
„Nein, dass sich hier irgendwo ein bedeutender Bestandteil der globalen Chipindustrie befinden könnte, auf diesen Gedanken dürften zufällige Besucher des Berliner Stadtteils Britz sicher nicht kommen,“ schreibt Michael Kroker in der WirtschaftsWoche. Britz, mein Heimatstadtteil, ist für viele vielleicht nur ein unscheinbares Wohn- und Gewerbegebiet. Doch genau hier, zwischen Tankstellen, Hufeisen-Siedlung, Hochhäusern und Autowerkstätten, schlägt ein Herz der technologischen Revolution.
Kroker beschreibt den Standort von ASML in Britz, dessen Präzisionskomponenten für die global führenden Chipmaschinen des niederländischen Unternehmens unverzichtbar sind, als überraschend unscheinbar. Hinter Glaswänden polieren Mitarbeiter Bauteile aus Hochleistungskeramiken, die so präzise gefertigt werden müssen, dass ihre Genauigkeit bis in den Sub-Nanometerbereich reicht. „Unsere Komponenten sind kritisch für die Performance des Gesamtsystems und so etwas wie ihre Herzstücke“, zitiert Kroker den ASML-Deutschlandchef Markus Matthes.
Doch Britz bietet mehr als Technologie. Der U-Bahnhof Britz Süd ist nicht nur der Ausgangspunkt in die Chip-Zukunft, sondern auch die Heimat von Arno, der laut vielen Stammgästen die beste Currywurst Berlins serviert – also Arno junior (der ist übrigens FC-Kölle-Fan). Britz vereint das Beste aus zwei Welten: Die weltweite Spitze der Deep-Tech-Innovation und eine Bodenständigkeit, die man schmecken kann.
Wie Kroker feststellt, zeigt sich hier, dass Deutschlands Stärke in der Tiefe der Wertschöpfung liegt. Während der Silicon-Valley-Fokus auf Konsumgütern ruht, wird in Britz an der Basis für zukünftige Industrien gearbeitet. Britz mag unscheinbar wirken, doch genau das macht es zu einem perfekten Beispiel für die Hidden Champions, von denen Hermann Simon so oft spricht. Hier zeigt sich: Deep Tech ist Deutschlands wahre Stärke – und Britz ein unterschätzter Standort dieser Revolution.
Oder, wie man am Currywurst-Stand von Arno vielleicht sagen würde: „Von Britz aus regiert man die Zukunft – mit Präzision und Geschmack.“
Exkurs: Deep Tech als Deutschlands Stärke – Hermann Simons Perspektive auf ASML und die unsichtbare Macht der Hidden Champions
Hermann Simon, der Chronist der Hidden Champions, beschreibt Deutschlands technologische Stärke nicht in der Sichtbarkeit, sondern in der Tiefe. Deep Tech, also tiefgreifende Technologien, die die Grundlage für industrielle Innovationen bilden, ist der Kern dessen, was Deutschland auf globaler Ebene auszeichnet. ASML, das niederländische Unternehmen, das in Britz wesentliche Komponenten für seine Chipbelichtungsmaschinen fertigt, ist ein Paradebeispiel für die Bedeutung dieser unsichtbaren Technologien.
Simon argumentiert, dass Deutschland nicht durch Konsumgüter wie Smartphones oder Social-Media-Plattformen glänzt, sondern durch seine Rolle in den Wertschöpfungsketten der Zukunft. Es sind Unternehmen wie Trumpf, Zeiss und auch der Berliner Standort von ASML, die zeigen, wie deutsche Präzisionstechnologien in globalen Systemen unverzichtbar sind. Ihre Produkte mögen unscheinbar sein, aber sie ermöglichen Durchbrüche, die die Welt verändern – von leistungsfähigeren Chips bis hin zu Fortschritten in der künstlichen Intelligenz.
ASML in Britz verdeutlicht Simons Sichtweise eindrucksvoll. Die hier gefertigten Spiegelblöcke und Waferklemmen sind zentrale Bausteine für die EUV-Lithographiemaschinen, mit denen weltweit führende Chiphersteller wie TSMC oder Samsung arbeiten. Diese Maschinen schaffen die Grundlage für immer kleinere und leistungsstärkere Transistoren, die in Smartphones, Servern und KI-Systemen verwendet werden. Doch kaum jemand nimmt diese Technologien wahr, geschweige denn weiß, dass ihre Entwicklung und Produktion in einem unscheinbaren Gewerbegebiet in Berlin stattfinden.
Simon fordert, dass Deutschland diese Erfolge stärker in den Vordergrund rückt, statt sich an den Giganten des Silicon Valley zu messen. „Es geht nicht um die nächste App oder das nächste Uber“, erklärt er, „sondern um technologische Durchbrüche, die ganze Industrien transformieren.“ ASML Berlin ist ein Beispiel dafür, wie tiefe Spezialisierung und jahrzehntelange Forschung zu einer unverzichtbaren Position in globalen Märkten führen können.
Diese Form von Deep Tech, so Simon, sei Deutschlands wahres Alleinstellungsmerkmal. Die Herausforderung liegt darin, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Stärken weiter auszubauen – sei es durch langfristige Investitionen, den Abbau von Innovationshürden oder die Förderung von Kooperationen zwischen Forschung und Industrie.
In Britz wird deutlich, wie viel Potenzial in dieser Tiefe steckt. Hier, wo Spiegelblöcke und Waferklemmen im Sub-Nanometerbereich gefertigt werden, zeigt sich: Deutschlands Stärke ist nicht laut, aber sie ist unverzichtbar. Und genau darin liegt die Zukunft des Landes.