Schufa-Scoring oder: Wenn Pressestellen gar nichts wissen

Pressestelle weiß gar nichts
Pressestelle weiß gar nichts

Angeregt durch einen kritischen WDR-Bericht über die Rolle von Auskunftsdiensten wie die Schufa AG, plane ich für meine morgige The European-Kolumne einen Bericht über die Methoden zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Privatleuten und Firmen. Und da spielt in Deutschland die Schufa-Auskunft eine herausragende Rolle.

Die Konsequenzen beim so genannten Scoring können ähnlich unangenehmen für Einzelne sein, wie das Urteil von Rating-Agenturen über Länder wie Griechenland oder Spanien.

Also rief ich die Pressestelle der Schufa AG an, um mehr über das Geschäftsgebaren der mächtigen Auskunftei zu erfahren. Sofort sagte mir die Pressesprecherin, dass ich das schriftlich machen solle. Das ist kein Problem, nur benötige ich die Antworten bis spätestens 16 Uhr, da ich meine Kolumne bis 18 Uhr abliefern muss. Ich fragte die Dame, ob es nicht möglich wäre, mir ein paar grundlegende Fragen auch am Telefon zu beantworten, etwa über den Jahresumsatz, der auf der Website mit 120 Millionen Euro angegeben wird. Auf welches Jahr bezieht sich die Zahl, fragte ich. „Das wird wohl das vergangene Jahr sein“, antwortete die Sprecherin. Aber da müsse sie noch einmal nachfragen. Am besten sei es, wenn ich das schriftlich fragen würde. Jetzt blickte ich noch einmal genauer auf die Daten und Fakten der Schufa und erkannte, dass sich der Umsatz auf das Jahr 2012 – eigene Blödheit. Aber die Sprecherin wusste es auch nicht.

Dann stellte ich der Pressesprecherin noch eine Frage zum Jahresgewinn und zur Gewinn-Ausschüttung an die Aktionäre (Banken, Sparkassen und so). Das sollte sich schriftlich anfragen, sie müsse das in den Fachabteilungen recherchieren. Die gleiche Antwort erhielt ich zur Info auf der Website über die Zahl der Mitarbeiter, die an fünft Standorten bei 700 (!) liegen soll. Sind das alles festangestellte Mitarbeiter. Das müsse ich schriftlich anfragen, sie müsse das erst klären. Ich beendete das Gespräch mit dem Bemerkung, dass sie ja wenig über ihr eigenes Unternehmen wisse. Geschenkt. So musste ich nun meine Fragebatterien in einer E-Mail festhalten. Bin gespannt, ob ich heute noch Antworten erhalte.

Hier sind meine Fragen:

1. Der Jahresumsatz wird auf Ihrer Website mit rund 120 Millionen Euro beziffert. Welches Jahr? (Frage war überflüssig – siehe oben).

2. Wie hoch ist der Jahresgewinn?

3. An fünf Standorten arbeiten für die Schufa 700 Mitarbeiter – wie viele davon sind fest angestellt, wie viele freiberuflich und welche Funktionen haben diese Mitarbeiter?

4. Für das so genannte Scoring-Verfahren setzen sie mathematisch-statistische Verfahren ein – auf ihrer Website erläuterneine sie nicht, nach welchem statistischen Prognoseverfahren gearbeitet wird: a) Mit welchem Verfahren arbeiten sie genau? b) Könnten sie mir eine Beispielrechnung schicken?

5. Informieren sie Privatleute und Firmen aktiv, wenn sich ein Scoringwert verschlechtert und damit die Kreditwürdigkeit runter gestuft wird?

6. Wie verifizieren sie die Rückmeldung von Banken, Händlern oder Versicherungen, wenn Informationen über nicht eingehaltene Verträge kommen?

7. Wie schließen sie Fehlerquellen aus, wenn von beispielsweise von einer Bank die Rückmeldung eines abgeschlossenen Kreditvertrages kommt, aber in Wahrheit nur eine Anfrage getätigt wurde?

8. Wie stellen sie sicher, das Informationen zeitnah gemeldet werden? Häufig wird beispielsweise von Banken versäumt, Informationen über einen abbezahlten Kredit zu melden. Bei ihnen läuft der Kunde dann also noch als Schuldner, obwohl er gar kein Schuldner mehr ist – was sich negativ auf den Scoring-Wert auswirken dürfte.

9. Ab welchem Prozentwert ist man denn nicht mehr kreditwürdig?

10. Statistische Prognosemodelle sind höchst fehleranfällig, was man am Aktienmarkt jeden Tag beobachten kann. Wie gehen sie mit eigenen Fehlern um? Wird ein Kunde, dessen Scoring-Wert sie falsch bzw. zu negativ berechnet haben, entschädigt?

11. Müsste es nicht eine Beweislast-Umkehr geben, wenn sie mit den Daten von Privatleuten und Firmen Geld verdienen? Also sie müssten mich als Betroffenen aktiv informieren, wenn sich mein Scoring-Wert verschlechtert und mir alle Informationen zur Verfügung stellen, wie ihr Rechenmodell aussieht, welche Firmen negative Rückmeldungen gegeben haben.

12. Wie viele Scoring-Einstufungen werden beanstandet, wie viele Einstufungen landen jährlich im Durchschnitt vor Gericht? Mussten sie schon Entschädigungen wegen falscher Einstufungen zahlen?

Wenn ich keine Antworten erhalte, ist das ja auch eine Antwort. Mehr dazu morgen in meiner The European-Kolumne, wo ich mich ja über Rating-Agenturen bereits ausgelassen habe: Scharlatane mit Triple-A-Syndrom.

Wer mir kurzfristig über die Schufa und über das fragwürdige Scoring-Verfahren übermitteln möchte, ist immer willkommen. E-Mail: gunnareriksohn@gmail.com oder einfach einen Blogkommentar schreiben.