Deutschland braucht eine neue Innovationskultur: Wie die Technologieökonomik helfen kann @FraunhoferIMWL #GreenMonday

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Was steckt hinter Technologie-Ökonomik und der doppelten Transformation? Dazu befragten wir Christian Growitsch, Leiter des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie.

Die doppelte Transformation beziehe sich auf die gleichzeitige Veränderung wirtschaftlicher Strukturen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Auf der einen Seite gehe es um den Ersatz fossiler Rohstoffe und energieintensiver Prozesse durch erneuerbare Energien und nachhaltige Rohstoffe. Auf der anderen Seite gehe es um die Transformation unternehmerischer und gesamtwirtschaftlicher Prozesse hin zu digitalen Strukturen. „Diese Kombination aus Nachhaltigkeitstransformation und digitaler Transformation wird als doppelte Transformation bezeichnet. Für den deutschen Mittelstand stellt dies eine große Herausforderung dar, bietet aber auch Chancen, wenn sie schnell und effektiv umgesetzt wird“, so Growitsch.

Besonders in Anbetracht des Ukrainekrieges, der Coronapandemie und den aktuellen Problemen werde deutlich, wie brüchig diese Themen sind und wie dringend daran gearbeitet werden muss. Die Globalisierung, von der Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten profitiert hat, zeigte nun ihre Grenzen auf und offenbart die Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft. „Um diese Verwundbarkeit zu verringern, müssen wir uns von bisherigen Lieferstrukturen unabhängiger machen. Dies war ohnehin Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie, wird aber nun beschleunigt. Wir benötigen eine nachhaltige Rohstoffversorgung, um unsere industriellen Strukturen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, beim Wiederaufbau der Ukraine zu helfen“, erläutert der IMW-Leiter.

Die Technologieökonomik spiele dabei eine wichtige Rolle. Sie beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der technoökonomischen Zusammenhänge und insbesondere mit den volkswirtschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. In einer Zeit der Unsicherheit und technologischen Risiken könne die Technologieökonomik Politik und Unternehmen dabei unterstützen, die Transformation zu beschleunigen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

„Es ist wichtig, dass verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten und dass wir über den Tellerrand hinausblicken. Die Verbindung von Verteidigungsforschung und Energieversorgungssicherheit ist ein Beispiel dafür. Es müssen neue Regeln und Ansätze entwickelt werden, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig positive Impulse für Innovation und Wachstum zu generieren. Eine deutsche Version der DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) ist dabei nicht unbedingt erforderlich, aber bestimmte Elemente und Denkweisen können durchaus genutzt werden“, betont Growitsch.

Es sei auch wichtig, dass wir eine Hightech-Armee entwickeln, die sowohl militärische als auch zivile Werkzeuge nutzt. Dies könne zu einer Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und zu Innovationen führen. Allerdings müssten dafür auch die entsprechenden Regeln und Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das deutsche Haushaltsrecht und das restriktive Vergaberecht stellen hierbei oft Hindernisse dar. Es braucht eine neue Kultur der Forschungsförderung, die auch Scheitern zulässt und hochriskante Innovationen ermöglicht.

Insgesamt ist die doppelte Transformation eine große Herausforderung, aber auch eine Chance für Deutschland. Durch eine enge Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft könnten wir die Transformation beschleunigen.

Im November besprechen wir diesen Themenkomplex beim ersten in Düsseldorf.

Am 20. November 2023, um 17.30 Uhr. TechHub.K67, Kasernenstr. 67, 40213 Düsseldorf. Teilnahme kostenfrei. Jetzt anmelden.

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