
Szene 1 – Das Treffen
Ein düsterer Konferenzraum mit Pastellfarben. Im Hintergrund hängt ein Transparent: „GLOBAL ALLIANCE FOR ABSOLUTELY EVERYTHING“.
Greta:
Willkommen, Genossinnen, Brüder, Nichtbinäre und Algorithmische Entitäten.
Wir sind heute hier, um die Welt zu retten. Wieder.
Sprecher A:
Welche genau?
Greta:
Na, alle!
Sprecher B:
Auch die, die wir noch nicht kennen?
Greta:
Selbstverständlich. Vorausdenken ist moralische Pflicht.
Sprecher C (mit Notizblock):
Tagesordnungspunkt eins: Wer ist heute das Opfer?
Stille. Alle blättern hektisch in ihren Moral-Apps.
Sprecherin D:
Letzte Woche waren’s die Eisbären.
Greta:
Ausgeschöpft. Kein Medieninteresse mehr.
Sprecher B:
Uyghuren?
Greta (zögert):
China? Nein, da haben wir Sponsoren.
Sprecher C:
Nigeria?
Sprecherin D:
Zu weit weg. Und zu wenig WLAN.
Greta:
Dann bleibt – Gaza. Es ist immer Gaza.
Alle nicken ehrfürchtig.
Szene 2 – Die Parole
Greta:
Wir brauchen einen neuen Slogan. Der alte hat Blutspuren.
Sprecher A:
Wie wär’s mit „From the river to the sea“?
Greta:
Klingt poetisch. Was heißt das?
Sprecher A:
Na, dass alle frei sind.
Sprecherin D:
Oder tot. Je nach Übersetzung.
Greta:
Wir nehmen beides. Ambivalenz verkauft sich gut.
Social-Media-Beauftragter:
Ich mach ein Reel draus. Mit Regenbogenfilter.
Szene 3 – Der Streit
Sprecher B:
Aber Moment. Sind wir pro oder contra Israel?
Greta:
Ja.
Sprecher B:
Was heißt das?
Greta:
Komplexität! Wir sind für alle, die gegen etwas sind, das irgendwie mit Macht zu tun hat.
Sprecher C:
Aber Hamas ist doch auch Macht?
Greta:
Ja, aber mit Unterton.
Sprecher C:
Unterton?
Greta:
Ja, unterdrückter Ton. Das zählt als progressiv.
Sprecherin D:
Und was ist mit den Opfern vom 7. Oktober?
Greta:
Wir machen dazu ein Statement.
Pause.
Wenn die Stimmung wieder passt.
Sprecher B:
Nach dem nächsten Streik?
Greta:
Oder nach dem nächsten Festival.
Szene 4 – Der Philosoph tritt auf
Philosoph (mit Pfeife):
Freunde, das ist alles Symbolpolitik. Ihr seid die moralische Avantgarde des Nichts.
Greta:
Wie meinst du das?
Philosoph:
Ihr kämpft nicht gegen Ungerechtigkeit,
ihr kämpft gegen schlechte Reichweite.
Greta:
Blasphemie! Wir haben 2,8 Millionen Follower!
Sprecherin D:
Und die Hälfte davon sind Bots aus Baku.
Greta:
Aber moralisch einwandfreie Bots!
Szene 5 – Der Wal
Ein riesiger Pappwal wird hereingeschoben. Er trägt ein Namensschild: „METAPHORISCHES TIER DER EMPÖRUNG“.
Wal (mit britischem Akzent):
Entschuldigung, darf ich kurz stören? Ich sterbe hier gerade symbolisch für irgendetwas, bin mir aber nicht sicher, wofür.
Greta:
Für alles.
Wal:
Das dachte ich mir. Könnte ich wenigstens eine Pause machen?
Greta:
Nein. Wir posten dich gleich mit #SaveTheWhaleAgain.
Wal (schnauft):
Ihr Menschen seid verrückt. Früher wart ihr wenigstens Heuchler mit Stil.
Szene 6 – Das Ende
Alle versammeln sich, halten Schilder hoch: „WORLD PEACE NOW!“ – im Hintergrund explodiert irgendetwas.
Sprecher A:
War das ein Angriff?
Greta:
Nein, das war nur das neue Apple-Event.
Philosoph:
Und was machen wir jetzt?
Greta:
Dasselbe wie immer: posten, weinen, weitermachen.
Sie hebt die Faust. Musik setzt ein. Ein Chor aus Influencern singt:
🎵 We are the world, we are the likes,
we are the ones who hashtag fights. 🎵
Wal:
Oh, zum Donnerwetter…
Abblende. Ende.
Oder so: