Zwischen Spektakel und Stille: Wie Prousts Welten von Cabourg den Blick auf Gesellschaft und Selbst entlarven

Am zweiten Tag der Exkursion der Marcel-Proust-Gesellschaft führte der Besuch in der Villa du Temps retrouvé in Cabourg in eine Welt voller literarischer Schätze und privater Dokumente, die Marcel Prousts Leben und Werk lebendig werden ließen.

Der Höhepunkt der Ausstellung war ein Telegramm, das Proust 1912 aus Cabourg an seine Freundin Marie Scheikévitch schickte. Darin schrieb er: „Madame, am Samstag zu kommen ist für mich eine Freude, aber keine Gewissheit; meine im Moment so verabscheuungswürdige Gesundheit beraubt mich oft in der letzten Stunde der ersehntesten Freuden …“ Dieses Dokument, eine Leihgabe von Reiner Speck, dem Gründer und Präsidenten der Deutschen Marcel-Proust-Gesellschaft, zeigt Prousts fragile Gesundheit und die Einschränkungen, die ihn in seinem Leben und seiner kreativen Arbeit begleiteten. Specks Sammlung, die Originalplakate, Skizzen und eine „Laterna Magica“ umfasst, die Proust gehörte, stellt keinen privaten Schatz dar; vielmehr sieht Speck es als seine Aufgabe, diese Stücke in einem öffentlichen Rahmen zugänglich zu machen. „Ich bin daran interessiert, meine Sammlung in den Dienst eines Kontextes zu stellen,“ erklärte er, ein leidenschaftlicher Sammler, dessen Werke die Ausstellung bereicherten.

Nach diesem eindrücklichen Besuch in der Villa du Temps retrouvé versammelten sich die Teilnehmer der Exkursion im Grand Hotel von Cabourg zu einer Vortragsreihe, die das literarische Erbe Prousts mit modernen Fragen verband.

Bernd Eilert begann mit einer ungewöhnlichen Herangehensweise an Franz Kafka und die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Mit einem Experiment ließ Eilert ChatGPT im Stil Kafkas eine Szene über den „roten Felsen auf Helgoland“ schreiben und zeigte eindrucksvoll auf, wie unzulänglich die Maschine in ihrer Nachahmung eines literarischen Stils bleibt. „Kafka hätte an der Absurdität dieser Maschine seine Freude gehabt,“ kommentierte Eilert, bevor er ChatGPT dazu aufforderte, eine Würdigung von Reiner Specks Lebenswerk zu verfassen. Was auf den ersten Blick wie eine passable Hommage anmutete, entpuppte sich als Sammlung hohler Phrasen, denen die Tiefe menschlichen Verstehens fehlte. „Die Maschine kann schreiben, aber nicht fühlen,“ so Eilert, „und in diesem Mangel zeigt sich die Grenze der künstlichen Intelligenz.“

Anschließend präsentierte Professor Reiner Speck eine Reflexion über die beiden Arztsöhne Proust und Flaubert und deren geteilte analytische Distanz zu den Menschen und der Gesellschaft, die sie in ihren Werken beschrieben. Flaubert, so Speck, beobachtete und sezierte seine Figuren mit einer beinahe medizinischen Präzision, eine Vorgehensweise, die auch seine Schöpfung des Begriffs „Bovarysme“ prägte, die romantische Verirrung seiner Protagonistin Emma Bovary in einer Welt der Illusionen. Speck verdeutlichte, dass auch Prousts familiärer Hintergrund als Sohn eines angesehenen Arztes ihm eine spezifische Art der Beobachtung verlieh – eine Beobachtung, die tief in das soziale und emotionale Gefüge seiner Zeit eindrang. „Flaubert entlarvte die Illusionen der Romantik, während Proust sich der Fragilität des Erinnerns widmete,“ bemerkte Speck, der die Unterschiede der beiden Autoren und ihre methodischen Gemeinsamkeiten prägnant herausarbeitete.

Theo Langheid führte die Proustianer in das Werk von Anthony Powell ein und dessen intensive Auseinandersetzung mit Marcel Proust. Powell, bekannt für seine zwölfbändige Romanserie A Dance to the Music of Time, nahm Prousts Blick nach innen auf und richtete ihn auf die feinen Nuancen der englischen Gesellschaft. Langheid beschrieb Powell als einen Chronisten der menschlichen Innenwelten, der mit Proust die Aufmerksamkeit für die leisen, oft unscheinbaren Momente des Lebens teilte, jedoch eine eigene, charakteristische Sichtweise entwickelte.

Powell, so Langheid, übernahm von Proust die Einsicht, dass das Alltägliche die eigentliche Bühne des Menschlichen ist. Nicht die großen Wendepunkte, sondern die flüchtigen Momente – ein Blick, ein beiläufiges Gespräch – formen seine Charaktere und ihre Wahrnehmung der Welt. „Powell verstand,“ betonte Langheid, „dass das Innenleben eines Charakters oft durch die leisen Zwischentöne geprägt wird.“ In diesen Details, die bei Powell oft lakonisch und ironisch gefärbt sind, tritt die menschliche Komplexität hervor, die Powell in vielen Jahren des Schreibens zu einem Bild der englischen Gesellschaft verdichtete.

Langheid schloss mit einem Vergleich der beiden Autoren: Proust und Powell teilen eine gewisse Skepsis gegenüber den Normen und Erwartungshaltungen ihrer Zeit. Beide Schriftsteller erkannten, dass das literarische Experiment, das den Blick auf das innere Leben richtet, neue Perspektiven auf das äußere Dasein eröffnet – eine subtile Verbindung, die Langheid im Rahmen seines Vortrags eingehend beleuchtete. „Es ist kein Zufall,“ schloss Langheid, „dass Powell Proust so genau studierte – beide verstanden das menschliche Leben als ein leises Zusammenspiel aus Erinnerungen, Erwartungen und Enttäuschungen, das sich nur aus dem Inneren heraus entschlüsseln lässt.“

Der Vortrag von Paulette Bansac eröffnete eine neue Perspektive auf den berühmten Speisesaal des Grand Hotels, den Proust als „wundervolles Aquarium“ beschrieb. Bansac führte das Publikum durch die Symbolik dieses Raumes, der in Prousts Werk zum Schauplatz des mondänen Lebens wird. Mit seinen Glaswänden und der glitzernden Beleuchtung dient der Speisesaal als Bühne der Selbstinszenierung, in der sich die feinen Schichten der Pariser Gesellschaft zur Schau stellen. „Hier, in diesem Aquarium des Lichts und der Selbstdarstellung,“ erklärte Bansac, „beobachtet Proust seine Figuren wie ein Naturforscher.“ Der Speisesaal reflektiert den gesellschaftlichen Kontrast zwischen Innen und Außen, zwischen den Eliten und den einfachen Zuschauern, die fasziniert von außen in das Spektakel des Grand Hotels blicken. So wird die Architektur selbst zu einem Spiegel der sozialen Hierarchien und der Sehnsüchte, die das Proustsche Universum durchziehen.

