
Was macht das mit dir? Klar, das fragt sich jeder im Selfiemodus der Befindlichkeit. Handy raus, Filter drauf, Gefühl rein – fertig ist das Manifest des Ichs in drei perfekt ausgeleuchteten Sekunden. Die Wangenknochen: empathisch konturiert. Der Blick: achtsam in die Ferne gerichtet. Und der Kommentar darunter? „Fühle mich gerade so, wie ich mich fühle.“ Zack, Wackelpudding als Weltanschauung. Kein Argument, kein Widerspruch, keine weitere Diskussion. Wer fühlt, hat recht.
Doch wo Eigendiagnosen auf Wackelpudding-Diskurse treffen, da blüht die Achtsamkeitsindustrie wie nie zuvor. Die Hyperinflation der Achtsamkeitskurse sorgt dafür, dass die Innenwelten der Selfie-Befindlichkeit nicht ins Chaos abrutschen. „Achtsamkeit für Influencer“, „Mindful Swiping – wie du achtsam durch Tinder scrollst“, oder „Selfcare beim Selfie“ – es gibt für jede Befindlichkeit den passenden Workshop. Immer dabei: ein sanftes Lächeln und ein digitaler Terminkalender, der mehr Kurse enthält als deine Handy Apps.
Die Diskussionen? Wackelpudding. Alles wabert, alles bleibt weich. Statt Argumenten gibt’s die unfehlbare Selbstdiagnose: „Ich bin halt so.“ Oder: „Das macht etwas mit mir.“ Ein Kernsatz, so tautologisch wie ein Kreisverkehr ohne Ausfahrt. Und wenn jemand doch wagt, Klarheit einzufordern? Dann hilft ein Zertifikat aus dem Wochenendseminar „Argumentieren mit Empathie und Gefühl“ – inklusive Yoga für die Finger, damit der nächste Social-Media-Kommentar noch sanfter landet.
Der Selfiemodus hat die Sprache längst gekapert. „Auf Augenhöhe“, „total wichtig“, „Wir hören euch zu“ – die Floskeln sind weichgespült, glattgezogen und frei von jeder Schärfe. Was zählt, ist nicht, was gesagt wird, sondern wie es aussieht. Der Inhalt? Egal. Hauptsache, die Befindlichkeit fühlt sich gut an – am besten mit dem passenden Filter in Pastelltönen.
Und dann das große Versprechen: Achtsamkeit für alle. Doch die Inflation hat ihre Tücken. Mit jeder neuen Technik des bewussten Innehaltens wird die nächste Befindlichkeit entdeckt, die man dringend optimieren muss. „Achtsamkeit beim Scrollen durch Negativkommentare“ oder „Mindful Posing für Gruppenfotos“ – eine nie endende Spirale der Selbstoptimierung. Am Ende steht immer die gleiche Frage: „Wie geht es dir damit?“ Und die Antwort ist klar: „Achtsam wackelnd, aber immerhin mit Selfie-Ringlicht.“
Das Resultat: Ein Diskurs-Ökosystem aus wabbelndem Wackelpudding, unantastbaren Eigendiagnosen und einer Achtsamkeitsblase, die jeden klaren Gedanken sanft abfedert. Wer hier noch ernsthaft mitreden will, braucht mindestens fünf Kurse, drei Filter und ein ironisches Lächeln. Oder er stellt sich die Frage aller Fragen: „Was macht das eigentlich mit mir?“ Antwort: Wackelpudding Deluxe – Selfiestick inklusive.