höher. Wer über Jahrzehnte aufgebaut hat, riskiert am Ende selten noch große Sprünge. Investitionen rechnen sich nur, wenn man sie noch selbst ernten will.

Auf meine Frage, ob diese Altersstruktur nicht die eigentliche Wachstumsbremse sei, antwortete KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher mit einem Satz, der zum Kern der Sache führt:
„Immer dann, wenn die Nachfolge gelingt, steigt auch die Investitionsbereitschaft sofort wieder.“

Das ist der entscheidende Punkt: Nachfolge ist kein administrativer Vorgang, sondern ein psychologischer Kippschalter. Wo ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin das Ruder übernimmt – sei es aus der Familie, durch ein Management-Buy-out oder einen externen Erwerb –, beginnt fast reflexartig ein neuer Investitionszyklus.

Die Nachfolge als Konjunkturprogramm

Die KfW betreibt dafür seit einiger Zeit ein spezielles Nachfolgeportal, das Unternehmerinnen und Unternehmer auf der Suche nach geeigneten Nachfolgern unterstützt. Es ist mehr als eine digitale Plattform – es ist ein wirtschaftspolitisches Instrument. Denn die Dimension des Problems ist immens: Schätzungen zufolge stehen in den nächsten fünf Jahren über 500.000 Unternehmen vor der Übergabe. Jeder zweite Inhaber über 60 hat noch keinen Nachfolger gefunden.

Bleibt diese Lücke bestehen, droht der Mittelstand in eine demografische Schere zu geraten: oben das Kapital, das mangels Perspektive brachliegt; unten die Talente, die keine Unternehmen finden, die sie übernehmen können. Wer die Nachfolge nicht organisiert, verliert nicht nur Firmen, sondern ganze Wertschöpfungsketten – vom Zulieferer bis zum Ausbildungsbetrieb.

Hier liegt ein klarer Auftrag an die Wirtschaftspolitik der neuen Merz-Regierung: Deutschland braucht nicht nur mehr Gründer, sondern auch Protagonisten der Nachfolge. Die klassische Gründungsförderung greift zu kurz, wenn sie nicht zugleich die Unternehmensübergabe als Form des Neuanfangs begreift.

Von der Stabilität zur Erneuerung

Die Zahlen des KfW-Mittelstandspanels belegen: Die Eigenkapitalquote bleibt mit 30,7 Prozent stabil, die Rentabilität liegt bei soliden sieben Prozent, die „Zombiequote“ – Unternehmen mit kritischer Schuldentragfähigkeit – beträgt nur 3,6 ProzentKfW-Mittelstandspanel 2025. All das zeigt die finanzielle Robustheit der deutschen KMU. Doch finanzielle Stabilität ist nicht dasselbe wie Zukunftsfähigkeit.

Investitionen sind die Sprache des Vertrauens in die Zukunft. Wenn sie ausbleiben, spricht das Bände über die Unsicherheit im System. Die Demografie ist dabei kein Schicksal, sondern ein Gestaltungsfeld: Jede gelungene Nachfolge verwandelt Stillstand in Bewegung, Kapital in Kreativität.

Die Aufgabe der kommenden Jahre

Das KfW-Mittelstandspanel 2025 ist nicht nur ein Konjunkturbericht, sondern ein Spiegel der Generationenökonomie. Es zeigt, dass Wachstum in Deutschland nicht an fehlenden Ideen, sondern an fehlender Übergabe scheitert. Die Investitionsquote wird erst dann wieder steigen, wenn die Nachfolgefrage als nationale Zukunftsaufgabe begriffen wird.

In den Händen der Merz-Bundesregierung liegt es, die Weichen zu stellen: weniger Regulierung, mehr Vertrauen, steuerliche Anreize für Übergaben – und eine Kultur, die Nachfolge nicht als Abschied, sondern als Anfang versteht. Nur dann wird aus der stabilen Gegenwart wieder eine investive Zukunft.

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