Den Abschluss des Abends bildete Alexis Eideneier, der die Bedeutung von zwei weiteren Schauplätzen in Prousts Werk – Rivebelle und Balbec – herausarbeitete und deren symbolische Gegensätze beleuchtete. Während Rivebelle als schillernder, dekadenter Ort der Geselligkeit erscheint, steht Balbec als Rückzugsort für Ruhe und Selbstbesinnung. Rivebelle, so Eideneier, wird bei Proust zum „Schaufenster der Eitelkeiten“, in dem sich die Figuren in gesellschaftlichen Machtspielen verstricken und die Fassaden des sozialen Ansehens zelebrieren. Balbec hingegen spiegelt eine andere Seite wider – eine stille, nachdenkliche Atmosphäre, die den Figuren Raum zur Reflexion und zur introspektiven Selbstbetrachtung gibt. „Rivebelle und Balbec sind keine neutralen Schauplätze,“ sagte Eideneier, „sie sind Spiegelbilder der inneren Konflikte und der äußeren Rollen, die Prousts Figuren verkörpern.“

Der zweite Tag der Exkursion vereinte das historische Erbe von Proust mit den Reflexionen über Gesellschaft und Selbst. In den Vorträgen von Eilert, Speck, Bansac und Eideneier offenbarte sich die Vielschichtigkeit des proustschen Werkes: eine Welt, in der das Spektakel und die Einsamkeit, das Gesellschaftliche und das Private eng miteinander verwoben sind. Die Teilnehmer verließen das Grand Hotel mit einem neuen Verständnis der feinen Differenzen und symbolischen Räume, die Proust für seine Figuren schuf – einem Universum, das die menschlichen Widersprüche in all ihrer Komplexität sichtbar macht.

Zwischen Anspruch und Anpassung: Die Journalisten Deutschlands im Spiegel ihrer eigenen Befragung

Die „Journalismusbefragung 2024“ wagt sich an das Eingemachte: Wer sind die Menschen, die Deutschlands Medienlandschaft prägen, was treibt sie an, und wie positionieren sie sich in Zeiten, in denen der Journalismus mehr denn je zur Disposition steht? Mit analytischem Scharfblick und unbestechlicher Akribie zeichnet diese Studie ein komplexes, bisweilen zwiespältiges Bild der Journalisten im Land.

Von den 525 befragten Journalistinnen und Journalisten arbeitet eine Mehrheit für Print- und Online-Medien. 62 % sind fest angestellt, 40 % in öffentlich-rechtlichen Medien tätig, während 74 % den Journalismus hierzulande als glaubwürdig einschätzen – eine bemerkenswert hohe Quote in Zeiten eines omnipräsenten Vertrauensverlusts. Gleichwohl offenbart sich eine diskrepante Selbsteinschätzung: 82 % vertrauen den eigenen Nachrichten, während das Publikum von ihnen vor allem Objektivität und die strikte Trennung von Meinung und Fakten erwartet. Der Anspruch auf Neutralität (98 %) liegt hoch, und doch wird die mediale Welt oft aus westlicher Perspektive (57 %) bewertet, eine Selbsterkenntnis, die zumindest ein Bewusstsein für diesen oft kritisierten Umstand signalisiert.

Beachtlich ist die politische Nähe, die viele dem Grünen-Spektrum zuschreiben (41 %), gefolgt von 23 %, die keine Partei als nahestehend angeben – ein Fakt, der sich deutlich im Selbstverständnis dieser Berufsgruppe widerspiegelt. Interessant ist, wie deutlich viele Journalisten die Gefahr der Instrumentalisierung ihrer Rolle durch Politik und Wirtschaft einschätzen. 36 % vermuten hier klare Einflüsse, was für die Unabhängigkeit des Journalismus in einem demokratischen System nicht ohne Ironie ist.

Schließlich beleuchtet die Studie die Erwartungen an die Zukunft: Mehr Recherchezeit und ethische Standards stehen für 94 % der Befragten im Vordergrund – Werte, die einer Branche Stabilität geben sollen, die unter Digitalisierung und wirtschaftlichen Zwängen leidet. Die Perspektive auf die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zeigt eine moderate Offenheit, allerdings bleibt man skeptisch gegenüber Entwicklungen wie Social Bots und algorithmisch gesteuerter Berichterstattung.

Insgesamt hält die „Journalismusbefragung 2024“ der Branche den Spiegel vor und fordert implizit auf, Fragen zu stellen – unbequeme, tiefe Fragen nach Integrität, Unabhängigkeit und Verantwortung. Ein nüchterner, bisweilen ernüchternder Einblick, der dennoch ein Appell ist: Journalismus braucht Zeit, braucht Ethik und das Vertrauen des Publikums, sonst droht der Rückzug ins Irrelevante. Wolf Schneider würde wohl anerkennen: Hier wird ohne Schnörkel und in klarer Prosa ein beachtlicher Beitrag zur Standortbestimmung des Journalismus geleistet.

Amiens: Die Kathedrale als Spiegel Europas – John Ruskins Suche nach der verlorenen Einheit – Exkursion der Marcel-Proust-Gesellschaft

Im Vortrag von Jürgen Ritte über John Ruskin und dessen „Bibel von Amiens“ wird die Kathedrale von Amiens zur eindrucksvollen Bühne, auf der sich Architektur, Geschichte und die christlichen Wurzeln der europäischen Kultur in Stein verewigen. Ruskin, ein viktorianischer Kunstkritiker, Maler und Sozialphilosoph, sah in der gotischen Architektur nicht nur Schönheit, sondern eine moralische und kulturelle Botschaft. Er gilt als einer der bedeutendsten Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts und betrachtete die gotischen Kathedralen als „Bücher aus Stein“, die es zu lesen und zu interpretieren gilt.

