Kommentar zum Beitrag von Professor Martin Stratmann: „Wir müssen unsere Ideen noch besser selbst verwerten“ – Innovationspolitik in Deutschland

Professor Martin Stratmann, der frühere Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), fordert in einem Beitrag für das MPG-Wissenschaftsmagazin die Stärkung der Innovations- und Entrepreneurship-Kultur innerhalb der Forschungseinrichtungen. Sein Plädoyer für eine bessere Verwertung von Ideen und die Förderung von Start-ups trifft den Nerv der Zeit, doch es wirft auch Fragen auf, die einer differenzierten Betrachtung bedürfen.

Stratmann argumentiert überzeugend, dass Deutschland mehr Risikokapital benötigt, um wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in marktfähige Produkte zu überführen​. Diese Forderung ist zweifellos berechtigt. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei den verfügbaren Finanzmitteln für Start-ups und Risikokapital-Investitionen hinterher. Viele innovative Ideen gelangen nicht zur Marktreife oder werden von ausländischen Investoren übernommen, was das Risiko birgt, dass das Know-how ins Ausland abwandert​​.

Die von Stratmann vorgeschlagenen Maßnahmen, wie die Einführung gründungsfreundlicher Lizenzbedingungen und die Bereitstellung von Industrieexperten, sind Schritte in die richtige Richtung​​. Sie können dazu beitragen, die Brücke zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Verwertung zu schlagen. Besonders hervorzuheben ist die Rolle von Max-Planck-Innovation, der Technologietransferorganisation der MPG, die seit Jahrzehnten erfolgreich zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vermittelt und maßgeblich zur Kommerzialisierung wissenschaftlicher Erfindungen beiträgt​​.

Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die strukturellen Herausforderungen zu überwinden. Die Gründungskultur in Deutschland muss nicht nur durch finanzielle Anreize, sondern auch durch ein Umdenken in den wissenschaftlichen Einrichtungen selbst gestärkt werden. Junge Forscher müssen ermutigt werden, unternehmerische Risiken einzugehen, ohne ihre wissenschaftliche Karriere zu gefährden​​. Hier ist ein Kulturwandel erforderlich, der über die Bereitstellung von Kapital hinausgeht.

Ein weiteres kritisches Element ist die Kooperation zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und der Privatwirtschaft. Stratmann sieht die Wichtigkeit solcher Partnerschaften, wie sie beispielsweise im Cyber Valley rund um das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme realisiert werden​. Diese Kooperationen können als Modell für andere Regionen dienen, um die Wissensflüsse zwischen Forschung und Industrie zu intensivieren.

Der Ökonom Joseph Schumpeter formulierte in seiner „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“, , dass Innovatoren sich durch die Kunst der Kombinatorik auszeichnen und dass wirtschaftlicher Erfolg darin besteht, das Neue am besten zu organisieren. Die Innovationspolitik in Deutschland muss daher vie aktiver sein, um das Potenzial der Wissenschaft zu maximieren und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies bedeutet:

Frühzeitige Erkennung neuer Themen: Die Innovationspolitik muss in der Lage sein, aufkommende Technologietrends und wissenschaftliche Durchbrüche frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Industrie und Regierung, um Innovationspotenziale zu identifizieren und zu nutzen.

Förderung von Risikobereitschaft und Unternehmertum: Wie Schumpeter nachweist, sind es die risikofreudigen und wettbewerbsorientierten Unternehmen, die langfristig Erfolg haben. Die Innovationspolitik sollte daher Maßnahmen ergreifen, um eine Kultur der Risikobereitschaft und des Unternehmertums zu fördern. Dies könnte durch Bildungsprogramme, finanzielle Anreize und die Unterstützung von Gründerzentren geschehen​. Die KfW-Chefvolkswirtin Friederike (Fritzi) Koehler-Geib, PhD spricht von der Notwendigkeit, schon in Schulen und Hochschulen Gründungswissen zu vermitteln. Was die Finanzierung anbelangt, passiere schon einiges. Etwa den Zukunftsfonds. “Wir haben die Startup-Strategie der Bundesregierung, die muss jetzt umgesetzt werden.” Gründungsbildung sei ein wichtiger Ansatz. Schon in der Sekundarstufe II sollte Entrepreneurship-Wissen vermittelt werden. “Ökonomische Bildung ist in Deutschland ein ganz großes Thema, das viel stärker in den Fokus rücken muss“, so Koehler-Geib gegenüber Sohn@Sohn.

Bereitstellung von Risikokapital: Der Zugang zu Risikokapital ist entscheidend für die Entwicklung und Kommerzialisierung neuer Technologien. Die Innovationspolitik muss sicherstellen, dass ausreichend Risikokapital zur Verfügung steht, um Start-ups und innovative Projekte zu finanzieren. Dies kann durch staatliche Investitionsfonds, steuerliche Anreize für Investoren und die Förderung von Venture-Capital-Fonds erreicht werden​(MPF_2020_SP)​.

Schaffung eines unterstützenden Umfelds: Ein förderliches Umfeld für Innovationen umfasst nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch rechtliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen. Bürokratieabbau, schnelle Genehmigungsverfahren und der Aufbau von Innovationszentren sind wichtige Schritte, um die Innovationskraft zu stärken.

    Was braucht Deutschland, um wettbewerbsfähig zu sein?

    Um sowohl national als auch international wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Deutschland folgende Maßnahmen ergreifen:

    Investitionen in Bildung und Forschung: Langfristiger Erfolg erfordert eine solide Basis in Bildung und Forschung. Investitionen in diese Bereiche sind unerlässlich, um die nächste Generation von Innovatoren und Unternehmern zu fördern.

    Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit: Innovationen entstehen oft an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen. Die Förderung interdisziplinärer Forschung und Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen kann neue Impulse geben.

    Stärkung der internationalen Vernetzung: Der Austausch mit internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen kann den Zugang zu neuen Ideen und Technologien erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

    Anpassung an globale Marktanforderungen: Die Innovationspolitik muss flexibel genug sein, um auf sich schnell ändernde Marktanforderungen zu reagieren und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.

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