Larry Schuba: Der Transit Cowboy, der Deutschlands Countrymusik prägte

Es war ein unvergesslicher Abend im Joe am Wedding, einem der legendären Berliner Clubs der 1980er Jahre. Larry Schuba und Western Union spielten live, und ich war mittendrin. Der Club vibrierte vor Energie, die Luft war schwer vom Rauch und der Euphorie der Fans. Es war nicht nur ein Konzert – es war ein Moment, der einen für immer begleitet. Als ich jetzt von Larrys Tod erfuhr (23. Juli 2023), überkam mich eine Welle von Erinnerungen an diese Nächte voller Musik, Leidenschaft und Gemeinschaft.

Larrys musikalische Reise begann Ende der 1960er Jahre in einem feuchten Keller in Berlin-Mariendorf. Mit der Gründung von Western Union 1968 legte er den Grundstein für eine Karriere, die deutsche Countrymusik neu definieren sollte. Schon früh zeigte sich sein Talent als charismatischer Bandleader und Geschichtenerzähler. Songs wie „Transit Cowboy“, „Ich möcht so gerne mal nach Nashville“ und „Der liebe Gott der muß’n Cowboy sein“ brachten das Gefühl von Freiheit und Fernweh in die deutschen Wohnzimmer – und auf die Bühnen.

Die 1970er und 1980er Jahre waren Larrys Blütezeit. Dienstagabende in der Eierschale in Dahlem waren ein festes Ritual, nicht nur für mich und meine Clique, sondern für eine ganze Generation von Fans. Woche für Woche versammelten wir uns, um Larrys markanter Stimme zu lauschen und die Geschichten zu erleben, die er erzählte. Diese Abende waren nicht nur Konzerte, sondern Lebensereignisse, die uns prägten. Seine Auftritte im Joe am Wedding oder in der Berliner Philharmonie – einer der ersten Countrybands, die dort spielte – waren Meilensteine.

Larry war mehr als ein Musiker; er war ein Pionier. Er brachte amerikanischen Country auf eine authentische deutsche Bühne und bewies mit Übersetzungen und eigenen Songs, dass diese Musik auch hier eine Heimat finden konnte. „Eigentlich brauch ich nur Dich“, ein Stück, das mit seiner Ehrlichkeit berührte (auf meiner ersten Hochzeit sang ich das gar live), oder „Tulsa Time“, das die Menge jedes Mal mitriss, sind nur einige der vielen Klassiker, die uns bis heute begleiten.

Doch es war nicht immer leicht. Der schwere Unfall 1985 in Polen, bei dem der Tourbus verunglückte, oder die Entscheidung, seinen eigenen Musikverlag zu gründen, um unabhängig zu bleiben, forderten von Larry und der Band viel. Dennoch kämpfte er weiter, mit der gleichen Leidenschaft, die ihn seit den Anfängen antrieb.

Besonders eindrücklich bleibt mir auch seine Tour durch die DDR 1989. Vierzehn Tage, die sein Leben und seine Musik veränderten. Larry begegnete Menschen, deren Geschichten und Perspektiven ihn tief prägten, und diese Erfahrungen fanden Eingang in seine Lieder.

Für mich, der ich so viele Abende mit seiner Musik erlebt habe, bleibt Larry Schuba unvergessen. Seine Konzerte waren ein Zuhause, seine Lieder eine Quelle der Inspiration. Das Album „Greatest Hits Live“ fängt genau das ein: die unvergleichliche Energie, die Verbindung zwischen Künstler und Publikum, die Geschichten, die nicht nur erzählt, sondern gelebt wurden.

Larry, deine Musik wird immer weiterklingen – in unseren Herzen, in den Clubs, in den Momenten, die du für uns geschaffen hast. Möge der Himmel voller „Dieselcowboys und Countrymusic“ sein, und mögen deine Geschichten auch dort oben ihre Bühne finden.

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