Ritte erklärte, dass Ruskin in seiner „Bibel von Amiens“ die Kathedrale zur Allegorie für den Glauben und das kulturelle Fundament Frankreichs erhebt. Für Ruskin ist die Kathedrale von Amiens eine Art visuelle „Bibel“, deren Skulpturen und Fassaden Tugenden, Sünden und die Geschichte des Christentums repräsentieren. In seiner Analyse jedes noch so kleinen Details der Kathedrale sieht Ruskin eine Art Lehrbuch der Tugend, das zugleich die moralische und geistige Architektur der Gesellschaft widerspiegelt. Ritte betonte: „Ruskin wollte nicht nur Schönheit vermitteln, sondern einen moralischen Wert.“ Ruskin sah in der Architektur einen „pädagogischen Impuls“, wie Ritte es formulierte, der durch die kunstvolle Gestaltung der Fassaden und Statuen die christliche Kultur für alle sichtbar machen sollte.

Die Exkursion der Marcel-Proust-Gesellschaft 2024 bringt diese Perspektiven lebendig nahe, indem sie die Teilnehmer durch die Schauplätze führt, die für Ruskin und Proust von großer Bedeutung sind. Am frühen Morgen versammelt sich die Gruppe in Köln, um die Reise nach Amiens anzutreten. Dort erwartet die Teilnehmer die Kathedrale, die Ruskin als ein monumentales Sinnbild des Glaubens ansieht. Für ihn ist Amiens nicht nur ein Ort der Architektur, sondern auch der Geschichte, und so interpretiert er die Skulpturen und Reliefs der Kathedrale als Allegorien der Tugenden und Sünden. Diese Lesart zieht sich wie ein roter Faden durch Rittes Vortrag und ermöglicht es, Ruskins tiefen Respekt für die gotische Kunst zu verstehen.

Von Amiens geht es weiter nach Rouen, wo die Gruppe im Hotel Flaubert Quartier bezieht und den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen lässt. Am nächsten Tag in Cabourg, im Grand Hôtel, spüren die Teilnehmer Prousts Inspiration für seine literarischen Werke – ein Erlebnis, das die spirituelle und kulturelle Reise abrundet und den proustschen Bezug zu den prägenden Landschaften und Stimmungen verdeutlicht.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Reise ist jedoch die Kathedrale von Rouen. Diese prächtige gotische Struktur inspirierte nicht nur Ruskin, sondern auch Victor Hugo, und Ritte erläuterte, wie diese Bauwerke in Frankreich und Deutschland zu Symbolen nationaler Identität wurden. „Ruskin betrachtete die Gotik als eine moralische Sprache, und für ihn sprach sie am stärksten in den Kathedralen Frankreichs,“ erklärte Ritte.

Ein unterhaltsamer Moment im Vortrag war Rittes Anekdote über Ruskins kuriosen Blick auf die deutsche Geografie. Obwohl Ruskin viel gereist war, hatte er eine ungewöhnliche Vorstellung von Deutschlands Topografie. So schrieb er beispielsweise, dass der Drachenfels „direkt in den Harz“ übergehen würde, eine Behauptung, die in ihrem geographischen Eifer vielleicht poetisch, aber keineswegs präzise ist. Und Eisenach? Das deutete Ruskin als eine Art „Eis- und Wasserort“, wie Ritte schmunzelnd erklärte. „Für Ruskin waren Namen wie der Drachenfels oder Eisenach voller Symbolik, auch wenn die Realität etwas anderes sagte,“ fügte Ritte hinzu. Diese humorvolle Anekdote bringt die Eigenheiten eines Denkers zum Vorschein, der im Detail der Architektur poetische Bedeutung suchte, jedoch im geographischen Verständnis hin und wieder über Landkarten stolperte.

Die Exkursion bringt schließlich die Teilnehmer nach Illiers-Combray, wo das Musée Marcel Proust – Maison de Tante Léonie die Gruppe tief in Prousts persönliche Welt eintauchen lässt. Dieser Ort, der Prousts „verlorene Zeit“ so lebendig macht, erinnert an die Bedeutung des Erinnerns und Wiedererkennens, Themen, die auch in Ruskins Arbeit zentrale Rollen spielen. Der letzte Tag widmet sich der bildenden Kunst, und im Musée des Beaux-Arts in Rouen beschließen die Teilnehmer die Reise mit einem Blick auf die Werke von Jacques-Émile Blanche, einem engen Freund Prousts.

In der Kathedrale von Amiens, den Küsten Cabourgs und den Gassen Combrays verweben sich die Geschichten von Ruskin und Proust, die beide das Vergängliche und das Ewige in ihren Werken festhalten wollten. So wird Ruskins „Bibel von Amiens“ zu einer Hommage an das künstlerische und spirituelle Vermächtnis Frankreichs – und Ritte lädt seine Zuhörer ein, mit Ruskins Worten die Welt neu zu sehen: als Buch, das stets darauf wartet, gelesen zu werden.

Industriepolitik auf Abwegen – Deutschlands Rückzug in die Vergangenheit

Die Grünen wollten raus aus den alten Strukturen, weg von Kohle und Kesseln und hin zu einer Wirtschaft, die Zukunft atmet. Doch in der Realität scheint sich die Ampel-Regierung eher in einem chaotischen Gipfel-Tohuwabohu zu verlieren, als eine klare Linie zu finden. „Die aktuelle Grüne Wirtschaftspolitik ignoriert die wirkliche Zeitenwende von der Industrie- zur Wissensgesellschaft,“ schreibt Wolf Lotter und bringt damit die entscheidende Frage auf den Punkt. Robert Habeck, der Minister, der einst als Stimme der Veränderung galt, steht heute an der Spitze einer Industriepolitik, die in ihrer Rhetorik so alt klingt, dass selbst die Vordenker der Nachkriegszeit daneben blass wirken würden.

