
Da stehen wir nun, 2025, und schauen auf den immer gleichen, trübsinnigen Tatort: Europa, das digitale Hinterland. Eine Bühne, auf der mit großen Ankündigungen begonnen, mit trauriger Realität geendet wird. Es ist, als hätte sich die europäische Wirtschaftspolitik in einen grotesken Wettbewerb verwandelt, der sich allein darauf konzentriert, wer die meisten Projekte spektakulär in die Grütze fahren kann. Willkommen zur Preisverleihung des #ChiracDesJahres – ein Ehrentitel, der nicht Tageshäppchen, sondern epochales Versagen prämiert.
Quaero: Der Urknall des Versagens
Beginnen wir mit einem Blick zurück: 2006, Frankreich. Jacques Chirac präsentiert voller Stolz „Quaero“, die europäische Antwort auf Google. Eine multilinguale Suchmaschine, die Texte, Bilder, Musik und Videos finden sollte – eine technologisch aufgeblähte Allzweckwaffe. Was blieb? Ein Aschenhaufen der Ambitionen. Google lachte, Baidu expandierte, und Quaero verschwand in der Versenkung. Doch nicht ohne einen bitteren Nachgeschmack: Die Milliarden Euro, die hier verbrannt wurden, hätten Investitionen in Bildung und Start-ups sein können. Stattdessen: heiße Luft und kalte Zahlen.
Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Europa stolz die Brust schwellte, nur um kurze Zeit später vor leeren Reihen zu stehen. Das deutsche Nachfolgeprojekt Theseus? Ein weiterer Sargnagel für europäische Innovationsversuche. So kam es, dass Google nicht nur zum Synonym für Suchmaschinen wurde, sondern auch für Europas digitale Kapitulation.
Der Upload-Filter: Eine Farce der Zensur
2019: Die EU versucht sich an einem neuen Großprojekt: dem Upload-Filter. Ziel? Urheberrechte im Netz stärken. Ergebnis? Ein Kafkaesker Apparat, der mehr zerstört als rettet. Statt Urheber zu stärken, entstehen Bürden für kleine Plattformen, Bürokratiehürden für Kreative und ein juristisches Paradies für Abmahnanwälte. Die eigentliche Pointe? Tech-Giganten wie YouTube hatten die Technologie längst – nur Europa stand wieder wie der ahnungslose Gast vor der verschlossenen Tür.
Der AI Act: Regulierungswut im Elfenbeinturm
Heute also der nächste Versuch: der AI Act. Nachzulesen in der FAZ. Ein ambitioniertes Regelwerk, das KI sicher und verantwortungsvoll machen soll. Klingt gut? Nicht, wenn die Umsetzung aussieht wie eine schlechte Satire: Diejenigen, die kaum verstehen, wie KI funktioniert, wollen nun der Industrie vorschreiben, wie sie zu arbeiten hat. Strafen von bis zu sieben Prozent des weltweiten Umsatzes drohen bei Verfehlungen. Kleine Unternehmen? Vollkommen chancenlos. Ein Regulierungswahn, der aus Europa einen Dschungel aus Abmahnfallen macht, während die USA Milliarden in KI-Infrastruktur pumpen.
Das „Stargate“-Projekt – von Trump einfach mal vereinnahmt: 500 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren und KI-Jobs. Europa? Diskutiert über Berichtspflichten und Datenschutzrichtlinien, die selbst Experten kaum verstehen. Währenddessen läuft die Innovationskraft der EU in einem Kreis aus zermürbender Ineffizienz und technischer Ahnungslosigkeit.
Galileo und die Wiederholung des Immergleichen
Selbst dort, wo Brüssel auf Infrastruktur setzt, wird’s peinlich. Beispiel Galileo: Es sollte die europäische Antwort auf den GPS-Standard werden, doch vorerst verursacht „Galileo“ vor allem Kosten. Was nützt die x-te Kopie eines bestehenden Systems, wenn die eigentlichen Schlüsseltechnologien – wie KI und Quantencomputing – komplett vernachlässigt werden?
Der EU-Masterplan: Mager-Quark statt Visionen
Und jetzt? Der neueste Coup: Megafabriken für KI sollen Europas Wettbewerbsfähigkeit retten. Ein EU-CERN für KI, Industriepolitik, Bürokratieabbau – alles unter dem Deckmantel eines „Wettbewerbsfähigkeits-Kompasses“. Klingt visionär, oder? Doch das Papier bleibt stumm zur entscheidenden Frage: Wer soll das alles bezahlen? Die Kommission vertröstet auf 2028, wenn der nächste EU-Haushalt beschlossen wird. Bis dahin: Stillstand.
Europas Tragikomödie
Europa hat nicht nur den Anschluss verpasst, es hat ihn aktiv sabotiert. Während sich die Welt neu erfindet, bleibt der alte Kontinent im Sumpf aus Bürokratie, Regulierungswut und fehlgeleiteter Ambitionen stecken. Der #ChiracDesJahres geht verdient an all jene, die großen Ankündigungen folgen ließen – nichts.
„Einfach mal wie Google bauen“? Danke, Europa, für diese Lektion im Scheitern.
Siehe auch:
Deutsches Google? Das verdient den Chirac des Tages
Vergebe wieder den Preis „Chirac des Tages“: Diesmal an das Projekt „Social Swarm“
Frank Schirrmacher braucht eine europäische Suchmaschine: Der Chirac des Tages
The Stargate Project: OpenAI & Partner investieren 500 Mrd. $ in KI