Parallel tobt das Gipfeltreffen der Koalition, das mehr Verwirrung stiftet als Ordnung schafft. Während die Regierung von „Zeitenwende“ spricht, geht es auf den Treffen vor allem um die Sicherung alter Strukturen. Diese Endlosschleife lässt Hermann Simon, Wirtschaftsexperte und Kenner der deutschen Industriekultur, ironisch kommentieren: „De-Industrialisierung ist nicht das Problem, sondern die Lösung.“ Der eigentliche Fortschritt, getrieben durch Wissen und Innovation, bleibt in Deutschland gefangen in alten Konzepten. Die Transformationspolitik verkommt zu einem Ritual ohne Fortschritt.

„Selten wurde so klar, dass es keinen ‚grünen Plan‘ für eine ökonomische Transformation gibt,“ resümiert Lotter trocken. Die Grünen, jetzt fest verstrickt in der Endlosschleife des Industrialismus, versäumen es, eine Wissensökonomie zu fördern und setzen stattdessen auf Subventionen für veraltete Industriezweige. Das aktuelle „Zeitenwende“-Papier aus dem Habeck-Ministerium, das von der „Industrie in ihrer ganzen Vielfalt“ schwärmt, ist da mehr Hommage an die Vergangenheit als ein Plan für die Zukunft.

Die Konsequenz? Milliarden an Subventionen, um die deutsche Industrie künstlich am Leben zu halten, während die großen Herausforderungen der Gegenwart – Innovation, Digitalisierung und Wissensarbeit – auf Randnotizen reduziert bleiben. „Allein die BASF verbraucht mehr Gas als die ganze Schweiz,“ bemerkt Simon scharf und stellt die Grundsatzfrage: Ist Deutschland der beste Standort für eine solche Industrie, oder ist die Zeit reif für eine Umstellung? Ein Teil des grün lackierten Industriestrategiepapiers bleibt da fast schon ein Paradox, wenn gleichzeitig Klimaneutralität und Nachhaltigkeit gepredigt werden, ohne ernsthafte Schritte in diese Richtung zu gehen.

Die Ampel-Regierung bewegt sich in einer Art Gipfel-Dauerschleife, als ob man durch immer neue Treffen das eigentliche Problem lösen könnte. Lotter bringt es klar zum Ausdruck: „Das ist, wie wir gleich sehen werden, so falsch, dass noch nicht mal das Gegenteil richtig ist.“ Der wahre Wandel, die Wissensgesellschaft, wird derweil durch das Festhalten an den verkrusteten Strukturen blockiert – eine Transformation, die in Schlagworten hängen bleibt.

Am Ende bleibt nur ein ernüchterndes Fazit: „Eine Strategie ist, wenn wir aufhören, das Immergleiche zu tun und uns zu erhoffen, dass dabei andere Ergebnisse als bisher erbracht werden.“ Solange die „Zeitenwende“ im Gipfel-Tohuwabohu der Ampel-Regierung und einer Industrialismus-Rhetorik stecken bleibt, bleibt Deutschlands Industriepolitik ein Rückspiegel zur Vergangenheit – statt ein klarer Blick auf die Zukunft.

Von Düften, Leinwänden und der Pracht Florenz’: Wie Cheloni, Szápáry und die Geister der Medici die Sinne betören und die Seelen entflammen

Der Bericht von 3sat über Florenz gleicht einem Spaziergang durch eine Stadt, die nicht nur Geschichte atmet, sondern auch die Essenz jener Kreativität in sich trägt, die einst Leonardo da Vinci und Botticelli hervorbrachte. Florenz ist ein Sinnbild für die Symbiose aus Politik und Kunst, für das Spiel zwischen Macht und Schönheit, das die Medici meisterhaft betrieben. Nicht zufällig ist die Stadt bis heute eine Pilgerstätte für Künstler, Philosophen und Liebhaber der Renaissance. Sileno Cheloni, der moderne Parfümeur und Schöpfer von olfaktorischen Erinnerungen, spielt hier eine zentrale Rolle. In seiner Werkstatt, die an das Labor des Alchemisten Paracelsus erinnert, verwebt Cheloni ätherische Öle und Gewürze zu individuellen Duftkompositionen, die wie ein Schlüssel zur Seele des Trägers fungieren. Diese Kreationen, angelehnt an die Ideale der Renaissance, berühren etwas tief Menschliches: Sie holen vergessene Erinnerungen hervor und lassen Gefühle lebendig werden, die längst verschollen schienen.

Cheloni und Florenz – beide verkörpern die Renaissance der Sinne. Cheloni wirkt wie ein Alchemist der Gegenwart, dessen Werke von einer fast magischen Intuition getragen sind, die sich dem rein Rationalen entzieht. Ganz im Gegensatz dazu steht Marc vom Emde, der digitale Parfümeur, mit dem ich vor ein paar Jahren sprach. Vom Emde nutzt künstliche Intelligenz, um Düfte zu kreieren, die ganze Stadtteile oder historische Epochen einfangen. Während Cheloni auf die Individualität und den intuitiven Ausdruck setzt, erschafft vom Emde mit Hilfe von Daten und maschinellem Lernen Atmosphären, die kollektive Erinnerungen ansprechen: das sommerliche Lebensgefühl des Wannsees, die kühle Melancholie des Prenzlauer Bergs, die pulsierende Nachtstimmung Berlins der 1920er Jahre. Hier sind es Muster und Algorithmen, die den Schaffensprozess bestimmen, während Cheloni aus der menschlichen Erinnerung schöpft. Beide Ansätze erzählen auf unterschiedliche Weise Geschichten.

In diesem florentinischen Mosaik schimmert auch der moderne Maler Louis Szápáry hervor. Szápáry, ein Künstler mit ungarischen Wurzeln und aristokratischem Erbe, hat sich an der Florence Academy of Art schulen lassen, einer Schule, die die Renaissance-Techniken in die Gegenwart überträgt. Florenz ist für Szápáry nicht nur eine Stadt, sondern eine Bühne für seine Kunst, eine Inspiration, die er in seinen Werken einfängt. Wie Cheloni in seinen Parfums, greift auch Szápáry in seinen Gemälden nach dem Zeitlosen. Jedes seiner Bilder wird in stundenlanger, detailversessener Arbeit geschaffen, Schicht für Schicht, um jene Tiefe und Präsenz zu erreichen, die einst die Renaissance-Meister wie Leonardo und Michelangelo auszeichnete. Szápárys Porträts und Landschaften wirken wie Fenster in eine vergangene Welt und offenbaren uns die Anmut und Klarheit der Renaissance, die Szápáry mit modernen Augen neu interpretiert.

Und schließlich steht im Zentrum dieses Berichts auch der Geist von Leopold I., Großherzog der Toskana, dessen Reform-Verfassung fast eine demokratische Revolution in Europa auslöste. Als aufgeklärter Herrscher war er bestrebt, ein Regierungssystem zu schaffen, das die Bedürfnisse des Volkes nicht ignorierte. Leopold träumte von einer konstitutionellen Monarchie, einem Staat, in dem Gesetze die Freiheit und das Wohlergehen aller garantieren sollten. Seine Vision, Florenz zur fortschrittlichsten Stadt Europas zu machen, scheiterte letztlich, als er die Toskana verließ, um als Kaiser nach Wien zu gehen. Doch die Spuren seiner Idee bleiben lebendig – ebenso wie die Düfte von Cheloni und die Gemälde von Szápáry. In Florenz weben sich all diese Elemente zu einem Kunstwerk, das die Zeit überdauert und uns daran erinnert, dass wahre Schönheit oft im Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart liegt.

ichsagmal.com Prognose für die US-Wahl: Harris gewinnt knapp mit 280 zu 258 gegen Trump ichsagmal.com Prediction for the U.S. Election: Harris Narrowly Wins Over Trump with 280 to 258 @KamalaHarris @realDonaldTrump @elonmusk

Angesichts der aktuellen Umfragen und der knappen Ergebnisse in den Swing States wage ich die Prognose, dass Kamala Harris leicht die Oberhand gewinnen könnte. Die entscheidenden Bundesstaaten wie Pennsylvania, Michigan und Wisconsin scheinen mit ihren insgesamt rund 46 Wahlmännerstimmen leicht zu ihren Gunsten zu tendieren, was entscheidend für die 270 Wahlmännerstimmen sein könnte, die zum Sieg nötig sind​.

Sollte Harris Pennsylvania und Michigan gewinnen und eventuell noch einen zusätzlichen Staat wie Arizona (11 Wahlmänner) oder Wisconsin (10 Wahlmänner) für sich entscheiden, könnte sie sich knapp über die 270-Stimmen-Grenze bringen. Trumps Chancen hängen stark von den südlicheren Staaten wie Florida und Georgia ab, die ihm allerdings allein kaum die nötige Mehrheit sichern.

Ein realistisches Szenario sieht daher Harris bei etwa 280 Wahlmännerstimmen und Trump bei etwa 258, falls es Harris gelingt, genug Unterstützung in den Swing States zu mobilisieren. Ein Trump-Sieg bleibt jedoch möglich, vor allem wenn er in den letzten Wochen die entscheidenden unentschlossenen Wähler in Staaten wie North Carolina oder Wisconsin für sich gewinnen kann.

Based on current polls and the narrow margins in swing states, I predict that Kamala Harris could gain a slight edge. Key states like Pennsylvania, Michigan, and Wisconsin, with a total of around 46 electoral votes, seem to lean slightly in her favor—crucial for reaching the 270 electoral votes required for victory.

If Harris secures Pennsylvania and Michigan and possibly one additional state like Arizona (11 electoral votes) or Wisconsin (10 electoral votes), she could narrowly surpass the 270-vote threshold. Trump’s chances, meanwhile, depend heavily on the southern states like Florida and Georgia, though these alone are unlikely to provide him the needed majority.

A realistic scenario could see Harris with approximately 280 electoral votes and Trump around 258, if Harris manages to mobilize enough support in the swing states. However, a Trump victory remains possible, especially if he can win over undecided voters in critical states like North Carolina or Wisconsin in the final weeks.

Narrentheater im März? – Wenn die Ampel als Kindergartenszene zur Neuwahl führt #BTW25

In unserem Schauspiel des Staates, wo Gremien und Abmachungen die Tinte endloser Verträge und Beschlüsse bedecken, darf die Dame nicht fehlen – jene verlockende, hinreißende Madame Demokratie, nach deren Gunst alle buhlen, doch deren Regeln stets schwerer werden, je näher man ihr kommt. Doch da eine formale Neuwahl im Angesicht der Gipfelkonkurrenz auf ihre Gunst wartet, lassen sich viele Möglichkeiten skizzieren, die einer Kindergartenspielerei gleichen und dennoch nach den ernsthaften Vorgaben der Verfassung geführt werden könnten.

So ist der Weg zu Neuwahlen rechtlich eng geebnet, mit Vorschriften und Verfahren, die durchaus an das Regelwerk eines komplizierten Gesellschaftsspiels erinnern.

Akt I: Der Vertrauensvotum-Akt
Ein Klassiker im Werkzeugkasten: Der Bundeskanzler, Olaf der Stille, könnte ein Vertrauensvotum im Bundestag heraufbeschwören. Diese große Geste ließe die Parlamentarier in gebotener Ernsthaftigkeit in ihren Sitzen erstarren – oder sich beunruhigt umsehen. Verfehlt der Kanzler das Vertrauen der Abgeordneten, öffnet sich die Verfassungstür zur Option einer Auflösung des Bundestages durch den Bundespräsidenten und damit – auf nachdrückliches Bitten – zur Neuwahl. Allerdings steht diesem Szenario ein Hauch von Unsicherheit bei, da nicht zwingend die Auflösung des Parlaments auf einen Vertrauensverlust folgen muss; hier könnte unser allseits erfahrener Bundespräsident, wie der freundliche Schiedsrichter in einem Kindergarten-Wettstreit, eine ausgedehnte Aussprache statt Neuwahlen fordern.

Akt II: Die Selbstauflösung durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit
Ein verzwicktes Verfahren, das wie das Antreten für eine Runde musikalischer Stühle im Kindergarten erscheint, doch hier wäre der Bundestag sein eigener Richter und Henker. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit könnte sich der Bundestag selbst auflösen und Neuwahlen herbeiführen – ein Schauspiel der Einigkeit in der Zersplitterung, das nur selten gelingt. Es müsste also die große Mehrheit der Abgeordneten der Ansicht sein, dass sie selbst nicht mehr in der Lage seien, den Willen des Volkes zu vollstrecken. Man darf das als das Schicksal eines überreizten Kindergartens verstehen, in dem sich alle überstimmen wollen, nur um letztlich aufzugeben und mit neuen Stimmen ins Rennen zu gehen.

Akt III: Die Haushaltsverweigerung – der budgetäre Schlussakt
Sollte man sich jedoch nicht einmal auf einen Haushalt einigen können, etwa durch die starre Haltung der Freien Demokraten oder die kühnen Finanzträume der Sozialdemokraten und Grünen, könnte ein finanzpolitischer Stillstand eintreten. Dann stünde das Land ohne ein gültiges Budget dar – ein Zustand, den die Verfassung nicht direkt als Grund für Neuwahlen vorsieht, der jedoch einen so dramatischen, institutionellen Konflikt hervorrufen würde, dass eine Auflösung des Bundestages und ein anschließender Wahlkampf fast unvermeidbar erscheinen könnten. Es wäre der Punkt, an dem selbst die ruhigsten Gemüter erkennen würden, dass die Spielregeln des Kindergartens hier nicht mehr ausreichen.

    In allen Szenarien steht die Dame Demokratie als stumme Beobachterin im Hintergrund, geduldig und doch unnachgiebig. Sie lässt sich nicht von lauten Rufen oder wohlklingenden Gipfeln locken, sondern fordert konsequente Schritte nach dem Grundgesetz. März könnte also durchaus der Monat der Wahlurnen sein, wenn der Frust und das Narrenstück der Streithähne zu groß werden – doch Madame Demokratie fordert immer den Ernst, den kein Kinderspiel ersetzen kann.

    So treiben sie also dahin, die Helden der Ampel, in einem Karneval des Narrentreibens, der kein Ende kennt. Die Masken fallen, die Rollen verschwimmen, und das Publikum lacht – mal müde, mal ungläubig. Es wird gestritten, geschauspielert und intrigiert, als gäbe es kein Morgen. Doch wie jeder Karneval endet auch dieser in der Katerstimmung eines politischen Aschermittwochs. Die Reden werden schärfer, die Blicke eisiger. Was folgt, ist die Frage aller Fragen: Hält diese Koalition den Kater aus, oder endet sie als bloßes Kostümfest? März wird zeigen, ob die Narren sich selbst überleben – oder ob es endlich Zeit für einen Neuanfang ist.

    Die Backweb-Invasion und das Kontrollfieber der Vorstände: Ein Possenspiel der Unternehmenskommunikation

    Man stelle sich die Szenerie vor: o.tel.o in den späten 90ern. Der Vorstand glaubte, das eigene Intranet sei nicht mehr als ein Verstärker für wohldosierte, gefilterte Botschaften, die die „Provinz“ an die Hand nehmen und über die „offizielle“ Wahrheit aufklären sollten. So weit, so gut. Dann kam „Backweb“ und mit ihm eine digitale Demokratieoffensive, die die geordneten Reihen der Kommunikationsbüros ins Chaos stürzte. Ein kleines Tool, das jedem Mitarbeiter erlaubte, seinen ganz persönlichen Nachrichtenfluss zu gestalten – Presseberichte, Betriebsratsinfos, ja, sogar die schlüpfrigen Verkaufsgerüchte über das Unternehmen selbst. Ein wahrer Dammbruch in einer Welt, die nur darauf vorbereitet war, die Wahrheit tröpfchenweise zu steuern.

    Doch der Vorstand, blind wie ein Maulwurf in der Mittagssonne, hatte nie wirklich verstanden, was „Backweb“ da entfesselte. Fast die gesamte Führungsetage aktivierte das System nie; es blieb in ihren Augen eine Spielerei, ein modernes Spielzeug für die Büroangestellten, das man selbst getrost ignorieren konnte. Kommunikation im Blindflug: Man hielt sich für die oberste Kontrollinstanz und verpasste dabei, wie das eigene Machtinstrument zur Plattform einer kleinen Rebellion wurde.

    Und dann: Frankfurt, Deutsche Bank, Arbeitskreis Unternehmenskommunikation. Die versammelte Elite der Kommunikationsspezialisten sitzt angespannt in den Sesseln, als ich „Backweb“ präsentiere. Was sich abspielte, war ein Drama in drei Akten: Empörung, Panik und Verteidigungsgeheul. In den Mienen einiger Anwesender spiegelte sich der blanke Terror – ein Hauch von Anarchie lag in der Luft. Ein Vertreter der Deutschen Bank, offenbar in heller Aufregung, pochte auf sein „Informationsmonopol“. Die Vorstellung, dass Mitarbeiter Informationen ohne Filter und Firlefanz, direkt und unzensiert zugespielt bekämen, glich für ihn einem gesellschaftlichen Umsturz.

    Es ist fast schon tragikomisch, wie tief die Angst vor einem Kontrollverlust reichte. Rolf Breuer, der damalige Chef der Deutschen Bank, ließ sich in der Mitarbeitermagazin grinsend mit einem Taktstock abbilden. Die Überschrift? „Breuer gibt den Takt an.“ Ein Bild wie ein Manifest der veralteten Unternehmenskultur, die in ihrem Kontrollwahn weder den Sinn noch die Chancen neuer Technologien erkannte. „Backweb“ hätte ein kleiner Schritt in Richtung Offenheit und Transparenz sein können. Stattdessen wurde es zur Kampfansage, zur digitalen Bedrohung für ein System, das nur eines kannte: Den Finger fest auf dem Schalter der Informationszufuhr zu halten.

    Und heute? Die modernen Tools sind fein verpackt und vollmundig mit „Demokratisierung“ und „Autonomie“ beworben, doch in den Vorstandsetagen herrscht dieselbe Angst wie damals. Die alten Reflexe sterben nicht. Die Frage bleibt: Was könnte die Mitarbeiter wohl verunsichern?

    Witzige Story, die ich dann später für den Tagesspiegel schrieb: Hertha BSC: Trikottausch

    #GreenMonday am 25. November: Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft – Die Agenda der Veränderung

    Am 25. November geht der Green Monday in seine fünfte Runde – ein Ereignis, das mehr bietet als bloße Diskussion. Mit einer Agenda, die den Anspruch erhebt, nicht nur zu informieren, sondern aktiv Impulse für die Zukunft zu setzen, versammelt sich hier die Elite der nachhaltigen Innovation. Die Startup Night, von Frank Barz moderiert, schließt das Programm mit einem eindrucksvollen Finale, das junge Unternehmen in den Mittelpunkt rückt, die die Energiewende vorantreiben.

    Das Programm im Überblick:

    15:00 – 16:30
    MASTERCLASS: Twin Transformation – Erfolgstreiber für zukunftsfähige Unternehmen
    Mit Jolanda Gallas und Bernhard Steimel – Strategien, die aufzeigen, wie Unternehmen in der digitalen und nachhaltigen Transformation bestehen.

    16:30 – 17:30
    MASTERCLASS: Effizientes Nachhaltigkeitsmanagement mit KI
    Mit Vivian Beischau von Verso – ein praxisnaher Einblick, wie Künstliche Intelligenz zur Steuerung und Optimierung nachhaltiger Prozesse eingesetzt werden kann.

    17:30 – 18:00
    Offizieller CHECK-IN für das Hauptprogramm

    18:00 – 18:20
    SPEED DATING – Vernetzungsmöglichkeit mit Jolanda Gallas und Gunnar Sohn

    18:20 – 19:00
    BEST PRACTICE SESSION: Erfolgreiche Nachhaltigkeitsstrategien
    Mit Maria Blume von Getränke Hoffmann und Christian Kleinert, Geschäftsführer von JT Energy Systems – praxisnahe Einblicke in umsetzbare Nachhaltigkeitsstrategien.

    19:00 – 19:30
    ROUNDTABLE: „GreenTech Cluster Dresden“
    Mit Mandy Schipke (Energy Saxony & CEO Novum Engineering), Martin Hermenau (VP Product Innovation, Heliatek GmbH), und Ingo Senftleben (GICON-Gruppe)* – Diskussion über die Rolle Dresdens in der GreenTech-Entwicklung.

    19:30 – 20:00
    NETWORKING Pause mit Interviews im Foyer
    Gunnar Sohn im Gespräch mit Dr. Daniela Pufky-Heinrich, Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, Abteilungsleiterin Technologieökonomik und -management. Thema: Nachhaltige-Technologie-Entwicklung.

    20:00 – 21:00
    STARTUP NIGHT: „TechBoost für die Energiewende“
    Moderiert von Frank Barz, TechBoost – fünf führende GreenTech Startups, darunter enerthing, Sustayn, eClever, I3DEnergy und Greenflash, präsentieren ihre Visionen zur Energiewende und konkurrieren um die Gunst des Publikums.

    Der Green Monday zeigt damit eindrücklich, was es bedeutet, Innovation und Nachhaltigkeit ernst zu nehmen – mit einer Agenda, die nicht nur den Worten folgt, sondern zur Tat aufruft.

    Hier geht es zur Anmeldung, wenn man direkt in Dresden dabei sein möchte.

    Hier kann man remote teilnehmen via Zoom.

    @marc_saxer: Zwischen Drahtseilakt und Machtpoker: Europas wankender Kurs im globalen Kraftzentrum Indo-Pazifik

    Marc Saxers jüngster Artikel „Das Powerhouse“ liest sich wie ein Fieberthermometer der weltpolitischen Spannungen im Indo-Pazifik. Saxer beschreibt das Gebiet als „ein geopolitisches Kraftzentrum, das sowohl Freundschaft als auch Feindseligkeit anzieht, ein Magnet für Allianzen und Konflikte.“ Diese Großregion, betont er, sei heute nichts weniger als das globale Gravitationszentrum – ein Szenario, das in den westlichen Hauptstädten Europas längst nicht voll begriffen sei. Saxer warnt, dass Europa das Machtvakuum im Indo-Pazifik falsch einschätze: „Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges ist schlagartig klar geworden, wie sehr Europas eigenes Gewicht geschwunden ist.“ Europa, so Saxer, müsse sich darauf konzentrieren, seine Kräfte für die Sicherung und Stabilisierung des eigenen Kontinents zu bündeln.

    Als wir uns vor der Europakonferenz zum Gespräch trafen, sprach Saxer bereits darüber, dass der Ukraine-Krieg in einen größeren, globalen Machtkampf eingebettet sei. „Dieser Krieg ist letztlich Teil eines globalen Ringens um Vorherrschaft, das weit über Europas Grenzen hinausreicht,“ erklärte er und zog eine scharfe Linie zwischen dem, was Europas politische Eliten bisher als Krise betrachteten, und der eigentlichen tektonischen Verschiebung in Richtung einer multipolaren Weltordnung. Ein Rückzug auf den Kontinent wäre eine Sackgasse: „Wir können uns nicht in eine Festung zurückziehen, wenn das Spiel längst über unsere Landesgrenzen hinaus entschieden wird,“ sagte er und fügte hinzu, dass Europa stattdessen Wege finden müsse, um sich im asiatischen Machtspiel zu positionieren.

    Saxer malt das Bild eines asiatischen Kontinents, der aus der Zeit der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges gewachsen ist. Die Region, die er als „Laboratorium der geopolitischen Antagonismen“ beschreibt, wird durch das Verhältnis der „Großen Vier“ – USA, Russland, China und Indien – geformt. Der Kalte Krieg, so beschreibt er, hinterließ tiefe Narben, die heute wieder aufbrechen: „China sieht sich eingekreist und kontert mit der Belt and Road-Initiative.“ Diese neue Seidenstraße sei für Peking, das Zugang zu den globalen Märkten sucht, der „Ausweg aus der Abhängigkeit von den Engpässen der Straße von Malakka.“ Eine Flucht nach Westen, die Europa als wichtiges Ziel sieht – und eine Herausforderung, der sich die Europäer nicht entziehen könnten, selbst wenn sie wollten.

    In seinem Artikel bringt Saxer deutlich zum Ausdruck, wie China im Osten des Indo-Pazifik durch das Südchinesische Meer vorstößt und „die amerikanischen Inselketten durchbrechen“ will, während die USA mit ihrem Bündnissystem von Australien bis Japan „die Bewegungsfreiheit der chinesischen Flotte einschränken.“ Doch anders als im Kalten Krieg, wo klare Allianzen bestanden, sei das neue Spiel mit Verschiebungen und Entkopplungen komplizierter und auch gefährlicher. Die meisten Staaten, die im Gewebe der Region eingebettet sind, scheuen klare Parteinahme und versuchen, wie Saxer formuliert, „eine Balance aus sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und ideologischen Interessen zu halten – ein Tanz auf dem Drahtseil.“

    Der geopolitische und ökonomische Wettbewerb werde in dieser Region in vollem Umfang entfaltet, schreibt Saxer: „Die Frage, wie lange die Swing States diese Balance noch halten können, beschäftigt die Hauptstädte der Region.“ Ein direkter Konflikt zwischen den Großmächten – etwa ein Krieg zwischen den USA und China um Taiwan – könnte die Region über Nacht zum Brandherd machen. Das hätte, so Saxer, „schlagartig und nachhaltig katastrophale Auswirkungen auf die globalen Lieferketten.“ Diese Kriegsgefahr, ergänzt er, erhöhe den Druck auf die kleineren Staaten, sich langfristig zu einer Seite zu bekennen. Im Interview war ihm anzumerken, dass er Europa in einer schwerwiegenden Lage sieht. „Im Fall eines Konflikts würde auch Europa kaum neutral bleiben können,“ warnte er.

    Doch die Brisanz endet für Saxer nicht auf dem Schlachtfeld, sondern verlagert sich zunehmend auf das Feld der Wirtschaft und Technologie. Mit der „Small Yard, High Fence“-Strategie der USA und dem Plan zur technologischen Autarkie Chinas verschärfe sich der Konkurrenzkampf auf wirtschaftlichem Boden. „Diese technologische Bifurkation könnte bald auch den Finanzsektor und andere Industrien ergreifen,“ prophezeit Saxer und schildert, wie europäische Unternehmen in Zukunft gezwungen sein könnten, sich für einen Markt zu entscheiden. Diesem Szenario zu entkommen, wird Europa kaum möglich sein, wenn es weiter in seiner isolierten Haltung verbleibt.

    Saxer bleibt dennoch pragmatisch: Er sieht eine Rolle für Europa als „stabilisierende Kraft“, die im Indo-Pazifik dringend benötigt werde. Ein Europa, das im Konzert der Mächte „den USA nicht als reiner Erfüllungsgehilfe dient, sondern als eigenständiger Partner agiert und das multilaterale Spielfeld mitgestaltet, wäre im asiatischen Machtzentrum willkommen.“ Doch Saxer mahnt eindringlich, dass eine Partnerschaft auf Augenhöhe mehr sei als bloße Worte. Europa müsse seine moralisierenden Töne beenden und sich mit dem Fundament seiner eigenen diplomatischen Traditionen besinnen: „Die Prinzipien von Souveränität, Nichteinmischung und territorialer Integrität haben einst in Europa ihren Ursprung genommen – daran sollte sich Europa wieder erinnern.“

    Mit dieser klaren Analyse endet Saxers Artikel, doch die Frage, die bleibt, ist brisant: Wird Europa die Zeit finden, sich den Anforderungen einer multipolaren Weltordnung anzupassen? Saxer, wie auch in unserem Interview, hinterließ dabei keinen Zweifel: „Die Zeit der komfortablen Passivität ist vorbei.“

    Am Scheideweg der Macht: Ein Interview mit Marc Saxer über Europas Strategie im Schatten des Indo-Pazifik

    In unserem Interview im vergangenen Jahr skizzierte Marc Saxer bereits die Umrisse dessen, was sich heute als klare geopolitische Verschiebung abzeichnet. „Dieser Krieg in Europa“, erklärte Saxer, „ist eingebettet in eine globale Umwälzung der Machtverhältnisse.“ Für Saxer stellt die Ukraine-Krise nur eine Episode dar in einem viel größeren Konflikt zwischen den USA und China – ein Machtkampf, dessen Schauplatz zunehmend der Indo-Pazifik wird. Diese Entwicklung sieht er als tiefgreifende „Zeitenwende“ für Europa, die „strategische Vorstellungskraft“ erfordere, um nicht zurückgelassen zu werden​.

    In Bezug auf die strategische Lage Europas warnte Saxer, dass das Exportmodell Deutschlands – jahrzehntelang die Säule der deutschen Wirtschaft – angesichts der zunehmenden Entkopplungsbewegungen unter Druck geraten werde. „Die deutsche Industrie hat an technologischer Weltspitze verloren,“ meinte er und beschrieb den Indo-Pazifik als das neue Zentrum, wo sich die wirtschaftlichen und technologischen Kräfte bündeln. Gleichzeitig sehe er die Herausforderung, dass sich Europa hier strategisch neu orientieren müsse, da eine einseitige Bindung an die USA die Handlungsoptionen beschränken könnte​.

    Saxer sprach auch über die Risiken eines Krieges um Taiwan, der das Potenzial habe, globale Lieferketten schlagartig zu zerstören. „Eine Eskalation im Indo-Pazifik wäre für Europa kein entferntes Problem,“ betonte er, sondern könnte Europa zwingen, sich stärker in eine der Machtblöcke zu integrieren. Im aktuellen Artikel geht er auf diese Sorge weiter ein und beschreibt, wie die wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen in der Region Europa vor die Entscheidung stellen könnten, „Freund oder Feind“ zu wählen.

    Seine Perspektive aus Bangkok heraus lässt Saxer auch die Rolle Asiens differenziert sehen: Er warnte davor, Asien als „monolithischen Block“ zu betrachten, und hob die komplexen wirtschaftlichen Interessen hervor, die China, Indien und kleinere Länder wie Vietnam oder Malaysia dazu zwingen, eigene Interessen strategisch zu balancieren. Diesen politischen Tanz auf dem „geopolitischen Drahtseil“ betrachtet Saxer als das Hauptmerkmal einer multipolaren Weltordnung, in der alte Freundschaften und Feindschaften zunehmend an Bedeutung verlieren​.

    Zum Abschluss unseres Gesprächs riet Saxer der Bundesregierung dringend, ihre Industriepolitik so auszurichten, dass sie flexibel auf die globalen Machtverschiebungen reagieren kann. „Europa muss lernen, eine eigenständige Stimme zu entwickeln – und das wird schmerzhaft.“ Ein starker, pragmatischer Ansatz, so meint er, sei notwendig, um die europäischen Interessen in der Region zu sichern und die Abhängigkeit von einem dominanten Verbündeten zu vermeiden.

    Siehe auch:

    Europas ökonomische Sicherheit: Mehr als nur eine Frage der Verteidigung

    Siehe auch die Videos auf der Europa-Konferenz auf Facebook.